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Energie für viele unbezahlbar: Versorger rechnen mit mehr Sperren und Nachzahlungen

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Von: Bastian Ludwig

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Die hohen Energiepreise sind täglich an den Zapfsäulen spürbar. Doch noch stehen bei vielen Haushalten die Gas- und Stromabrechnungen aus. Es drohen böse Überraschungen, insbesondere wenn die monatlichen Abschläge nicht rechtzeitig angepasst werden.

Hat im Finanzausschuss doch noch eine Mehrheit gefunden: der in Kassel geplante Zuschuss an alle Bewohner wegen der steigenden Energiekosten. Die Entscheidung fällt in der Stadtverordnetensitzung am 18. Juli.
Energie wird zum Luxus: Versorger raten zum Anpassen der Abschläge. © Christin Klose/dpa

Kassel - Versorger rechnen zudem mit einer steigenden Zahl von Anschlusssperren, weil Verbraucher den Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Städtischen Werke in fast 8300 Fällen eine Sperrung des Strom- oder Gasanschlusses angedroht. 1700 Mal saßen die Betroffenen dann tatsächlich ohne Energie in ihrer Wohnung. Der Kasseler Versorger rechnet damit, dass diese Zahl in Folge der gestiegenen Energiekosten steigen könnte. „Die angekündigten Entlastungspakete werden hoffentlich eine spürbare Entlastung für die Haushalte und deren Energiekosten bringen. Aber das aktuelle Marktniveau bei den Energiepreisen wird auch bei Haushaltskunden spürbar werden und sich auf die Zahl der Sperren auswirken“, so ein Sprecher der Städtischen Werke.

Vor dem Hintergrund würden verstärkt Vorkassenzähler angeboten. Die Nutzer könnten im Kundenzentrum ein Guthaben auf einen Chip laden und so den Zähler freischalten. So ließen sich die Kosten besser kontrollieren.

Darüber hinaus würden seit März Kunden angeschrieben, bei denen hohe Nachzahlungen zu erwarten seien. Sie würden aufgefordert, ihre Abschläge zu erhöhen.

Auch der Energiekonzern Eon fordere seine Kunden in der Region Kassel auf, ihre Abschläge – soweit finanziell möglich – schon jetzt zu erhöhen, teilt ein Sprecher mit. Aktuell beobachte man bei Eon noch keine Zunahme von Sperrungen, aber die Politik sei gefordert, für Entlastungen einkommensschwacher Haushalte zu sorgen. Eine Sperrung selbst sei immer das letzte Mittel der Wahl. Vollzogen werde diese aber nicht von Eon als Energievertrieb, sondern der jeweils örtliche Netzbetreiber werde damit beauftragt.

Die EAM als Netzbetreiber im Kasseler Umland hat 2021 ungefähr 1000 Sperrungen im Strombereich und 100 Sperrungen im Gasbereich im Auftrag anderer Anbieter erledigt. Der EAM Energievertrieb habe selbst noch keine Sperrungen veranlassen müssen, so eine Sprecherin. Es sei nicht abschätzbar, wie sich die Gas-Alarmstufe und die Gaspreise entwickelten. Jeder Kunde könne seine Abschläge aber freiwillig erhöhen.

Die Grundversorger dürfen die Anschlüsse von Haushalten nur unter engen Voraussetzungen sperren und die Versorgung damit einstellen. Wer seine Abschläge nicht zahlt oder eine offene Schlussabrechnung nicht begleicht, erhält zunächst Mahnungen. Anschließend folgt die Androhung einer Sperrung. Der Kunde hat dann Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen und eine „Unverhältnismäßigkeit“ zu begründen. Frühestens vier Wochen später darf gesperrt werden. (Bastian Ludwig)

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