Sozialer Frieden in der Schule

Ende der Förderschulen: Lehrerin mit Lernhilfeschülern in der Klasse erzählt

Kassel. Zum Thema „Modellregion inklusive Bildung“ erreichten uns die Stimmen vieler Nutzer. Eine 39-jährige Grundschullehrerin erzählt von ihren Erfahrungen. Sie unterrichtet in ihrer 4. Klasse 20 Schüler, davon vier Lernhilfeschüler.

Es handelt sich um lernbeeinträchtigte Kinder mit Wahrnehmungsschwierigkeiten und eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten. Es gibt zwei Parallelklassen, in einer Klasse wird ein Kind mit Lernhilfebedarf unterrichtet. Für neun Stunden pro Woche komme von der zuständigen Schule für Lernhilfe eine Fachkollegin in die Klasse.

Lesen Sie auch:

- Förderschulen sind in Kassel bald Vergangenheit

Sie kümmere sich um alle Schüler gleichermaßen, die das auch einforderten. Der Bedarf an sogenannter Doppelsteckung werde errechnet. „Je nach Stundenplan ist das ein Flickerlteppich.“ Die Lehrerin sagt: „Es läuft im Großen und Ganzen nicht schlecht, doch an vielen Stellen hakt es noch. Wir könnten eine größere Doppelsteckung gebrauchen.“

Die Eltern seien „ziemlich entspannt. Die Stimmung in der Klasse ist erstaunlich angenehm, ich hatte mir mehr Sorgen gemacht, auch wie die Kinder damit umgehen.“ Sie akzeptierten problemlos, beispielsweise, dass die lerneingeschränkten Kinder einfacherere Aufgaben bekommen als sie. Den eingeschränkten Kindern werden individuelle Lernziele gesteckt, die sie in ihrem Rahmen auch erreichten. „Die Kinder fühlen sich wohl und sind akzeptiert, in der Klasse herrscht sozialer Frieden.“

Trotzdem sei nicht alles super. „Vier inklusive Kinder in der Klasse zu haben ist viel mehr Arbeit und eine starke psychische Belastung. Man muss mehr absprechen, und dafür sind einfach keine Zeiten vorgesehen.“

Elternbund: Ratgeber für Eltern

Inklusion besagt, dass alle Vertragsstaaten sicherstellen müssen, dass Menschen mit Behinderungen nicht auf Grund ihrer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden dürfen. „Daran hapert es in Hessen gewaltig. Ich lehne die Schaffung von Modellregionen, wie sie in Hessen stattfindet, ab. Inklusion muss für alle gelten, überall. Ohne entsprechende Mittel ist das nicht machbar“, sagt Hella Lopez vom Elternbund Hessen (ebh). Die GEW-Gruppe Inklusionsbeobachtung (GIB) hat einen vom ebh und der GEW Hessen konzipierten Reader „Inklusion“ herausgebracht.

Download: www.gib-hessen.de

Verein: Noch Nachholbedarf

Angesichts des erheblichen Nachholbedarfs in Sachen inklusiver Bildung in Kassel tritt der Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) dafür ein, dass die Inklusion in den Kasseler Schulen schnell voran getrieben wird. Das Vorhaben der Stadt, gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt eine Modellregion inklusive Bildung umzusetzen, müsse beschleunigt statt gebremst werden, sagte Otmar Miles-Paul vom fab-Vorstand. In Kassel könne man auf die guten Erfahrungen in Schulen aus den vergangenen 30 Jahren aufbauen, „statt wie bisher immer nur die Grenzen von inklusiver Bildung zu sehen“ . (chr)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.