Senioren protestierten gegen Schließung des Stadtteilzentrums in Niederzwehren 

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Über 100 Senioren protestierten in der Karl-Branner-Halle: Uschi Krollmann (vorne rechts) überreichte Oberbürgermeister Bertram Hilgen (links) eine Liste mit 324 Unterschriften gegen die Streichung der städtischen Mittel für das Stadtteilzentrum Am Wehrturm in Niederzwehren.

Kassel. Es kommt selten vor, dass Demonstranten den vermeintlichen Verursacher ihres Unmuts mit Applaus und Bravo-Rufen begrüßen. Es war gestern aber auch eine etwas ungewöhnliche Protestkundgebung, die im Kasseler Rathaus stattfand.

Über 100 Frauen und Männer, die Kurse im Stadtteilzentrum Am Wehrturm im Awo-Altenzentrum in Niederzwehren besuchen, waren am Mittag in den Karl-Branner-Flügel gekommen, um vor Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) gegen die Schließungspläne der Einrichtung zu demonstrieren.

Wie die HNA berichtete, hat die Stadt Kassel den Vertrag mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) über die freiwillige Zuwendung von 51 000 Euro pro Jahr gekündigt. Davon wurden bislang ein Sozialarbeiter und Sachkosten für das Stadtteilzentrum finanziert. Wenn der Mann Ende Juni 2012 in Altersteilzeit geht, soll der Zuschuss in dieser Form wegfallen.

„Das kann man nicht so einfach zerschlagen.“

Kurs-Teilnehmerin Uschi Krollmann

„Wir sind empört, wir sind beunruhigt“, fasste Uschi Krollmann, frühere Awo-Bezirksvorsitzende und Teilnehmerin der Kurse Nordic Walking und Gymnastik, den Protest ihrer Mitstreiter zusammen. Über 300 Frauen und Männer besuchten jede Woche das Stadtteilzentrum. Hier würden nicht nur Seniorenbildung und Gesundheitsvorsorge gefördert, sondern auch soziale Kontakte geschlossen. „Das kann man nicht so einfach zerschlagen.“

Krollmann warf ihrem Parteifreund Hilgen vor, dass die Entscheidung, die Zuwendungen zu streichen, am grünen Tisch gefallen sei. Bislang sei noch kein Vertreter der Stadt in der Einrichtung in Niederzwehren gewesen, um zu schauen, was dort für hervorragende Arbeit für ältere Menschen geleistet werde.

Hilgen machte deutlich, dass die Stadt die 51 000 Euro für die Seniorenarbeit in Niederzwehren nicht streichen wolle. Vielmehr sollen die aktuellen Angebote darauf geprüft werden, ob sie den Bedürfnissen jener Senioren entsprechen, die verstärkt auf Hilfe angewiesen seien. Hochbetagte Menschen, die über 80 Jahre alt sind, sollen künftig verstärkt unterstützt werden.

Das Angebot solle für diese Gruppe geöffnet werden, sagte Hilgen. Er versprach den Protestierenden, dass sich alle Beteiligten (Stadt, Awo, Orts- und Seniorenbeirat, Volkshochschule) an einen Tisch setzen würden, um eine Lösung zu finden. „Wir haben ja noch ein dreiviertel Jahr Zeit.“ Er bot den Kursteilnehmern an, dass fünf Vertreter aus ihren eigenen Reihen an den Gesprächen teilnehmen können. „Ich werde ein persönliches Auge auf die Verhandlungen werfen“, versprach der OB.

„Ich werde ein persönliches Auge auf die Verhandlungen werfen.“

Oberbürgermeister Bertram Hilgen

Wie wichtig das Stadtteilzentrum für die Nutzer ist, machten zwei Männer deutlich. „Das ist eine Sache, die ein Heimatgefühl vermittelt“, sagte einer. Ein anderer erklärte, dass er nach einer schweren Erkrankung nur durch die Gymnastik- und Walking-Kurse im Stadtteilzentrum wieder auf die Beine gekommen sei.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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