5000 Besucher am Wochenende

Entdeckungsreise: Kunstschaffende öffneten Türen ihrer Ateliers

Kunstgespräche: Besucherin Helga Boemans (links) im Tokonoma Apartment mit den Meisterschüerinnen Kati Liebert und Ann Schomburg.

Kassel. Nicht nur während der documenta ist Kassel eine Kunststadt, sagt Karin Thielecke. Die vielfältige Bandbreite bildender Kunst in der Stadt vorzustellen und ins Bewusstsein der Menschen zu rücken sei das Anliegen des Kasseler Atelierrundgangs, den die freiberufliche Kunstvermittlerin sowie der Künstler Michael Göbel am Wochenende zum fünften Mal initiiert hatten.

Über 5000 Besucher nutzten laut Schätzung der Veranstalter die Gelegenheit, einen Einblick in die Arbeitsorte Kasseler Kunstschaffender zu nehmen. 82 Künstler hatten dazu am Samstag und Sonntag ihre Ateliertüren geöffnet. Beim Eintritt in die sonst eher verborgenen Kunst-Labore erlebten viele Besucher Überraschendes. „Ich hatte eigentlich Bilder erwartet“, sagte Karolin Twiddy. Auf einem Hinterhof an der Gräfestraße im Atelier von Axel Kretschmer, das eher einer Werkstatt gleicht, stand die Besucherin vor einer Klanginstallation namens „Fortschritt“, die Kretschmer aus Orgelpfeifen und Blasebälgen gestaltet hat. Künstler arbeiten eben nicht nur mit Pinsel und Leinwand, sondern mit vielen unterschiedlichen Materialien, sagte Karin Thielecke. Manche benutzen die Kreissäge, andere Hammer und Meißel. Einige arbeiten in speziellen Ateliers, anderen genügt der häusliche Küchentisch.

So vielseitig und kreativ wie ihre Materialien ist oft auch der Weg zu den Künstlern. Der führte am Wochenende durch lichtdurchflutete Ateliers und alte Fabrikhallen, über Hinterhöfe und durch Treppenhäuser in private Wohnungen, auf Dachböden oder in Lagerhallen. „Schön ist, dass sich die Leute in der ungezwungenen Atmosphäre unserer Arbeitsräume eher trauen, Fragen zu stellen als etwa bei Ausstellungen“, sagte Christine Wassermann, die in ihrer Wohnung an der Dörnbergstraße ihre Hochgeschwindigkeits-Videos zeigte.

Der Atelierrundgang sei mittlerweile auch für Sammler und Galeristen aus ganz Deutschland interessant, berichten die Veranstalter des Kunst-Wochenendes. Es habe sich herumgesprochen, dass man in Kassel gute Kunst kaufen kann. Auf der Suche nach einem Kunstwerk für die Wohnung waren auch Sascha Seifert und Sandra Berninger. „Wir sehen uns nach einem schönen Bild oder einer Skulptur um, das ist heute eine gute Gelegenheit“, sagte Seifert.

Seinen Rundgang startete das Paar in der Wild Wood Gallery an der Friedrich-Ebert-Allee 99, den ehemalige Studenten der Kunsthochschule betreiben. Die farbenfroh-plakativen Bilder der Künstlergruppe Hot Cheese Crew lockten am Samstag viele Besucher in den kleinen Laden.

„Der Atelierrundgang ist sehr wichtig, um uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren und bekannter zu werden“, sagte Bildhauerin Astrid Hülsmann, die ihr Atelier in der alten Hammerschmiede in Rothenditmold hat. Die Raumfrage sei für viele Kasseler Künstler ein großes Problem, vor allem nach dem Wegfall der Kulturfabrik auf dem Salzmann-Gelände.

Entdeckungsreise zur Kunst aus Kassel

Hintergrund: Atelierrundgänge alle zwei Jahre

Die Initiative Kasseler Atelierrundgang stellt im Zweijahresrhythmus die Bandbreite der professionellen Kunstproduktion in Kassel vor, die von Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Fotografie bis zu Installation, Performance, Video und Klangkunst reicht. Für die Konzeption sind Karin Thielecke und Michael Göbel verantwortlich. Die Auswahl der teilnehmenden Ateliers wurde von einer Jury getroffen, die neben etablierten Kunstproduzenten auch aktuelle Absolventen und Meisterschüler der Kunsthochschule zur Teilnahme eingeladen hat. Seit Anfang der 90er-Jahre gibt es organisierte Atellierrundgänge in Kassel. (asz)

Von Monika Puchta

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