Drei Männer sind angeklagt, einen 25-jährigen Kunden und Dealer misshandelt zu haben

Entgleiste Kokain-Geschäfte

Kassel. Der junge Mann im schwarzen Anzug wird sorgsam begleitet. Ein Polizist und eine Polizistin sitzen hinter ihm, als er gestern seine Aussage im Amtsgericht macht. Auch muss der 25-Jährige, anders als andere Zeugen, nicht seine Wohnadresse preisgeben: Er ist nicht nur der zentrale Zeuge und Nebenkläger in einem Drogen-Prozess. Er befindet sich auch in einem Schutzprogramm.

Auf der Anklagebank sitzen drei Männer: Ein 37-Jähriger, der mittlerweile in Dresden wohnt, ein Mann aus Kassel, sowie ein Mann aus Homberg. Die ersten beiden sind angeklagt, dem Zeugen Kokain verkauft zu haben. Der Kasseler neun Mal. Der Dresdener 17 Mal - über 450 Gramm im Jahr 2006 und etliche kleine Mengen im Vorjahr.

Gemeinsam mit dem dritten Angeklagten sollen beide im Mai 2011 in der Wohnung des 25-Jährigen aufgetaucht sein, um diesen zur Zahlung von rund 10 000 Euro Drogenschulden zu bewegen. Die Art und Weise ihres Vorgehens stuft die Staatsanwaltschaft als gefährliche Körperverletzung und Nötigung ein.

Laut Staatsanwalt soll dem Nebenkläger die Hose heruntergezogen und er mit einem Baseballschläger malträtiert worden sein.

Zu den Vorwürfen aussagen will zunächst keiner. So kommt schnell der zentrale Zeuge ins Spiel. Doch er tut sich schwer mit Angaben zu dem Vorfall. „Ich komme an diesen Tag nicht mehr dran“, sagt der 25-Jährige. Er habe zu jenem Teil der Vorwürfe keine Gesichter mehr vor Augen, sagt er. Und später: „Ich will einfach, dass es weg ist.“

Den Homberger erkennt der 25-Jährige im Saal nicht wieder. Den Dresdener und den Kasseler identifiziert er nur als jene Männer, von denen er Kokain abgenommen habe. Das „Material“ habe er teils selbst konsumiert, teils mit Milchzucker gestreckt gewinnbringend weiterverkauft.

Psychologin wird geladen

Ob es ihm die Erinnerungsblockade zum Mai-Vorfall abnimmt, müsse sich das Schöffengericht überlegen, erklärt Richter Klaus Döll. Noch Ende Januar habe er bei der Staatsanwaltschaft ja Aussagen dazu gemacht. Döll macht dem 25-Jährigen auch klar, dass er auf öffentliche Verhandlung Wert legt – etwas, das dem jungen Mann offenbar sehr misshagt. Ob man seine Psychologin hinzuziehen könne, fragt der Zeuge schließlich. Die soll nun zum nächsten Termin geladen werden.

Von Katja Schmidt

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