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Viel mehr als Kaugummi: Ellen Markgraf gibt Fotobuch über Kasseler Automaten heraus

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Von: Katja Rudolph

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Ellen Markgraf vor einem Kaugummi-Automaten am Bebelplatz. In der Hand hat sie eine Sammlung von Dingen aus ähnlichen Automaten.
Hat ein Faible für Kaugummiautomaten: Ellen Markgraf vor dem Gerät am Bebelplatz. Die Kasslerin gibt ein Fotobuch über Kaugummiautomaten und deren Inhalt heraus. © Katja Rudolph

Eine Kunsthistorikerin rückt Kassels Kaugummiautomaten in den Blickpunkt. Ellen Markgraf gibt ein Buch über das „Dasein der Kaugummiautomaten in Kassel“ heraus.

Kassel – Ellen Markgraf kommt an keinem Kaugummiautomaten vorbei. Die 66-Jährige hat immer Kleingeld dabei, um sich „was zu ziehen“, wie sie es formuliert. Die Automaten und ihre Inhalte versetzen die Kasselerin auch in ihre Kindheit zurück. Und so liegt ein Leuchten in ihren Augen, wenn sie über winzige Kobolde mit pinkem Wuschelhaar, glitzernde Armbändchen oder eine Plastikpfeife mit Gruselgesicht aus ihrer Sammlung spricht.

Fotos davon und von den Automaten selbst hat sie in einem kleinen Bildband zusammengestellt mit dem Titel: „Dasein der Kaugummiautomaten in Kassel“. Vor gut drei Jahren hat die Kunsthistorikerin, die sich unter anderem schon mit Graffiti-Gesichtern, Beuys-Basaltstelen und Briefkästen auseinandergesetzt hat, ihr aktuelles Sujet in den Blick genommen.

Eine Trollfigur aus einem Automaten.
Eine Trollfigur aus einem Automaten. © Thorsten Kern

Als Mittel gegen die Bilderflut suche sie sich auch in Urlauben gern bestimmte Motive, die ihr zur Erkundung von Städten und Landschaften dienen, sagt Ellen Markgraf. Und so begab die gebürtige Rheinländerin sich in Kassel, wo sie seit 20 Jahren lebt, auf die Suche nach Kaugummiautomaten.

Sie sei selbst überrascht gewesen, wie viele Apparate es noch gebe, sagt die Kunsthistorikerin. Um die 100 Stück dürften es in der Stadt sein, besonders viele an der Wolfhager und der Holländischen Straße. 40 davon hat sie samt deren unmittelbarem Umfeld in dem Buch festgehalten. Einige sind dabei gut in Schuss, andere wirken arg ramponiert oder beschmiert, wieder andere stehen leer. Für Markgraf spiegeln die Automaten auch „die Zustände einer Stadt“ wider.

Ein „Kassel ist schön“-Button aus einem Automaten.
Ein „Kassel ist schön“-Button aus einem Automaten. © Thorsten Kern

Und die sind in ständiger Veränderung. Bei einem erneuten Rundgang kurz vor Fertigstellung des Buchs habe sie festgestellt, dass es einigen Automaten „richtig schlecht geht“, sagt die 66-Jährige, die sich kaum noch durch die Stadt bewegen kann, ohne nach ihren Fotoobjekten zu gucken: „Das ist, als würde man alte Freunde treffen“.

Wenn sie dann Münzen einwirft, ist Ellen Markgraf den Gefühlen ihrer Kindheit wieder nahe: „Wie man immer versucht hat, den Drehmoment herauszuzögern in der Hoffnung, dass vielleicht zwei Sachen herauskommen.“ Sie erinnere sich auch noch gut an den Gewissenskonflikt, wenn sie sonntags zum Kirchgang 20 Pfennige eingesteckt bekam: „Ob ich wohl 10 für die Kollekte und 10 für den Kaugummiautomaten nehmen kann?“ Was man für sein Geld bekommt, ist für Markgraf bis heute längst nicht nur Schrott: „Da sind auch liebevollst gemachte Sachen dabei“, findet sie.

Für ihr Buch, bei dem sie Thorsten Kern (Produktfotos) und Petra Bähner (Layout) unterstützt haben, hat die Kasselerin bislang keinen Verleger gefunden. 100 Exemplare wird sie nun drucken lassen und in Eigenregie und über kleinere Läden verkaufen. Auch eine Ausstellung der Fotos würde sie am liebsten noch im documenta-Sommer auf die Beine stellen.

Ein Perlenarmband aus einem Automaten.
Ein Perlenarmband aus einem Automaten. © Thorsten Kern

Außerdem ist ein Stadtspaziergang entlang der Automatenstandorte in Arbeit. Dafür sollte man auf jeden Fall Kleingeld einstecken: falls etwas Verlockendes durch die Automatenscheibe blitzt. ellenmarkgraf.de

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