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Energiekrise beutelt Kliniken in Kassel: Patientenversorgung in Gefahr?

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Von: Anna-Laura Weyh

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Krankenhaus
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Krankenhaus“ weist den Weg zur Klinik. © Marcus Brandt/dpa/Symbolbild

Die Hessische Krankenhausgesellschaft sieht wegen der hohen Energiepreise die Patientenversorgung in den Kliniken in Gefahr.

Kassel – „Die Krankenhäuser werden von der Bundespolitik im Regen stehen gelassen“, sagt Susanne Schober von der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG). Kompensierende Zuschüsse seien nicht zu erwarten. „Dies wird für einige Krankenhäuser das sichere Aus bedeuten“, sagt sie.

Auch Michael Schmidt, Geschäftsführer des Marienkrankenhauses in Kassel, spricht von einer „extrem ernsten Lage“. Er sagt: „In der Branche rechnen wir damit, dass im nächsten Jahr zwei Drittel aller Krankenhäuser ein negatives Betriebsergebnis schreiben.“ Erhöhte Energiepreise bedeuten für das Marienkrankenhaus bereits in diesem Jahr voraussichtlich 100 000 Euro Mehrausgaben als geplant. „Die Strompreisanpassungen für 2023 kommen als Belastung noch hinzu“, sagt Schmidt.

Krankenhäuser kriegen Energiekrise zu spüren: Kasseler Vitos-Pressesprecherin wird deutlich

Die Vitos Orthopädische Klinik in Kassel rechnet ebenfalls mit einer Steigerung der Energiekosten um rund 65 Prozent. „Die Häuser tragen die enormen Kosten ganz allein. Für einige, die nicht wie wir entsprechend vorbereitet sind, könnte es eng werden“, sagt Vitos-Pressesprecherin Stefanie Hadding. Eigentlich würden die Kliniken ihre Leistungen nun teurer machen.

„Aber das geht nicht auf einem regulierten Markt, auf dem die Preise vorgegeben werden“, sagt Michael Schmidt vom Marienkrankenhaus. Die hohen Energiekosten seien für die prekäre Situation dennoch nur das i-Tüpfelchen. „Nur wegen hoher Gaspreise muss niemand ein Krankenhaus schließen. Wir sind durch viele Faktoren gebeutelt“, sagt er. Steigende Materialkosten, Lieferschwierigkeiten, der Fachkräftemangel und besonders auch die immer aufwendiger werdende Bürokratie verstärken alles noch.

Energiekrise: Deutsche Krankenhausgesellschaft und Landesverbände fordern finanziellen Ausgleich

Auch die Gesundheit Nordhessen setze alles daran, den Betrieb in Krisenzeiten im gewohnten Umfang aufrechtzuerhalten. „Bereits im Frühjahr wurde im Klinikum ein zentraler Krisenstab gebildet, der Bereiche mit hohem Energieverbrauch und entsprechendes Einsparpotenzial definiert. Dabei ist man in enger Abstimmung mit der Stadt Kassel“, sagt Pressesprecherin Nina McDonagh. Notfallpläne für den Ernstfall seien bereits ausgearbeitet.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die 16 Landesverbände fordern nun einen finanziellen Ausgleich, um wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben.

Energiepreise steigen – So sparen Kassels Kliniken:

Klinikum Kassel: „Der Zentralbereich Bau und Technik hat bereits Sparmaßnahmen in den Bereichen Kälte, Wärme und Strom umgesetzt“, sagt Nina McDonagh, Pressesprecherin des Kasseler Klinikums. Zum Beispiel wird die Rolltreppe nun ab 18 Uhr ausgeschaltet, um Energie zu sparen.

„Normalerweise ist diese von 24 Uhr bis 6 Uhr morgens ausgestellt. Aber das Besucheraufkommen ist bereits am späten Nachmittag deutlich reduziert“, sagt McDonagh. Alternativ stehen die Fahrstühle zur Verfügung. Tagsüber bleiben die Rolltreppen angeschaltet, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig die Fahrstühle nutzen und sich gegebenenfalls das Risiko einer Covid-Ansteckung erhöht, so die Pressesprecherin.

