Bevor es zum Museum wurde, war das Ottoneum Theater, Kaserne und Behörde

Am Ende siegte die Natur

Das Ottoneum um 1900: Damals hieß das Naturkundemuseum noch Naturalienmuseum, und der Steinweg, der sich an dem Gebäude vorbeischlängelte, machte seinem Namen alle Ehre. Archivfotos (2): nh

Kassel. Im Juni feiert das Naturkundemuseum im Ottoneum am Steinweg sein 125-jähriges Bestehen. Doch die Geschichte des Hauses wie auch die der naturkundlichen Sammlung reicht weit länger zurück.

Für die Aufführung von Komödien ließ Landgraf Moritz in den Jahren 1604 bis 1606 ein Theatergebäude errichten, das er nach seinem Lieblingssohn Otto benannte. Es war der erste feststehende Theaterbau in Deutschland. Im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) musste das Theater schließen. Es wurde zunächst als Gießhaus, später als Soldatenkirche genutzt.

Landgraf Karl ließ das Ottoneum 1696 umgestalten. In dem Gebäude sollten Kunst- und Naturaliensammlungen untergebracht werden. Dafür gliederte der Architekt Simon Louis du Ry das Ottoneum in zwei Hauptgeschosse, ein Obergeschoss und ein Dachgeschoss. Im Sockel der Kuppel war das „anatomische Theater“ untergebracht, in dem anatomische Kuriositäten und Instrumente aufbewahrt wurden. Dort fanden auch Sektionen von Tieren und Menschen statt.

1767 ließ Landgraf Friedrich II. - er regierte von 1760 bis 1785 - das Kunsthaus für das neu gegründete Carolinum und das Collegium Medico-Chirurgicum erneut umgestalten. Aus einer Vorschule für die Universität wurde eine Hochschule mit Wohnheim für auswärtige Studenten.

1779 zogen die Sammlungen in das neu erbaute Fridericianum um, und Friedrich II. machte das Ottoneum zum Kadettenhaus. Die Kadettenanstalt blieb bis 1806.

In den nächsten 80 Jahren hatte das Gebäude sehr unterschiedliche Funktionen: Es war vorübergehend Sitz des Steuerkollegiums, Sitz der Akademie der bildenden Künste, Schwurgericht und Lazarett. Mit der Einverleibung Hessens 1866 in den Staat Preußen wurde es auch Sitz des Katasteramtes.

Von der Naturalienschau zum Naturkundemuseum

Die Geschichte des Naturkundemuseums, so wie wir es heute kennen, beginnt Ende des Jahres 1884 mit dem Umzug der Naturaliensammlungen aus dem Museum Fridericianum zurück in das Ottoneum. Es gibt keinen genauen Eröffnungstermin, doch mehrere Quellen belegen, dass das Naturkundemuseum auf jeden Fall im Juni 1885 wieder der Öffentlichkeit zugänglich war. Deshalb wird das Jubiläum „125 Jahre Naturkundemuseum im Ottoneum“ auch im Juni 2010 gefeiert.

1928 übernahm die Stadt Kassel das Ottoneum vom Land Preußen und renovierte es von Grund auf. Erst jetzt erhielt der Bau durch das Einreißen der Zwischenwände die Gestalt eines Hallenmuseums. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 zerstörten Brand- und Sprengbomben das zweite Obergeschoss und das Dachgeschoss des Ottoneums. Der Wiederaufbau des Museumsgebäudes begann relativ rasch nach dem Krieg im Jahre 1949. 1954 öffnete das Naturkundemuseum erneut. Mehr über das Ottoneum im Internet unter http://regiowiki.hna.de/Ottoneum

Von Wilhelm Ditzel

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