Erster Schultag: Eine Sechsjährige und ihre Eltern erzählen

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Fiebern dem Schulstart entgegen: Emma Nähler (6) mit ihren Eltern Lars und Maria Nähler, die beide als Lehrer arbeiten. Seit ein paar Tagen will Emma ihre Bücher nicht mehr vorgelesen bekommen, sondern selbst lesen.

Kassel. Für 3388 Schüler in Stadt und Landkreis beginnt die Schulzeit. Aber nicht nur für die Erstklässler ist der erste Schultag eine Nervenprobe, auch deren Eltern fiebern mit. Wir fragten ein Lehrerehepaar und dessen Tochter, die heute eingeschult wird, welche Gefühle sie begleiten.

Der Ernst des Lebens beginnt für die sechsjährige Emma Nähler in Pink: Schulranzen, Mäppchen, Zuckertüte – alles leuchtet in ihrer Lieblingsfarbe. Heute wird sie ihren neuen Ranzen für den ersten Schultag an der Schenkelsbergschule in Oberzwehren nicht mehr nur zur Probe aufsetzen. Die Last auf den Schultern spürt aber nicht nur Emma, sondern auch ihre Eltern Maria und Lars Nähler. Das Lehrerehepaar weiß nur zu gut, dass ein neuer Lebensabschnitt neue Herausforderungen mit sich bringt.

„Die behütete Kindergartenzeit ist vorbei“, sagt Vater Lars Nähler. Es schwingt die Wehmut eines Vaters mit, der das Größerwerden seines Kindes gern verlangsamen würde. „Sicher wird für Emma nicht alles einfach sein, aber jetzt wird es wohl Zeit für eine Weiterentwicklung“, sagt der Gymnasiallehrer.

Emma ist etwas aufgeregt vor ihrem großen Tag. Sie vermisst auch ihre Kindergärtnerinnen. Auf der anderen Seite ist da aber die Neugier aufs Lesen, Schreiben, Rechnen. Dass ihre Klasse nicht mehr „Sternenfänger“ heißt, wie die Gruppe in ihrem Kindergarten, sondern schlicht 1B, daran wird sie sich gewöhnen. Was sie sonst in der Schule erwartet, das weiß die Sechsjährige noch nicht so genau. Ganz genau weiß sie aber, dass sie neben einer ihrer Freundinnen sitzen möchte, die auch eingeschult werden.

„Alles wirkt so groß“

Lars Nähler, der auch auf der Schenkelsbergschule seine Grundschulzeit verbrachte, erinnert sich noch, wie der Schulanfang für ihn war: „Ich war so klein, und alles wirkte so groß.“

Damit der Schulanfang nicht zur Überforderung wird, haben sich die Eltern mit ihrem Beruf zu Hause nicht ganz zurückgehalten: Ein paar Schreibübungen mit der Mutter und einige Sporteinheiten mit dem Vater, der neben Englisch auch Sport unterrichtet, gab es für Emma. Aber damit kein falscher Eindruck entstehe: „Als Eltern wollen wir uns zwar in der Grundschule unserer Tochter engagieren, aber wir werden uns dort nicht als Besserwisser aufspielen“, sagt Maria Nähler, die als Förderschullehrerin arbeitet.

Die Starthilfe der Eltern hat Wirkung gezeigt: Emma kennt schon etliche Zahlen, und auch mit dem Schreiben klappt es ganz gut. Vergangenen Sonntag wollte sie zum ersten Mal nicht mehr, dass ihr die Eltern ein Buch vorlesen. Sie versuchte es selbst.

Bei einer Sache ist Emma schon reif für die fünfte Klasse. Als sie ein Jahr alt war, begann der Vater mit ihr auch Englisch zu sprechen. Wenn es nach Emmas Wunsch geht, wird sie aber nicht Englischlehrerin, sondern Tierärztin – aber auch am Zirkus und an Ballett hat sie Spaß.

Von Bastian Ludwig

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