Frühjahrsputz fürs Herz

Prof. Dr. Martin Höher erklärt Befund
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Prof. Dr. Martin Höher erklärt einer Patientin den Befund einer Herzkatheter-Untersuchung. Doch dazu muss es erst gar nicht kommen – wer auf seine Herzgesundheit achtet, kann Erkrankungen vermeiden. Das Foto wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen.

Prof. Dr. Martin Höher über Herzgesundheit in Zeiten von Corona – Tipps für ein gesundes Herz

Wer sich regelmäßig bewegt, beugt wirksam Herz- und Gefäßkrankheiten, aber auch Diabetes mellitus und Krebserkrankungen wie Darm- oder Brustkrebs vor. Ideal ist Ausdauerbewegung an fünf Tagen die Woche – mindestens 30 Minuten. Zum Beispiel bei einer mäßigen Ausdauerbelastung Joggen, schnelles Gehen, Radfahren, Schwimmen, Ergometertraining oder auch Tanzen. Übergewicht kann zu Bluthochdruck führen, was dem Herz schadet.

Die Mittelmeerküche fördert das schrittweise Abnehmen für ein gesundes Normalgewicht. Und nicht nur beim Abnehmen hilft es, auf kalorienreiche alkoholische Getränke zu verzichten, auch die Leber dankt es.

Mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen lohnt sich. Rauchen ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und Arterienverkalkung. Das Frühjahr steht für positive Gefühle, Neuanfang und Aufräumen. Es ist eine Zeit, in der viele Menschen motiviert sind und mehr Sport machen, sich gesünder ernähren oder ganz bewusst fasten. Doch in diesem Jahr, wie auch schon im Jahr zuvor, ist vieles anders: Corona schränkt die Menschen ein, viele sind verunsichert, besorgt, können ihren gewohnten Alltag nicht mehr leben. Diese gedrückte Stimmung schlägt sich auch auf die Herzgesundheit nieder, weiß Prof. Dr. Martin Höher, Chefarzt der Kardiologie und Allgemeinen Inneren Medizin am Elisabeth-Krankenhaus in Kassel.

„Unglücklich sein und negativer Stress sind schlecht fürs Herz“, sagt der Arzt, „insbesondere dauerhafter Stress“. Sind die Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ständig erhöht, führt dies zu Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Doch Stress und Sorgen sind nicht alles – viele Faktoren kämen derzeit zusammen, die in der Summe negative Auswirkungen für die Herzgesundheit haben. „Die Menschen machen weniger Sport, bewegen sich nicht mehr so viel, haben weniger Kontakte, und arbeiten sitzend, allein im Homeoffice, wo zum Teil ungünstige Bedingungen vorherrschen, was wiederum Folgen wie Verspannungen und auch Frustrationen mit sich bringt.“

Beim Stichwort Verspannungen fügt der Kardiologe einen weiteren Aspekt an, den er beobachtet hat: Gerade in dieser Zeit würden Menschen Beschwerden häufig falsch deuten und dafür andere, harmlose Erklärungen finden. Doch das könne mitunter fatal sein, warnt Prof. Höher. Denn wenn jemand beispielsweise Schmerzen im Brustbereich habe und das auf seine ungünstige Haltung im Homeoffice zurückführe, könne dadurch eine ernsthafte Erkrankung übersehen werden. Zudem bestehe weiterhin zu oft die Tendenz, Arzt-Termine aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona zu vermeiden. „Das Risiko, Herzbeschwerden nicht zu beachten, steigt in dieser Zeit“, warnt der Kardiologe. Er rät daher dringend dazu, Beschwerden immer abklären zu lassen und damit nicht zu warten.

Prof. Dr. Martin Höher empfiehlt einen „kardiovaskulären Frühjahrsputz“ zum Beispiel mit Bewegung, mediterraner Kost und auch Fasten. Es muss nicht unbedingt Fasten im klassischen Sinne sein, vielleicht einfach bewusster Verzicht auf Alkohol und Nikotin – da beides eine toxische Wirkung auf das Herz hat. „Wir müssen die Corona-Situation kompensieren – auch mental. Das Herz wird extrem vom Kopf gesteuert“. Wer dem entgegentritt mit einer bewusst positiven Einstellung, einer gesunden Lebensweise, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf Gifte, bietet nicht nur seinem Herz einen Frühjahrsputz – der gesamte Körper profitiert auf Dauer davon. (veg)

Prof. Dr. Martin Höher, Chefarzt für Kardiologie und Innere Medizin

Zur Person

Prof. Dr. Martin Höher ist Chefarzt für Kardiologie und Innere Medizin am Elisabeth-Krankenhaus in Kassel. Prof. Höher unterrichtet Intensivmedizin an der Universität Ulm und Medizin für Nichtmediziner an der Universität Bayreuth. Er hat vier Kinder. Privat ist er sehr musikalisch. Soweit noch Zeit bleibt, spielt er Klavier, Orgel und Trompete.

Elisabeth-Krankenhaus Kassel GmbH
Weinbergstraße, 734117 Kassel

Tel. 05 61 / 7 20 11 77

E-Mail: innere-sekr1@ekh-ks.de

elisabeth-krankenhaus-kassel.de

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