Die Messerschmidts geben nach 107 Jahren Salon an der Schönfelder Straße auf

Ende einer Kasseler Friseurdynastie: Messerschmidts schließen nach 107 Jahren

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Der Gründer: (von rechts) Hermann Messerschmidt, seine Frau Katharina und ein Lehrling vor dem ersten Friseursalon. 

Wehlheiden. „Ich schätze, bei uns haben eine halbe Million Kunden Platz genommen“, sagt Klaus Messerschmidt. Der 62-jährige Friseurmeister und seine Frau Brigitte (57) haben in dritter Generation den Friseursalon Messerschmidt an der Schönfelder Straße in Wehlheiden geführt. Nun ist diese Ära zu Ende.

Das Geschäft war im März 1905 von seinem Großvater Hermann eröffnet worden. Aus gesundheitlichen Gründen gibt das Ehepaar den Salon nach fast 107 Jahren zum Jahresende auf.

Sie verabschieden sich Silvester von ihren Kunden: Klaus und Brigitte Messerschmidt haben das Familienunternehmen in dritter Generation geführt.

Hermann Messerschmidt war erst 22 Jahre alt, als er den Salon an der Schönfelder Straße 38 1/2 (im Haus gegenüber des heutigen Geschäfts) eröffnete. Anfangs zählten nur Männer zu den Kunden. Viele Geschäftsleute ließen sich regelmäßig rasieren. Messerschmidts Frau Katharina, die er 1907 geheiratet hatte, lernte aber schnell das Ondulieren (die Haare werden mit einer Brennschere zu eleganten Wellen gelegt). Danach kamen auch die Damen.

Katharina und Hermann bekamen zwei Söhne. Der jüngere Sohn Heinz (geboren 1920) wurde ebenfalls Friseur. Er verliebte sich in Lieselotte Lahn, die aus einer Friseurfamilie in Wismar stammte. 1945 heirateten die beiden.

Nachdem Heinz Messerschmidt 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, arbeitete er im Geschäft seiner Eltern mit. Schon ein Jahr später übernahm er den Salon, 1949 wurde Klaus, der Sohn von Lieselotte und Heinz Schmidt geboren.

Die Messerschmidts waren stets Friseure mit Leib und Seele. Lieselotte besuchte die Friseurschule in Frankfurt und legte 1957 ihre Meisterprüfung ab. Im selben Jahr wurde der erste Lehrling eingestellt. Zwischen 70 und 80 junge Menschen haben bis heute ihre Ausbildung bei den Messerschmidts gemacht. 1960 eröffneten die Familie auf der anderen Seite der Schönfelder Straße einen neuen Salon.

Wie sollte es anders sein: Auch Klaus, der 1971 seine Meisterprüfung machte, verliebte sich in die Tochter eines Friseurs. Brigitte Messerschmidts Vater hatte einen Salon in Rengershausen. „Wir sind eine richtige Friseurdynastie“, sagt Messerschmidt, der mit seiner Familie in Wellerode lebt. Eine Ära, die nun zu Ende geht. Die vier Kinder (22 bis 37) haben kein Interesse am Friseurhandwerk.

Mit Wehmut

„Es ist schon Wehmut dabei, wenn man das so lange gemacht hat“, sagt Brigitte Messerschmidt. Die beiden haben viele Trends mitgemacht. Nach dem Krieg waren Dauerwellen angesagt. Seit den 90er-Jahren werden deutlich weniger Locken gelegt. „Früher war das zehn Mal soviel“, sagt Messerschmidt. Er und seine Frau setzen aber bereits seit 20 Jahren auf Naturkosmetik und Pflanzenfarben. Auf Haarspray mit Treibgas verzichtet man seit langem. „Wir wollen auch im beruflichen Umfeld auf die Umwelt achten“, sagt Messerschmidt, der Mitglied der Grünen ist.

Den Salon übergeben sie in vertraute Hände: Cora Ohlig-Meurer (29) hat bei den Messerschmidts gelernt und ihren Meistertitel in der Tasche.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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