50 Prozent der Grundschüler im Brückenhof werden gefahren

Problem Elterntaxis: In Kassel sollen Bleistifte und Radiergummis helfen

+
Gehen lieber zu Fuß zur Schule, als gebracht zu werden: Die Viertklässlerinnen Lisa-Marie Gaus (von links), Diana Babets und Marie Sophie Stel an einer der neuen Kinderhaltestellen in der Brückenhofsiedlung. 

Elterntaxis sind eine Plage an fast allen Schulen. Im Kasseler Stadtteil Oberzwehren sollen nun neue Kinderhaltestellen den Schulweg sicherer machen.

Birgit Nachbar hat von Eltern schon viele Ausreden gehört, weshalb sie ihre Kinder mit dem Auto zur Grundschule Brückenhof-Nordshausen bringen. Die einen sagen, sie würden doch ohnehin zur Arbeit hier vorbeifahren, die anderen haben Angst, ihre Kinder könnten entführt werden, wenn sie zu Fuß gingen.

Jeder weiß, dass  Elterntaxis den Schulweg für Kinder, die nicht im Wagen sitzen, nur gefährlicher machen, und trotzdem wird die Hälfte der 321 Grundschüler in der Brückenhofsiedlung mit dem Auto chauffiert, wie Nachbar schätzt. „Dabei wohnen alle Kinder fußläufig. Wir müssen die Eltern immer wieder daran erinnern, aber nach den nächsten Ferien haben sie es wieder vergessen. Es ist einfach schlimm“, klagt die Ganztagskoordinatorin.

Darum sollen nun Bleistifte den Schulweg im Quartier in Oberzwehren sicherer machen. An drei Standorten in der Heinrich-Plett-Straße gibt es bald Kinderhaltestellen, die aus einem überdimensionalen Stift und einer Radiergummibank bestehen.

Hier sollen sich Kinder treffen, um dann gemeinsam zur Schule zu gehen. 4500 Euro kosten die drei Haltestellen dieses „laufenden Schulbusses“. Finanzielle Unterstützung dafür gab es von der GWH-Wohnungsgesellschaft. Für Geschäftsstellenleiter Henry Jäger wird so „die Verkehrssicherheit der Kinder erhöht“, und es gibt „mehr Orientierungshilfen auf dem Schulweg“.

Bereits seit Längerem arbeitet die Grundschule mit dem Kinderbüro der Stadt, dem Spiel- und Beteiligungsmobil Rote Rübe sowie dem Frauentreff Brückenhof zusammen, um den Schulweg attraktiver zu machen und den „Bring-Hol-Verkehr“ zu minimieren. So zeigen gelbe Fußsohlen auf dem Asphalt geeignete Überwege an. Mülleimer und Verteilerkästen wurden bemalt. Das soll den Weg für Kinder attraktiver machen.

Laut Christiane Plaha vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt ist es „ein häufiger Wunsch von Kindern, gemeinsam zur Schule zu gehen“. Darum gibt es im Fasanenhof ebenfalls eine Kinderhaltestelle mit Mega-Bleistift. Für die Grundschule Waldau wurde zudem eine Hol- und Bringzone eingerichtet.

All diese Dinge können den Schulweg sicherer machen. Das Elterntaxi-Problem, das ahnen alle Beteiligten, wird trotzdem bestehen bleiben. Manchmal muss sogar vor den Erwachsenen gewarnt werden. Vor einer Grundschule im Düsseldorfer Stadtteil Niederkassel wurde vor einigen Jahren ein Schild aufgestellt: „Vorsicht, liebe Kinder, hier fahren eure Eltern.“ Weniger Elterntaxis gibt es seitdem aber auch in diesem Kassel nicht.

Lesen Sie dazu: Parkplätze für Elterntaxis: Witzenhausen hat Hol- und Bringzone eingerichtet

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.