Sollte die Notfallstufe ausgerufen werden, seien weitere Maßnahmen zum Energiesparen notwendig. „Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass der Krankenhausbetrieb zu jeder Zeit aufrechterhalten werden kann“, sagt McDonagh. Das betreffe vor allem die Bereiche OP, Intensivstationen, Intermediate Care-Stationen, Kreißsäle sowie die Speisenversorgung. „Diese Notfallmaßnahmen sowie die Rolle der jeweiligen Krankenhäuser in Kassel werden gerade in Zusammenarbeit mit der Stadt und den anderen Krankenhäusern im Detail ausgearbeitet“, heißt es vonseiten der Gesundheit Nordhessen.

Auch Krankenhäuser in Kassel leiden unter steigenden Energiekosten

Marienkrankenhaus: Um Energie zu sparen, hat das Marienkrankenhaus bereits Investitionen in energiesparende Anlagen, beispielsweise in der Kältetechnik, vorgezogen. „Sehr viel mehr können wir gar nicht machen, und wir sind auch dabei auf die Verfügbarkeit der Geräte angewiesen“, sagt Geschäftsführer Michael Schmidt.

Die Mitarbeiter seien bereits vor den hohen Energiepreisen mit den Ressourcen achtsam umgegangen. Während der vergangenen zwei Jahre Corona-Pandemie ist durch das viele Lüften insgesamt mehr geheizt worden, sagt Schmidt. „Da haben wir viel Wärme auf die Straße geschickt. Wir müssen schauen, wie wir das im kommenden Winter machen“, so der Geschäftsführer.

Kassel: Steigende Energiekosten auch in Helios-Kliniken Thema

Helios Kliniken: „Steigende Energiekosten sind für alle ein Thema. Aufgrund einer längerfristigen Beschaffungsstrategie sind die Helios Kliniken Kassel in der Lage, die derzeitigen Energiepreissteigerungen abzufedern“, sagt Pressesprecher Robin Lipke. Helios betreibe schon seit Langem ein systematisches Energiemanagement.

Trotz des gestiegenen Energieverbrauchs gelinge es Helios, die Kohlenstoffdioxid-Emissionen, aber auch den Wasser- und Abfallverbrauch zu verringern. „Grund für den erhöhten Energiebedarf waren die Hygieneanforderungen während der Corona-Pandemie“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Um die Virenlast in den Kliniken niedrig zu halten, habe Helios die Lüftungsanlagen durchgehend in Volllast laufen lassen.

Den Anteil erneuerbarer Energien möchte Helios weiter erhöhen, zum Beispiel durch die Installation von Fotovoltaikanlagen zur Eigenstromerzeugung an den Standorten. An 52 von 89 Standorten hat Helios Blockheizkraftwerke installiert. Durch deren effektive Nutzung von Brennstoff lasse sich der Energiebedarf senken. „Sie sorgen außerdem dafür, dass das Unternehmen derzeit rund 20 Prozent seines Strombedarfs durch Eigenerzeugung sicherstellen kann“, heißt es.

Energiekrise: Fotovoltaik ein großes Thema im Orthopädie

Vitos Orthopädie: „Vielleicht kann man von Glück im Unglück sprechen, dass wir vor Kurzem erst in unser neues Bettenhaus eingezogen sind, das energetisch auf dem neuesten Stand ist“, sagt Pressesprecherin Stefanie Hadding. Das alte Bettenhaus werde nun gerade saniert, ebenfalls nach den modernen Standards.

Neben unseren Neubauten ist gerade die Fotovoltaik ein großes Thema. „In der Orthopädischen Klinik und im gesamten Vitos Konzern prüfen wir sehr konkret, was möglich ist, um Sonnenenergie nutzen können“, sagt Hadding. (Anna-Laura Weyh)

Indes hat auch die Stadt Kassel erste Maßnahmen angekündigt, um ihren Energieverbrauch angesichts der unsicheren Versorgungslage bei Gas und Strom zu senken.

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