Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen - Betroffene profitieren von fächerübergreifender Behandlung

(von links): Prof. Dr. Pawel Mroczkowski und Dr. Gero Moog

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden immer häufiger. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Neuerkrankungen stark zugenommen.

Man unterscheidet vor allem zwei Erkrankungen, den Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Der Verlauf dieser bis heute nicht heilbaren Erkrankungen ist sehr unterschiedlich und kann durch zahlreiche Komplikationen geprägt sein.

„Gerade bei so komplexen Erkrankungen ist es sinnvoll, den Gedanken einer interdisziplinären, also fächerübergreifenden, Versorgung in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt Dr. Gero Moog. Er ist der gastroenterologische Sektionsleiter des neugegründeten Viszeralmedizinischen Zentrums am Elisabeth-Krankenhaus Kassel. „Denn obwohl die immer wirksameren heutigen Immuntherapien die Chancen der Betroffenen auf langanhaltende Symptomfreiheit und Vermeidung einer Komplikation deutlich erhöht haben, bleibt das Management der Erkrankungen in vielen Fällen schwierig.“

Viele Patienten benötigen eine lebenslange Therapie. Auch müssen nach wie vor Betroffene auf Grund von Komplikationen operiert werden. Auch wenn dieser Anteil auf Grund der Wirksamkeit moderner Therapieverfahren deutlich rückläufig ist, werden bis zu 60 Prozent aller Erkrankten mit einem Morbus Crohn und bis zu 30 Prozent aller Colitis-Patienten im Laufe ihres Lebens operiert. „Da die Operation in einem durch gegebenenfalls mehrere Therapien veränderten Darm erfolgt, ist hier eine besondere Sorgfalt erforderlich“, erklärt Prof. Pawel Mroczkowski, Direktor des Viszeralmedizinischen Zentrums. „Hier könnten Einrichtungen zukunftsweisend sein, die sich der Betreuung von Patienten mit chronisch inflammatorischen Erkrankungen widmen.“

Darüber hinaus spielt bei der Behandlung von Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auch die enge Vernetzung von niedergelassenen und in der Klinik tätigen Ärzten eine Rolle. „Dies kann einen wichtigen Beitrag zu einer effizienten, erfolgreichen und für den Betroffenen zufriedenstellenden Therapie leisten“, betont Dr. Moog.

Nicht nur im gastroenterologischen Bereich, sondern auch auf chirurgischem Gebiet, hat sich in den letzten Jahren eine deutliche Entwicklung ergeben. So stellt für Patienten mit einer Colitis ulcerosa die Entfernung des gesamten Dick- und Mastdarms heute das operative Standardverfahren dar. Als Enddarmersatz wird dabei ein sogenannter ileoanaler Pouch (englisch Pouch: Beutel, Tasche) angelegt. Der Vorteil: Die Patienten benötigen keinen künstlichen Darmausgang. In Einzelfällen kann bei geringer Entzündungsaktivität im Rektum (Enddarm) aber auch eine Operation mit Erhalt dieses wichtigen Darm-Abschnitts erfolgen. In beiden Fällen bleibt die Kontinenz erhalten, was für die Lebensqualität einen entscheidenden Aspekt darstellt.

Beim Morbus Crohn ist der chirurgische Ansatz abweichend. Da bei dieser Erkrankung chirurgisch keine Heilung erreicht werden kann, muss sehr vorsichtig und organschonend operiert werden. Der Dünndarm wird nur sparsam entfernt oder plastisch erweitert, Fisteln werden schonend saniert. „Im Bereich der Fisteltherapie hat sich zusätzlich mit der nur in wenigen Einrichtungen durchgeführten Stammzelltherapie eine neue Option eröffnet“, sagt Dr. Moog. Eine enge interdisziplinäre Kooperation zwischen Chirurg und Gastroenterologe ist in all diesen Bereichen unbedingt erforderlich. Auch hinsichtlich des richtigen OP-Zeitpunktes und der adäquaten OP-Indikation ist eine enge Abstimmung die Voraussetzung zum Erfolg. Am Elisabeth Krankenhaus in Kassel erfolgt diese enge Kooperation unter dem Dach des neu gegründeten Viszeralmedizinischen Zentrums (VMZ). Hier kümmern sich Spezialisten gemeinsam um die Diagnose und Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. „Wir leisten diese enge Zusammenarbeit durch eine gemeinsame gastroenterologisch- chirurgische Sprechstunde, gemeinsame Visiten und regelmäßige Fallkonferenzen, an denen auch weitere Fachdisziplinen teilnehmen“, erklärt Prof. Mroczkowski die fächerübergreifende Behandlung am Elisabeth-Krankenhaus Kassel. (nh)

Kontakt:

Prof. Dr. Pawel Mroczkowski, Direktor Viszeralmedizinisches Zentrum

Dr. Gero Moog, Sektionsleiter Viszeralmedizinisches Zentrum

Tel.: 0561/7201234 (Terminkoordination)

E-Mail: vmz@ekh-ks.de

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