Israels Ex-Botschafter Avi Primor erhält den Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“

Engagiert für den Frieden

Als Laudator bei der Verleihung des Glases der Vernunft: 2013 hielt Avi Primor in Kassel die Rede auf den Preisträger Jürgen Habermas. Foto: Malmus

Kassel. Schon zweimal nahm Avi Primor an der Verleihung des Kasseler Bürgerpreises „Das Glas der Vernunft“ teil: 1994, als die norwegischen Nahost-Friedensvermittler Johan Jørgen Holst und Terje Rød Larsen ausgezeichnet wurden, und 2013, als Primor Laudator des Preisträgers Jürgen Habermas war.

Nun erhält Primor (79), der von 1993 bis 1999 israelischer Botschafter in Deutschland war, den Bürgerpreis selbst. Er wird seit 1991 an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Überwindung ideologischer Schranken sowie um Vernunft und Toleranz gegenüber Andersdenkenden verdient gemacht haben.

Für all dies steht Primor in besonderer Weise, wie Dr. Hansjörg Melchior, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Kasseler Bürgerpreises, gestern betonte. Als israelischer Botschafter setzte sich Primor für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel ein. Darüber hinaus engagiert er sich seit vielen Jahren für den Friedensprozess im Nahen Ostern. 2004 gründete er an der Privatuniversität Interdisciplinary Center Herzliva das trilaterale Zentrum für Europäische Studien, an dem Studierende aus Israel, Jordanien und Palästina eingeschrieben sind, die ein gemeinsames Studienjahr an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf verbringen.

Avi Primor, verheiratet und Vater dreier Kinder, wurde 1935 in Tel Aviv geboren. Seine Mutter war von Frankfurt nach Palästina emigriert. Ihre gesamte Familie wurde während des Holocausts ermordet.

Primor spricht neben Hebräisch, Französisch und Englisch auch fließend Deutsch. Seinen 2013 erschienenen Roman „Süß und ehrenvoll“ schrieb er auch auf Deutsch. Vor Kurzem stellte er auf der Leipziger Buchmesse seine neu erschienene Autobiografie „Nichts ist jemals vollendet“ vor.

Primor ist ein Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung von Israel und Palästina und ein scharfer Kritiker des nationalistischen Kurses von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.

Die Verleihung des mit 10 000 Euro dotierten Bürgerpreises findet am 20. September im Opernhaus statt. Zu den früheren Preisträgern zählen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (1991), Bundespräsident Joachim Gauck (2009), der chinesische Künstler Ai Weiwei (2010) und die indische Aktivistin Vandana Shiva (2012). Im Vorjahr wurde der ungarische Bürgerrechtler Ferencz Köszeg geehrt.

Von Werner Fritsch

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