Kurz vor der Entlassung

Beratung für neuen Haushalt: Energiespartipps im Knast

Das richtige Heizen: Der Gefangene Enrico Erben (rechts) bekommt von Steffen Klimke, Energieberater der Städtischen Werke, erklärt, wie er seine Heizung in der Zelle richtig regelt. Foto: Ludwig

Kassel. Über viele Probleme der Gefangenen machen sich Menschen jenseits der Gefängnismauern keine Gedanken: So etwa, dass ein viele Jahre hinter Gittern lebender Mensch von den explodierten Energiepreisen kaum etwas mitbekommen hat.

Mit einer Energieberatung in der Justizvollzugsanstalt Kassel II (JVA II) bereiten nun die Städtischen Werke Häftlinge, die kurz vor der Entlassung stehen, auf die bevorstehende Führung ihres eigenen Haushaltes vor.

Enrico Erben, der seit 14 Jahren und sieben Monaten einsitzt, ist einer von etwa 30 Insassen, die diese Woche an der Premiere des Angebots teilnahmen. Für den 47-Jährigen waren die Hinweise zum sparsamen Einsatz von Strom, Gas und Wasser, die Energieberater Steffen Klimke gab, nützlich. „In 15 Jahren hat sich viel verändert“, sagt Erben. Bevor er inhaftiert wurde, seien Stromkosten kaum ein Thema gewesen.

Nach Entlassung anwenden

Als nebenberuflicher Musiker und DJ habe er sich seinerzeit eine „starke Musik- und Lichtanlage“ angeschafft. Diese sei nun überholt. Da Erben nach seiner Entlassung im April in einem Hotel als Hausmeister und Veranstaltungstechniker arbeiten kann, werde er dort die Energiespartipps gleich anwenden.

Mehr zur JVA Wehlheiden lesen Sie im Regiowiki.

Den Anstoß für den ungewöhnlichen Hausbesuch des Energieberaters hatte die Gefangenenvertretung gegeben. Weil fast alle Inhaftierten nach ihrer Entlassung aus der sozialtherapeutischen Anstalt JVA II mit Hartz IV auskommen müssen, war das Interesse entsprechend groß.

Während der Energieberater von den Städtischen Werken in seinem Vortrag etwa über das richtige Heizen, den richtigen Umgang mit dem Kühlschrank und der Waschmaschine referierte, erwies sich sein Publikum als durchaus kritisch: „Energiesparlampen sind hässlich und oft sind sie erst richtig hell, wenn ich den Raum schon wieder verlasse“, befand ein langhaariger Gefangener in Rockerkluft.

„Ich hab’ eine Idee, wie wir Strom sparen: Sie schalten auf dem Gefängnisgelände nachts die Schlossbeleuchtung ab.“

Energiespartipp eines Gefangenen

Andere seiner Mitinsassen nutzten die Gelegenheit, um auf das Energiesparpotenzial im Gefängnis hinzuweisen. „Ein Teil der Fenster ist nur einfach verglast“, merkte einer an. Ein anderer schlug vor, die Gefangenen sollten sich verpflichten, den Stromverbrauch um zehn Prozent zu senken. Als Dank erhoffe er sich eine üppigere Weihnachtsfeier. Diesen Faden griff sein Sitznachbar auf und wandte sich an den Leiter der JVA II, Rudi Nebe: „Ich hab’ eine Idee, wie wir Strom sparen: Sie schalten auf dem Gefängnisgelände nachts die Schlossbeleuchtung ab.“ Sein Vorschlag sorgte bei Justizbeamten wie Gefangenen für Lacher.

Der Energiesparvortrag wird nun regelmäßig in der JVA II angeboten.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.