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Warm anziehen: Die Gasumlage kommt - Was Kunden in Kassel jetzt erwartet

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Von: Bastian Ludwig

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Am 1. Oktober steigen die Gaspreise durch die Gasumlage spürbar und Energiekonzerne passen die Abschläge dann individuell an.

Kassel - Die stark gestiegenen Gaspreise werden ab 1. Oktober für alle Verbraucher spürbar. Nach aktuellem Stand greift dann die Gasumlage, die laut den Städtischen Werken in Kassel für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt (20 000 kWh im Jahr) einen Preisanstieg von monatlich etwa 50 Euro bedeutet. Im Laufe der nächsten zwei Monate werden die Städtischen Werke die Abschläge individuell anpassen und entsprechende Schreiben verschicken. Die Umlage kommt zusätzlich zum jeweiligen Gaspreis hinzu, um die finanzielle Belastung der Importeure aufgrund der weltweit gestiegenen Preise abzufedern.

Wer in den vergangenen Monaten den Energieversorger gewechselt hat oder dessen Vertragslaufzeit abgelaufen war, musste schon bislang mit teils deutlichen Preisaufschlägen rechnen. Nun werden auch all jene zur Kasse gebeten, die längerfristige Verträge mit Preisgarantie abgeschlossen hatten. Die Gasumlage beträgt 2,4 Cent pro Kilowattstunde. Sie wird bis April 2024 erhoben. Hinzu kommen eine Gasspeicherumlage und weitere Umlagen, die den Gaspreis aber nur marginal beeinflussen.

Die ebenfalls ab 1. Oktober geltende Mehrwertsteuersenkung auf Gas von 19 auf sieben Prozent werde bei den neu festgesetzten Abschlägen noch nicht berücksichtigt, so eine Sprecherin der Städtischen Werke. „Den Verbrauchern geht das Geld aber nicht verloren. Bei der Jahresabrechnung wird der niedrigere Steuersatz voll berücksichtigt“, so die Sprecherin. Aus verfahrenstechnischen Gründen sei eine Anpassung im Vorfeld nicht möglich. Nach Berechnung der Bundesregierung wird ein Vier-Personen-Haushalt mit 20 000 kWh Jahresverbrauch auf diesem Weg um fast 400 Euro im Jahr entlastet.

Wärme für den Winter: Weil nicht mit sinkenden Gaspreisen zu rechnen ist und energetische Baumaßnahmen Zeit brauchen, heißt es dick einpacken.
Wärme für den Winter: Weil nicht mit sinkenden Gaspreisen zu rechnen ist und energetische Baumaßnahmen Zeit brauchen, heißt es dick einpacken. © Ole Spata/dpa

Energiekrise: Gasumlage kann alle drei Monate angepasst werden

Die Städtischen Werke weisen darauf hin, dass die Umlage alle drei Monate – je nach Entwicklung der Marktpreise – angepasst werden kann.

Wer nicht auf eine Anpassung seiner Abschläge durch die Städtischen Werke warten will, kann dies ab sofort auch selbstständig online (kundenportal.sw-kassel.de) tun. Dort können registrierte Kunden auch ihren Zählerstand zum 30. September mitteilen. Dies ist wichtig, damit die Umlage nur auf die künftigen Verbräuche berechnet wird. Wer seine Zählerstände nicht mitteilt, dessen Verbrauch werde nach dem sonst üblichen Verbrauch geschätzt, so eine Sprecherin. Aufgrund der veränderten Verträge haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht.

Die Städtischen Werke gehen davon aus, dass die Gasumlage in der angekündigten Form kommt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte jüngst verfassungsrechtliche Bedenken geäußert, die noch ausgeräumt werden müssten. Bis dahin halte man aber an der Umlage fest. Hintergrund ist die geplante Verstaatlichung des Gasimporteurs Uniper, der durch die Umlage gestützt werden soll. Finanzminister Christian Lindner hält die Umlage für rechtskonform. 

Gaspreise steigen auch in Kassel: Wer ist davon betroffen?

Im Prinzip jeder, der Gas für die Heizung und Warmwasser verbraucht. In Kassel sind das nach Daten der Städtischen Werke mehr als 50 Prozent der Haushalte. 25 Prozent werden mit Fernwärme versorgt, der Rest heizt mit Öl, Holzpellets oder nutzt alternative Formen wie Wärmepumpen. In Kassel sind bislang 514 Wärmepumpen installiert. Angesichts von 110 000 Haushalten sind solche alternativen Formen noch die Ausnahme.

Energiekrise: Sind Haushalte mit Gasheizung oder Gastherme die Leidtragenden

Alle fossilen Energieträger sind teurer geworden. Wer Heizöl oder Holzpellets verbrennt, ist nicht unbedingt im Vorteil. So hat sich der Referenzpreis für Heizöl in einem Jahr mehr als verdoppelt. Holzpellets kosten sogar dreimal so viel wie vor einem Jahr. Weil der Fernwärmepreis durch eine Preisgleitklausel an aktuelle Gas- und Ölpreise gekoppelt sei, müssten auch Fernwärmekunden mehr zahlen, teilen die Städtischen Werke mit.

Wäre ein Ausbau des Fernwärmenetzes nicht eine Möglichkeit, unabhängiger vom Gas zu werden?

Ja. Allerdings seien die Erwartungen, was das Tempo und den Umfang des Ausbaues angehe, bei vielen zu hoch, sagt Michael Isenberg, Bereichsleiter Konzernbüro bei der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV). Es gebe bereits eine Vielzahl von Kunden, die auf Fernwärme umsteigen wollten. Die Erweiterung des Netzes sei aber mit großen Investitionen und technischen Herausforderungen verbunden. Das Kraftwerk Dennhäuser Straße und das Müllheizkraftwerk hätten allerdings genug Potenzial für den Ausbau. Nötig sei aber zudem ein großer Wärmespeicher, damit auch die dort im Sommer produzierte Wärme im Winter zur Verfügung stehe. An entsprechenden Plänen werde gearbeitet.

Gasumlage kommt: Welche Möglichkeiten haben Mieter in Kassel, um ihre Energiekosten zu beeinflussen?

Mieter haben im Vergleich zu Eigentümern einen begrenzten Spielraum. Sie können keinen Einfluss auf die Heizungsanlage, Gebäudedämmung und Ähnliches nehmen. Aber auch Eigentümer, die mit der Installation einer Wärmepumpe oder Solartherme liebäugeln, können nicht unmittelbar umsteigen. Denn Handwerker sind ausgelastet. Wer allgemeine Energiespartipps beherzigt, kann aber Geld sparen. Zuletzt sind die Gasverbräuche in Kassel im Schnitt um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken.

Städtische Werke in Kassel reagieren: Was passiert, wenn Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlen können?

Die Städtischen Werke haben auf die gestiegenen Gaspreise reagiert. „Die Bedingungen für Kunden, die ihre Rechnungen nicht mehr begleichen können, wurden ausgeweitet“, sagt Isenberg. Wer in finanzielle Not gerate, solle sich direkt mit dem Kundenservice in Verbindung setzen und nicht abwarten. „Gemeinsam mit den Kunden suchen wir dann nach einer Lösung“, sagt Isenberg. Ratenzahlungen seien eine Option. Kein Versorger habe ein Interesse daran, dass Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können. Das würde die Liquidität des Unternehmens gefährden. Bislang sei noch kein auffälliger Anstieg bei den Zahlungsausfällen zu beobachten. (Bastian Ludwig)

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