Odyssee für Hund und Halter: Milo war am Herkules ausgebüxt - und fand zurück nach Oberzwehren

Entlaufener Hund findet nach 40 Stunden nach Hause

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Suchmeldung: Mit diesem Foto suchten Sandra und Jens Nähler auf Handzetteln nach dem entlaufenen Milo. Sein Abenteuer überstand der zweijährige Hund kerngesund - allerdings ein Kilogramm leichter und völlig erschöpft.

Kassel. Milo, der Hund unseres Kollegen Jens Nähler, war zwei Tage lang verschwunden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Hunde weglaufen. Aber es ist ungewöhnlich, wie Milo zurückkam - er lief vom Herkules bis Oberzwehren. Rund um eine Stadt, die er gar nicht kennt.

Dienstag. Kurz vor Mitternacht. Mehr als neun Stunden ist unser Hund bereits verschwunden. Es ist kalt draußen, sehr kalt. Es schneit, der Wind pfeift durch die Bäume. Drinnen: Erschöpfung, Sorge. Frauchen verzweifelt, Herrchen Mut machend.

Manchmal verschwinden Hunde. Momente, die jeder Halter fürchtet, auch meine Frau und ich. Eigentlich sollte man Ruhe bewahren, denn „meistens sind die Tiere spätestens nach vier Stunden wieder da“, sagt Hans Evers von Jules Hundeschule in Kassel. Und zwar dort, wo sie das Weite gesucht haben. Milo nicht.

Seit fünf Monaten in Kassel

Jens Nähler

Etwas wolfsähnlich ist er, unser Hund aus La Palma, der vor fünf Monaten ein neues Zuhause in Kassel gefunden hat. Der hier das erste Mal im Schnee tobte, in dem er nun am Herkules verloren ging. Er verschwand zwischen den Bäumen, unbeeindruckt von Rufen und Pfiffen. In einer Umgebung, die er nie zuvor erschnüffelt hat.

Ein Hund wurde am Baunsberg angefahren, informiert die Polizei. Ist es Milo? Ist er verletzt? Wir finden ihn nicht.

Für viele Halter sind ihre Vierbeiner mehr als „nur“ ein Hund: Es sind Familienmitglieder. Und die sollten nicht so einfach verschwinden.

Was tröstet, wenn man es zulassen kann: Hunde können überleben in der Kälte, tagelang. Überleben ohne Futter, ohne Kontakt. Und sie tauchen wieder auf, meistens. Meistens werden sie gefunden. Und manchmal finden sie nach Hause. Milo findet uns nach 40 Stunden.

Erschöpft, aber kerngesund: Milo legte auf seinem Weg wahrscheinlich weit über 100 Kilometer zurück.

Donnerstag, 4:53 Uhr. Wir schlafen auf dem Sofa nach einem langen Tag, den wir damit verbracht haben, Suchplakate aufzuhängen und Milos Namen zu rufen, wieder und wieder. Andere Hundebesitzer umarmen uns, weinen sogar. Meine Vermisstenmeldung schafft es auf die Startseite des Internet-Nachrichtendienstes Twitter, weil sie so oft wiederholt wird. Auf Facebook bieten Fremde ihre Hilfe an. Ein Netzwerk voller Mitgefühl.

Jetzt mit GPS

Und dann, fast zwei Tage später, ist da ein Kratzen, ein Jaulen, ein Bellen an der Tür. Elf Kilometer entfernt von der Stelle, an der Milo verloren ging. Daheim. Eine Rückkehr, die wie ein Wunder wirkt. Die mehr Fragen enthält als Antworten. Die die lähmende Erschöpfung verfliegen lässt. Milo ist diese Strecke nie zuvor gelaufen, er kennt den Weg nicht. Hunde sind viel schlauer, als wir Menschen es manchmal glauben.

Und doch: Ein GPS-Halsband wird künftig dafür sorgen, dass Milo das nicht noch einmal unter Beweis stellen muss.

Information: Richtig suchen

Wenn der Hund entläuft, gilt zuerst: Ruhe bewahren. Denn es gibt viel zu tun:

  • Registrieren Sie Ihren Hund beim Haustierregister Tasso. Melden Sie ihn dort als vermisst (www.tasso.net, Tel. 06190/93 73 00).
  • Bleiben Sie am Ort des Verschwindens, legen Sie dort und in der Umgebung Decken und Kleidungsstücke aus.
  • Informiert werden sollten: Polizei, Ordnungsamt, Forstamt.
  • Hängen Sie Handzettel in direkter und weitläufiger Umgebung aus und bleiben Sie telefonisch erreichbar. Benachrichtigen Sie Hundeschulen, Tierärzte, Tierheime.
  • Geben Sie eine Anzeige in der Zeitung auf und nutzen Sie Internetforen sowie soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook, um die Suchmeldung zu verbreiten.
  • Vielleicht können auch Suchhunde helfen: In Kassel etwa www.mantrailing-aim.de
  • Wenn der Hund gefunden wurde, sollten Sie alle benachrichtigten Stellen verständigen und die Handzettel wieder entfernen. Und das Tier beim Tierarzt untersuchen lassen.

Hintergrund: GPS-Halsbänder

Information

Hier herrscht Anleinpflicht in Kassel

Das globale Positionierungssystem (GPS) kann auch bei Hunde-Ausreißern genutzt werden, um deren Standort zu ermitteln. GPS-Halsbänder senden die Position ans Handy und ermöglichen eine präzise Suche etwa auf einer Google-Landkarte.

Das Halsband von Geodog für 299 Euro (www. geodog.de) enthält eine SIM-Karte, über die per SMS der Standort übermittelt wird und der Weg verfolgt werden kann. Akku: 24 Stunden. (tat/tho/jna)

Link: Homepage von Jens Nähler für Hunde-in-Not

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