Energie aus Grünabfällen - Erste Interessenten

Witzenhäuser Forscher hat neuartige Biomasseanlage entwickelt 

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Prototyp ist schon fertig: Doktorand Lutz Bühle (Mitte) demonstriert die sogenannte Schneckenpresse der in Witzenhausen entwickelten Biogasanlage.

Witzenhausen. Was passiert mit Grünschnitt, der beim Mähen von Naturschutzflächen, an Straßenrändern, in Parkanlagen oder auf Sportplätzen entsteht? In der Regel nichts. Er wird liegen gelassen, landet im Kompost oder wird untergemulcht.

„Genau das ist aber sehr schade“, sagt Prof. Michael Wachendorf, Leiter des Fachgebiets Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe der Universität Kassel in Witzenhausen. Schließlich stecke viel Energie in diesen Grünabfällen.

Daher begann Wachendorf vor fünf Jahren gemeinsam mit wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden seines Fachgebiets, eine Biomasseanlage zu entwickeln, die diese Energie auch nutzbar macht. Dies war bislang nicht möglich, da der Lignin-Gehalt des betreffenden Grünmaterials sehr hoch und es dadurch für normale Biogasanlagen ungeeignet ist. Lignin ist ein organischer Stoff, der in der Zellwand von Gräsern, Stauden und Sträuchern eingelagert ist. „Ligninhaltiges Material braucht für seine Umsetzung Sauerstoff, der in Biomasseanlagen nicht vorhanden ist“, erklärt Wachendorf. Dadurch sei die Energieausbeute derart gering, dass eine energetische Nutzung unrentabel sei.

Anstatt nun mit Grünlandschnitt und Grünabfällen durch Vergärung Biogas zu produzieren, wie es in gewöhnlichen Biogasanlagen üblich ist, verwandelt die von Wachendorf entwickelte Anlage das Material in einen festen Brennstoff.

Michael Wachendorf

Dazu wird die Biomasse zunächst in 30 bis 40 Grad warmem Wasser eingeweicht und anschließend durch eine Schneckenpresse gedrückt. Dabei entstehen ein leicht vergärbares flüssiges Material sowie der schwer vergärbare „Presskuchen“, der am Ende den Brennstoff darstellt. Die zum endgültigen Trocknen des Presskuchens benötigte Wärme wird durch das Verbrennen des bei der Gärung des flüssigen Materials erzeugten Methans produziert.

„Die Anlage hat noch einen weiteren Vorteil“, erläutert Wachendorf. Während die an Kalium, Chlorid und Stickstoff reiche grüne Biomasse an herkömmlichen Verbrennungsanlagen Schaden anrichte und schädlich für die Atmosphäre sei, würden bei seiner Anlage durch die Trennung des feuchten und festen Materials 80 Prozent des Kaliums und 90 Prozent des Chlorids entfernt. Und angepasste Öfen würden dafür sorgen, dass später beim Verbrennen des Presskuchens keine Stickoxide entstehen.

„Die Effizienz dieses Verfahrens ist deutlich höher als bei der herkömmlichen Biogastechnik“, betont Wachendorf. Könnten dort lediglich 20 Prozent der im Grünschnitt enthaltenen Energie in nutzbare Energie umgewandelt werden, seien es in seiner Anlage 40 Prozent. „Das ist energetisch so günstig, dass es auch ökonomisch rentabel ist.“ Nach einem erfolgreichen dreijährigen Testlauf des Prototyps gibt es bereits erste Interessenten für die neue Methode. Die erste großtechnische Pilotanlage befindet sich derzeit in Baden-Baden im Bau.

Von Per Schröter

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