Künstliches Kniegelenk: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

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Endoprothetik: Interview mit dem Chefarzt der Unfall- und orthopädischen Chirurgie Dr. Uwe Behrmann.

Schmerzen und Bewegungseinschränkung – der Gelenkverschleiß des Knies erzeugt oft großen Leidensdruck.

Wenn Medikamente und Physiotherapie nicht ausreichend helfen, stellt sich daher für viele Patienten die Frage nach einem Kunstgelenk. Dr. Uwe Behrmann ist Chefarzt der Unfall- und orthopädischen Chirurgie. Mit seinem Team setzt er jährlich mehr als 200 künstliche Kniegelenke ein. Das Elisabeth-Krankenhaus gehört damit auf diesem Gebiet zu den Top drei in Kassel und Umgebung. Hier beantwortet Dr. Behrmann die häufigsten Fragen seiner Patienten:

Bin ich nicht zu jung für ein künstliches Kniegelenk?

Ob eine Operation notwendig ist, muss natürlich bei jedem einzelnen Patienten sorgfältig geprüft werden. Das ist aber keine Frage des Alters. Wenn alle konservativen Maßnahmen wirklich ausgeschöpft sind, ohne dass eine Besserung der Beschwerden eingetreten ist, kann eine Endoprothese ratsam sein. Bei manchen Menschen ist das Knie bereits mit 40 Jahren so kaputt, dass sie im Alltag enorm eingeschränkt sind und andauernd starke Schmerzen haben. In solchen Fällen sollte man nicht warten, denn dann verliert man wertvolle Lebenszeit.

Bessern sich meine Beschwerden nach der OP?

Es wird nicht mehr so, wie es mit 20 war und Betroffene werden in der Regel auch keinen Leistungssport machen können, da muss man realistisch sein. Allerdings lassen die Schmerzen bei den allermeisten Patienten nach dem Eingriff deutlich nach und die Beweglichkeit verbessert sich. Sie können dann wieder aktiver am Leben teilnehmen: Konzerte besuchen, Radtouren unternehmen oder mit dem Hund spazieren gehen.

Wie lange hält der Gelenkersatz?

Endoprothesen halten im Schnitt 15 bis 20 Jahre. Es können aber durchaus auch 25 und mehr Jahre sein. Patienten können selbst einiges für eine lange Haltbarkeit tun – zum Beispiel mit gelenkschonenden Sportarten in Bewegung bleiben.

Wann ist eine Wechseloperation nötig?

Gründe für eine Revision sind neben dem normalen Verschleiß des Kunstgelenks beispielsweise Schmerzen, Instabilität, Infektion oder Knochenbrüche. Werden Wechseloperationen fachmännisch durchgeführt, lassen sich damit sehr gute Ergebnisse erzielen.

Wann bin ich nach dem Eingriff wieder fit?

Die meisten Patienten benötigen in den ersten vier Wochen nach der OP Unterarmgehstützen. Nach etwa drei Monaten können sie wieder sicher ohne Hilfsmittel gehen. Manche unserer Patienten berichten uns, dass sie um diesen Zeitpunkt wieder so gut unterwegs waren, dass sie gar nicht mehr an das Kunstgelenk dachten. Die gesamte Heilungsphase kann aber auch sechs bis neun Monate dauern.

Weniger Komplikationen durch Schmerztherapie nach Operationen

Operationen verursachen Schmerzen. Sie zu lindern und so gering wie möglich zu halten, ist das Ziel der sogenannten postoperativen Schmerztherapie, die heute zum medizinischen Standard gehört. „Neben der ethischen Verpflichtung, Schmerzen gut zu behandeln, können wir auch die Rate der Komplikationen nach Operationen verringern. Der schmerzarme Patient, der nach Operationen schnell mobilisiert werden kann, hat ein niedrigeres Risiko zum Beispiel eine Thrombose oder eine Lungenembolie zu erleiden“, sagt Dr. Sigrid von Meibom. Sie ist Anästhesistin im Elisabeth-Krankenhaus und hat eine Weiterbildung im Bereich Spezielle Schmerztherapie absolviert. Je nach Art und Größe des Eingriffs und den zu erwartenden Schmerzen erhalten Patienten eine Basisschmerztherapie. Doch jeder Mensch empfindet Schmerzen unterschiedlich stark. „Deshalb befragen wir unsere Patienten regelmäßig“, sagt Dr. von Meibom. „Dazu benutzen wir eine Skala von null bis zehn“. Null bedeutet: keine Schmerzen; die Zehn steht für den stärksten vorstellbaren Schmerz. „Nach den Angaben des Patienten können wir dann die Schmerztherapie individuell anpassen.“ Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die miteinander kombiniert werden können. Neben Schmerzmedikamenten kann beispielsweise über gelegte Katheter der Schmerz lokal behandelt werden. Dieses Verfahren ist zum Beispiel bei der Operation einer Knieprothese Standard. Nh

Elisabeth-Krankenhaus 

Weinbergstr. 7 

34117 Kassel 

Tel.: 05 61 / 72 010 

www.elisabeth-krankenhauskassel.de

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