Trout GmbH bietet Flugüberwachungstechnik an, die auch Lärm und Schadstoffe misst

Ende des Towers naht

Hartmut Fischer

kassel. Langsam setzt sich der Airbus 320-200 auf der Startbahn des Flughafens Kassel-Calden in Bewegung, beschleunigt schnell, hebt ab und fliegt in den Abendhimmel. Nach und nach verschwindet der Flughafen, bereits nach eine Minute ist der Tower nicht mehr zu sehen.

Dieser verblüffend echt aussehende Start hat nie stattgefunden. Er ist eine 3-D-Computer-Simulation des Kasseler Software-Profis Trout GmbH. Die kleine Technologieperle hat sich unter anderem auf die Luftüberwachung spezialisiert. Sie erkennt jeden Start, jede Landung und Flugzeugbewegung an jedem Airport dieser Welt und stellt sie nach – aus jeder An- und Abflugrichtung und jedem -winkel, unter Berücksichtigung der Topografie, Bebauung, Windrichtung und Flughöhe. Und das Programm identifiziert jedes Flugzeug – weltweit, denn die riesige Datenbank ist mit den entsprechenden Informationen gefüttert, und jede Maschine sendet permanent ein individuelles Signal, das das Kasseler Air-Control-System empfängt.

„Wer unsere Technologie hat, braucht keinen Tower mehr, denn wir können alles eins zu eins in Echtzeit nachbilden“, sagt Trout-Chef Hartmut Fischer, der das kleine Unternehmen mit seinem Partner Martin Bussas führt.

Der neue Berliner Flughafen und der in Zürich interessieren sich für das maßgeblich von Trout mit finanzieller Hilfe des Landes Hessen entwickelte System. Dass es bislang noch keiner gekauft hat, liegt nach Angaben Fischers zum einen an dem sehr konservativen Markt, „weil Fluglotsen ihren Tower lieben“. Zum anderen aber auch an den politischen Rahmenbedingungen. „Die Technik ist da, nutzt sie“, fordert er.

Aber Fischer und Bussas sind sicher, dass die Zeit für ihr „weltweit einmaliges Produkt“ kommt. Was sie so optimistisch macht, ist die Tatsache, dass das System viel mehr kann. Es zeigt gleichzeitig den Lärmpegel an jedem Punkt der Flughafen-Umgebung sowie den Schadstoffausstoß einer jeden Maschine an. Damit würden Lärmmesspunkte überflüssig, die wegen des Straßenverkehrs-Lärms nicht annähernd so genau arbeiten wie die Technik aus Kassel. Und die Schadstoffbelastung ist noch gar nicht in der öffentlichen und politischen Debatte. Bussas: „Diese Diskussionen bekommen wir erst noch.“

Der Computer erkennt nicht nur das Flugzeug, sondern weiß, wie laut der Flieger ist, wie viel Sprit er gerade verbraucht und errechnet so unter Berücksichtigung von Windstärke und -richtung, Geschwindigkeit und Schubstellung, wer wann am Boden wie viel Schadstoffe abbekommt.

Trout beschäftigt zwölf Mitarbeiter und setzt jährlich bis zu 1,4 Millionen Euro mit eigenen und Auftragsentwicklungen um. Kunden sind Rüstungs- und Medizintechnik-Hersteller sowie Autobauer. Es geht fast immer ums Messen, um Datenverarbeitung und Visualisierung.

In unserer nächsten Folge geht es um die Vettertec GmbH, die Entwässerungs- und Trocknungsanlagen für die Nahrungsmittelindustrie herstellt.

Von José Pinto

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