35 Minuten langer Film

Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut: Kasseler Augenzeugen im Video

Die Entführung der Landshut, eine Lufthansa-Maschine, im Jahr 1977 schrieb deutsche Geschichte. In unserem Film erzählen zwei Augenzeugen aus Kassel von diesem Drama, das sie hautnah miterlebten.

+++ Aktualisiert am 10. Oktober +++

In der Nacht von Mogadischu waren sie schicksalhaft miteinander verbunden: Jürgen Vietor, Co-Pilot der Lufthansa-Maschine Landshut, und Jörg Probstmeier, Angehöriger der Antiterroreinheit GSG9.

In einer sechsteiligen Serie berichten die beiden in Nordhessen aufgewachsenen Männer in der gedruckten HNA von Entführung und Befreiung der Landshut 1977. Die erschienenen Teile:

  • „Wir haben auch viel Glück gehabt - Landshut-Copilot Jürgen Vietor lobt die GSG 9, hebt aber auch den Einsatz von Passagieren und Besatzung hervor" (Samstag)
  • "Nach sechs Minuten war alles vorbei - Die Entführer bereiteten die Sprengung der Landhut vor – Dann stürmte die GSG 9 die Maschine und befreite alle 86 Geiseln" (Freitag)
  • "Tod in Aden - Entführer erschießen Landshut-Kapitän Jürgen Schumann" (Donnerstag)
  • "An Bord ein Gestank von Kot und Urin - Die vier Entführer der Landshut machten vor allem Passagieren das Leben zur Hölle, die sie für Juden hielten" (Mittwoch)
  • „Als Terrorist war Mahmud top - Landshut-Copilot Jürgen Vietor berichtet über die ersten Stunden der Entführung der Lufthansa-Maschine" (Dienstag)
  • "Aus dem Urlaub in die Hölle - Zwei Augenzeugen berichten: Vier Terroristen entführten 1977 die Lufthansa-Maschine Landshut" (Montag)

Zu lesen sind sie am jeweiligen Tag in der gedruckten Ausgabe und dauerhaft im digitalen Archiv.

Landshut-Copilot Vietor wirbt um Gedenken an ermordeten Flugkapitän Schumann

40 Jahre nach der Ermordung von Flugkapitän Jürgen Schumann durch palästinensische Terroristen hat Schumanns Co-Pilot Jürgen Vietor gemahnt, Schumann nicht zu vergessen. „Er hat sich für seine Passagiere aufgeopfert,“ sagte Vietor unserer Zeitung. „Er hat es verdient, dass das Andenken an seine Person gepflegt wird.“

Der in Kassel geborene und in Hann. Münden aufgewachsene Vietor hatte schon früher vorgeschlagen, Straßen oder Gebäude, die einen Bezug zur Fliegerei haben, nach Schumann zu benennen. Denn nicht nur Persönlichkeiten wie Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer seien 1977 von Terroristen erschossen worden, sondern auch Sicherheitsbeamte, Fahrer und eben auch Flugkapitän Schumann. „An sie alle muss in würdiger Form erinnert werden“, sagte Vietor, „denn sie starben, weil die RAF dem Staat, und damit uns allen, den Krieg erklärt hatte“. Flugkapitän Schumann hätte den höchsten Verdienstorden der Bundesrepublik erhalten müssen, „denn er hat sein Leben gelassen“.

Schumann war am 16. Oktober 1977 in Aden (Südjemen) von den Entführern der Lufthansa-Maschine Landshut erschossen worden, als er nach einer Außeninspektion der notgelandeten Boeing ins Flugzeug zurückkehrte. Die Terroristen hatten ihm Verrat vorgeworfen. Jürgen Schumann starb mit 37 Jahren.

Verrottet in Fortaleza (Brasilien): Die frühere Lufthansa-Maschine Landshut war zuletzt als Transportmaschine für die brasilianische Airline TAF im Einsatz. Im Herbst 1977 war die Landshut Schauplatz eines Geiseldramas, bei dem Flugkapitän Jürgen Schumann (rechts) vom Chef eines palästinensischen Entführungskommandos ermordet wurde.

In Zusammenhang mit dem 40. Jahrestag der Landshut-Entführung begrüßt es Co-Pilot Vietor, dass die Landshut aus Brasilien nach Deutschland zurückkehrt. „Sie ist Teil eines wichtigen Kapitels der deutschen Nachkriegsgeschichte.“ Allerdings hätte er das Haus der Geschichte in Bonn als Standort bevorzugt. Die Landshut soll auf dem Gelände des Luft- und Raumfahrtmuseums in Friedrichshafen am Bodensee ausgestellt werden.

