Streit der beiden Energieanbieter

Eon ließ Werbespot der EAM stoppen - EAM antwortet nun mit Video

Blick auf den neuen Werbespot: In dem Video verkörpert Alina Rank, im wirklichen Leben Schauspielerin am Kasseler Staatstheater, die frisch verliebte Alina. Ihr Frust ist überwunden. Screenshot/HNA

Kassel. David gegen Goliath ist eine italienische Bibelverfilmung, und doch erscheint es einem, dass die Geschichte derzeit neu verfasst wird: der regionale Energieanbieter EAM gegen den Energieriesen Eon.

Das ist aktuell ein interessanter Kampf, der sogar Züge einer Komödie hat. Die kleine EAM stemmt sich gegen eine von Eon erwirkte einstweilige Verfügung, in der es gegen die Veröffentlichung eines Videos geht. Und wie? Mit der Präsentation eines neues Videos. Aber der Reihe nach.

VORSPANN

Seit 1929 gibt es die EAM in dieser Region – sie wird gegründet unter dem Namen Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland, 2002 übernimmt dann das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen Eon die Mehrheit, 2005 erfolgt die Umbenennung der EAM in Eon Mitte AG. Seit 2013 ist die EAM wieder zu 100 Prozent in kommunalem Besitz.

ERSTES KAPITEL

David muckt auf. EAM bringt ein Werbevideo auf den Markt, in dem eine Frau namens Alina sich über den Ex beklagt: „Hat mich einfach sitzenlassen“, „der macht sich heute noch in München ein schönes Leben“.

Schließlich ertönt eine Stimme aus dem Hintergrund – die Auflösung: „Der Energieversorger Eon hat sich vor drei Jahren aus der Region zurückgezogen: Und das Wichtigste hat er mitgenommen: deinen Vertrag.“ Der Spot läuft in verschiedenen Kinos der Region, im Internet, in sozialen Netzwerken. 1600-mal wird er angesehen.

ZWEITES KAPITEL

Goliath schlägt zurück. Eon wehrt sich – erfolgreich. Das Landgericht Kassel ordnet per einstweiliger Verfügung an, dass der Spot vorerst nicht mehr veröffentlicht werden darf. Die EAM zieht das Video daraufhin zurück – und überlegt, ihrerseits rechtlich gegen die einstweilige Verfügung vorzugehen.

DRITTES KAPITEL

David antwortet auf die einstweilige Verfügung – aber anders als erwartet. Die EAM nämlich bringt ein neues Video auf den Markt. Das ist seit Freitag bei Youtube im Internet zu sehen und zeigt: Alina, die Protagonistin des ersten Videos. Sie ist glücklich, weil sie einen Neuen hat. Sie sagt: „Als der Letzte seine Zelte abgebrochen hat, hätte ich nie gedacht, wie schnell das gehen kann.“ Den Neuen kenne sie noch von früher, es sei einer „von hier“, aus der Region. „Aber es fühlt sich einfach richtig gut an.“

Dann kommt wieder die Stimme aus dem Hintergrund, die sagt: „Schön, dass wir für dich da sein können, Alina. Dein Ex, die Eon, hat nämlich Beratungsstellen in der Region geschlossen.“

Eine Aussage, die juristisch nicht anfechtbar sein soll. Steffen Schulze, Pressesprecher der EAM, spricht von einer kreativen, nicht-juristischen Fortsetzung des ersten Videos, das nicht mehr gezeigt werden darf – und die EAM nun auch nicht mehr zeigen wird.

„Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, sich zu diesem Thema vor Gericht zu streiten“, sagt Schulze.

ENDE

Ist noch nicht in Sicht. Die Stellungnahme und somit die Reaktion von Eon steht noch aus. Nach einer Anfrage am Freitag hieß es aus München, man kenne den Film noch nicht. Man wolle sich dann am Montag äußern. Es bleibt also spannend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.