Grün gegen Weiß, Südhessen gegen Nordhessen: Wer macht die bessere Grüne Soße?

Entlang des Dill-Äquators

Ohne Dill: Autorin Ingrid Schick füttert Markthallenleiter Andreas Mannsbarth mit Frankfurter Grüner Soße. Foto: Träger

Kassel. Was ist weiß und hat grüne Tupfer? Richtig, die nordhessische Grüne Soße. Dabei sollte sie dem Namen nach ja eigentlich grün sein. Die Frankfurter Grüne Soße hingegen ist grün. Dafür ist sie viel flüssiger als die nordhessische Variante. Aber welche schmeckt denn nun besser? Das haben Ingrid Schick und Andreas Mannsbarth am Samstag in der Markthalle versucht herauszubekommen.

Die Buchautorin und der Markthallenleiter hatten für alles gesorgt: Es gab südhessische und nordhessische Grüne Soße, Teller, Gabeln und sogar Kartoffeln. Auch das Buch von Ingrid Schick, übrigens das erste über Grüne Soße, stand bereit. Und kaum war alles aufgebaut, kamen auch schon die ersten Neugierigen. „Was ist denn der Unterschied?“, lautete die häufigste Frage.

Bloß keinen Dill

„In die ,Grie Soß’ gehören ausschließlich die glorreichen sieben Kräuter: Kerbel, Kresse, Sauerampfer, Borretsch, Pimpinelle, Schnittlauch und Petersilie. Sonst nichts“, klärte die Autorin auf. In Nordhessen sei man, was die Zutaten angehe, etwas entspannter. „Da kommt rein, was grad da ist.“ Vor allem Dill. „Der Dill-Äquator verläuft bei Alsfeld“, erklärte Mannsbarth. „Südlich der imaginären Linie bereitet man die Grüne Soße ohne, nördlich davon mit Dill zu.“ Ein weiterer Unterschied ist, dass die Soße bei uns in Nordhessen mit Quark verarbeitet wird. In Südhessen nimmt man stattdessen gern Schmand.

Geschmacksfrage

Und der Geschmack? Das mussten die Marktbesucher selbst herausfinden. Ruth Kisow und Dorothea Drischel waren da ganz unterschiedlicher Meinung. Die Großmutter und die Enkeltochter kommen aus Kassel und aus Frankfurt. Ihr Urteil: „Ich kannte bisher nur die Kasseler Grüne Soße“, sagte Kisow. „Ab heute esse ich beide gern.“

Nicht aber die Enkeltochter: „Mir schmeckt die Frankfurter Variante besser. Die Kasseler ist mir zu fett, und die Kräuterstückchen sind zu groß“, fand Drischel. Außerdem könne man in die flüssige südhessische Soße die Kartoffeln besser hineinquetschen. Auch Ernst Horst hatte sich mal an die unbekannte südhessische Variante herangewagt.

„Die ist gewöhnungsbedürftig“, sagte der Kasseler. „Die einheimische Grüne Soße schmeckt mir besser. Aber vielleicht hat man in Frankfurt ja eine andere Zunge.“

Der Grüne-Soße-Kosmos

Auf die Idee, ein Rezeptbuch für Grüne Soße zu schreiben, kam die ehemalige Gastronomie-Testerin Ingrid Schick schon vor fünf Jahren. „Als Testerin habe ich mich durch die Höhen und Tiefen des Grüne-Soße-Kosmos gegessen. Da waren zum Teil grauenhafte Dinge dabei.“ Doch das wird sich nun hoffentlich bald ändern.

Das Buch „Grüne Soße! - Die besten Rezepte“ von Ingrid Schick kostet 9,90 Euro und ist in Buchhandlungen, dem Marktbüro oder über den Verlag (www.cocon-verlag.de) erhältlich. ISBN: 978-3-937774-45-9.

Von Gwendolyn Träger

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