Einige der befreiten Geiseln verlassen die auf dem Frankfurter Rhein-Main Flughafen gelandete Lufthansa-Maschine "Köln". Unter ihnen befindet sich der ehemalige Präsident des deutschen Fußballvereins Kickers Offenbach, Gregorio Canellas (mit Decke) - Archivfoto vom 18.10.1977.

Die sechs Tage der Landshut: Serie in der gedruckten Zeitung

Der Deutsche Herbst 1977 mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Martin Schleyer, dem Geiseldrama um die Lufthansa-Maschine Landshut und deren Befreiung durch die Antiterroreinheit GSG 9 war eines der dramatischsten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Landshut-Copilot Jürgen Vietor und der ehemalige GSG 9-Angehörige Jörg Probstmeier, heute in Hessisch Lichtenau lebend, haben uns ihre Sicht der Dinge geschildert. Daraus haben wir eine sechsteilige Serie gemacht, die am Montag gestartet ist. HNA-Abonnenten finden die einzelnen Teile bis Samstag im Politik-Teil und dauerhaft im digitalen Archiv www.meinehna.de/abo

„Wir haben nur unseren Job gemacht“: Von Heldentum wollen Jürgen Vietor (links) und Jörg Probstmeier im Redaktionsgespräch unserer Zeitung in Kassel nichts wissen.

Unsere Gesprächspartner 

Jürgen Vietor (75) in Kassel geboren, in Hann. Münden aufgewachsen, wurde Vietor nach seiner Offiziersausbildung bei der Marine Marineflieger. Danach war er 25 Jahre lang als Pilot bei der Lufthansa beschäftigt. Nachdem während der Entführung der LH-Maschine Landshut die Terroristen Flugkapitän Schumann erschossen hatten, musste Vietor die Boeing allein fliegen. Seit 1999 ist Vietor im Ruhestand. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt heute in Quickborn nördlich von Hamburg.

Jörg Probstmeier (61) geboren und aufgewachsen in Kassel, machte er seine Grundausbildung 1973 - 1975 bei der Grenzschutzabteilung Eschwege. Bis 1990 war er Angehöriger der Antiterrortruppe GSG9, danach verschiedene Verwendungen beim Bundesgrenzschutz bzw. später bei der Bundespolizei, bis zu seiner Pensionierung im Mai 2017 als Polizeihauptkommissar und Gruppenleiter in Kassel. Probstmeier lebt mit Frau und zwei Töchtern in Hessisch Lichtenau.

Botschaft der Terroristen: Ein Foto des entführten Arbeitgeberpräsidenten Martin Schleyer.

1977 – das Jahr des Terrors

Deutschland im Jahre 1977 – der Terror schlägt gnadenlos zu. Die Zweite Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) versucht, ihre inhaftierten Gesinnungsgenossen freizupressen. Eine kurze Chronik: 

7. April 1977: Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei Begleiter werden in Karlsruhe von einem RAF-Kommando ermordet. 

28. April: Nach fast zweijähriger Verhandlung verurteilt das Oberlandesgericht Stuttgart die RAF-Anführer Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe zu lebenslanger Haft. 

30. Juli: Jürgen Ponto, Vorstandsvorsitzender der Dresdner Bank, wird in seinem Haus in Oberursel von einem RAF-Kommando erschossen, als er sich seiner Entführung widersetzt. 

 • 5. September: Der Präsident des Arbeitsgeberverbandes, Hanns Martin Schleyer, wird in Köln entführt. Sein Fahrer und drei Polizeibeamte sterben im Kugelhagel. Im Austausch gegen Schleyer wird die Freilassung der inhaftierten RAF-Spitze gefordert. 

13. Oktober: Vier palästinensische Terroristen entführen auf dem Flug die Lufthansa-Maschine Landshut mit 86 Passagieren an Bord, um den Forderungen der Schleyer-Entführer Nachdruck zu verleihen. • 16. Oktober: Bei einer Zwischenlandung in Aden (Südjemen) wird Flugkapitän Jürgen Schumann erschossen. 

 • 18. Oktober: Ein Kommando der Bundesgrenzschutzeinheit GSG 9 stürmt in Mogadischu (Somalia) die Maschine und befreit alle Geiseln. Drei Flugzeugentführer werden erschossen. 

• Noch in derselben Nacht begehen die inhaftierten Terroristen Baader, Ensslin und Raspe Suizid. Schleyer wird daraufhin von seinen Entführern erschossen. 

Rubriklistenbild: © dpa

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