Auftakt vor dem Landgericht: Drei junge Leute müssen sich wegen Attacke auf junge Frau verantworten

„Hurenschnitt“: Heftige Emotionen vor dem Landgericht

Kassel. Emotionen dieses Hitzegrades sind selbst vor dem Landgericht selten: „Das ist ein Dreck. Ein Abschaum“, ruft die zentrale Zeugin in den Saal. 

Sie meint die zierliche 25-Jährige ganz links auf der Anklagebank. Jeden Morgen, wenn sie in den Spiegel sehe, müsse sie an diese Frau denken - und das, was sie ihr angetan habe. „Ich hasse sie“, bestätigt sie dem Verteidiger der 25-Jährigen unumwunden.

Die 25-Jährige aus Hamburg sitzt nicht allein auf der Anklagebank. Neben ihr muss sich ein 21- und 24-jähriges Geschwisterpaar aus Nordrhein-Westfalen wegen schwerer Körperverletzung oder Beihilfe dazu verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei jungen Leuten vor, im vergangenen Oktober in eine Ferienwohnung in Kassel eingedrungen zu sein. Dort hätten sie der Zeugin einen sogenannten „Hurenschnitt“ verpassen und sie dauerhaft entstellen wollen. Die junge Frau habe tatsächlich Schnittverletzungen erlitten - auch im Gesicht.

Hintergrund seien familiäre Auseinandersetzungen Die 25-jährige Angeklagte sei früher mit einem Bruder der beiden anderen Angeklagten verheiratet gewesen - nicht amtlich, aber nach dem Recht der Roma. Die Geschädigte sei nach gleichem Recht dessen neue Frau.

Diese familiäre Konstellation wird von den Angeklagten bestätigt. Doch ansonsten laufen die Aussagen deutlich auseinander. Vor allem die Frauen belasten sich gegenseitig, der Zeugin die Schnittverletzungen zugefügt zu haben. Der junge Mann will nur der Fahrer gewesen sein.

Von einem „Hurenschnitt“ als Schnitt ins Gesicht allerdings spricht keine der beiden Angeklagten. In ihren Versionen hat die jeweils andere nur deshalb ein Messer dabei, um der Frau in Kassel die Haare zu stutzen. Das werde bei den Roma manchmal gemacht, erklärt die 25-Jährige auf Nachfrage. Den „Hurenschnitt“ als entstellende Verletzung gebe es als Brauch bei ihnen nicht.

Das bestätigt auch der Partner der Geschädigten. Er erklärt aber auch, die 25-Jährige habe seiner neuen Frau immer wieder eine solche Verletzung angedroht und sie beide über Wochen mit Telefonaten und SMS terrorisiert.

Als er in seiner Aussage die 25-Jährige „Hure“ nennt und ankündigt, ein noch bei ihr lebendes gemeinsames Kind zu sich holen zu wollen, kochen auch bei der Angeklagten die Emotionen über: „Du sitzt auf diesem Stuhl und lügst“, ruft sie laut in den Saal.

Die Strafkammer will auch klären, ob sich die 25-Jährige mit Tritten gegen den Bauch der Geschädigten einer versuchten Abtreibung schuldig gemacht hat.

Die Angeklagte bestreitet das - Schläge und weniger gezielte Tritte räumt sie ein. Schläge gegen die Geschädigte bestreitet auch die andere Angeklagte nicht.

Von Katja Schmidt

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