Am Mittwoch hört Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep nach 15 Jahren auf - Ein Porträt

Ende der Ära Postlep: Er war ein Glücksfall für die Uni

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Er geht zufrieden: Nach 15 Jahren als Präsident legt Prof. Rolf-Dieter Postlep jetzt sein Amt nieder. Am Mittwoch ist sein letzter Arbeitstag. 

Kassel. In seinem Büro an der Mönchebergstraße sind die meisten Regalfächer schon leer geräumt. In zwei Tagen wird Rolf-Dieter Postlep es für immer verlassen. Nach 15 Jahren als Präsident der Uni Kassel macht der 69-Jährige Schluss.

Der endgültige Abschied ist ein leiser. Der große Festakt fand schon zum Ende des Sommersemesters statt. Seitdem hat der Präsident weitergearbeitet wie immer. „Meine Verantwortung endet am Mittwoch um Mitternacht“, sagt er.

Auch Postlep, der 1996 für eine Wirtschaftsprofessur nach Kassel gekommen war und 2000 Präsident wurde, geht aufgeräumt. „Ich bin zufrieden“, sagt er. Wie kein anderer hat er Spuren auf dem Campus und darüber hinaus hinterlassen. Ein Drittel der Geschichte der 1971 gegründeten Hochschule hat er gestaltet und sie zu einer modernen Universität entwickelt, die im bundesweiten Wettbewerb mitspielt.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit verschwand 2001 die Gesamthochschule aus dem Namen der Universität. Heute ist der Ruf der Reformhochschule abgestreift. Die Universität ist in der Region anerkannt wie nie - auch weil Postlep den Platz der Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm, sondern in der Gesellschaft sah. Er trieb den Wissenstransfer voran und vernetzte die Hochschule mit der Wirtschaft und anderen regionalen Akteuren.

In seiner Amtszeit ist die Uni enorm gewachsen - zahlenmäßig und räumlich. Der Ansturm von Studenten - heute sind es fast 24 000 - brachte die Hochschule zeitweise an ihre Kapazitätsgrenze. Als Postlep anfing, bestand der Campus am Holländischen Platz im Wesentlichen aus den 80er-Jahre-Backsteinbauten. „Schlumpfhausen“, wie Postlep mit einem Lachen sagt. Der Ausbau des Campus auf dem ehemaligen Gottschalk-Gelände war seine Vision - die heute Wirklichkeit ist.

Der Baupräsident

Kaum verändert: Das Bild entstand nach Postleps Wahl im Juni 2000.

Die Liste der Neubauten, die Postlep auf dem Weg gebracht hat, ist lang und millionenschwer: angefangen mit den Instituten für Musik und die Geisteswissenschaften an der Kurt-Wolters-Straße über Mensa-Anbau und Sportinstitut bis zum Science Park und dem lang ersehnten Hörsaalzentrum. Auch die Zusage für den ersten Bauabschnitt für den Umzug der Naturwissenschaften von Oberzwehren an den Holländischen Platz hat er dem Land zuletzt noch abgerungen.

Postlep, den man stets locker und zu Späßen aufgelegt erlebt, war in Wiesbaden als harter Verhandler bekannt. Auch wenn er nie berechnend wirkte - manchmal eher, als ob er improvisiere: Der Uni-Chef wusste immer sehr genau, was er wollte.

Postleps Erfolgsgeheimnis ist seine Persönlichkeit. Offen und ohne jeden intellektuellen Dünkel geht der vierfache Vater, der seit 46 Jahren verheiratet ist, auf Menschen zu. Früher, als er noch selbst Fußball spielte, sei er immer der einzige Akademiker in der Mannschaft gewesen, erzählt der leidenschaftliche Fußballfan und fügt fast stolz hinzu: „Das hat keiner gemerkt.“

Sein Ausscheiden in Kassel bedeutet für den 69-Jährigen, der bis zuletzt keine Spur von Amtsmüdigkeit zeigte, noch nicht wirklich den Ruhestand. Als ehrenamtlicher Präsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung in Hannover macht er nahtlos weiter. Zu Hause bleibt er in der Unterneustadt, wo er mit Ehefrau Marion direkt an der Fulda lebt. „Wir sind im Lauf der Jahre zu richtigen Kassel-Fans geworden.“

Rolf-Dieter Postlep über ... 

seine Amtszeit: „Neulich habe ich meine Rede vor der Wahl im Jahr 2000 in die Hände gekriegt und festgestellt, dass genau das drinsteht, was sich auch erfüllt hat. Alles, was ich damals dachte, ist 1:1 passiert.“

seinen Job: „Das war genau das Richtige für mich. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht gern in die Uni gegangen bin.“

seine neue Aufgabe in Hannover: „An das, was ich hier in Kassel an praktischen Erfahrungen gemacht habe, kann ich dort anknüpfen und es in allgemein-theoretische Zusammenhänge transferieren. Das reizt mich sehr.“

Beruf und Familie: „Die Familie war immer mein großer Rückhalt. Der Beruf war mir nie das Wichtigste im Leben. Ich bin keiner, der sein Selbstvertrauen nur aus dem Beruf speist.“

sein Naturell: „Ich bin immer optimistisch. Ich kassiere genauso Niederlagen wie jeder andere auch. Aber ich stehe schnell wieder auf.“

Die Amtszeit in Zahlen

2,5 Amtszeiten lang war Rolf-Dieter Postlep Präsident. 2012 war er zuletzt für weitere sechs Jahre gewählt worden - kündigte aber damals bereits an, nur die Hälfte der Wahlperiode ausfüllen zu wollen.

5 ist der Rangplatz, auf dem Postlep beim aktuellen Präsidenten-Ranking des Deutschen Hochschulverbandes steht. Bundesweit 43 Hochschulchefs wurden bewertet. Die teilnehmenden Wissenschaftler gaben Postlep die Note 1,99. 2009 lag Postlep noch auf Platz 16.

45 von 89 Stimmen hatte Postlep bei der Präsidentenwahl im Jahr 2000 im fünften (!) Wahlgang erhalten - gerade so viele wie nötig. Bei seiner ersten Wiederwahl 2005 bekam er dann auf Anhieb 30 von 33 Stimmen. „Sozialistische Verhältnisse“ seien das für eine Hochschule, scherzte Postlep gern.

53,5 Mio. Euro hat die Uni vergangenes Jahr an Forschungs-Drittmitteln eingeworben - das ist fast ein Viertel des Gesamtbudgets der Hochschule. Zu Beginn von Postleps Amtszeit betrug die Höhe der Drittmittel 17,9 Mio. Euro. Drittmittel sind ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit.

700 geladene Gäste aus der Uni und der ganzen Region sind Anfang Juli zu Postleps offizieller Abschiedsfeier in der Mensa gekommen.

3265 Beschäftigte zählt die Uni heute - darunter 335 Professoren. Allein in den vergangenen drei Jahren sind 250 neue Mitarbeiter hinzugekommen. Der Wert zum Start von Postleps Amtszeit (1800) dient nicht zum Vergleich - damals wurde anderes in der Zahl erfasst als heute.

23.696 Studenten hatte die Uni im vergangenen Semester. Als Postlep anfing, waren es noch 16 667 - ein Anstieg von 42 Prozent innerhalb von 15 Jahren.

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