Übernahme der Stromversorgung durch Städtische Werke in Großalmerode könnte erst der Anfang sein

Eon-Mitarbeiter haben Angst um Jobs

Geschlossen ins Kasseler Rathaus: Eon-Mitarbeiter auf dem Weg zur Stadtverordnetensitzung. Foto:  Koch

Kassel. Viel Erfahrung im Demonstrieren haben die Mitarbeiter von Eon-Mitte nicht. Kein Transparent, keine Flugblätter und doch wusste jeder der Kasseler Stadtverordneten am Montag, warum sie da waren und mit 200 Menschen die gesamte Besuchertribüne im Rathaus in Beschlag nahmen.

„Ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz, und den Kollegen geht es genauso“, sagte Michael Jurischka.

Der 51-Jährige aus Schauenburg arbeitet bereits seit 1974 für Eon und den Vorgänger EAM. Wenn Eon weitere Konzessionen an die Städtischen Werke in Kassel verliere, dann werde es eng. Auch Eon-Mitte-Vorstand Georg von Meibom gehörte zu den Besuchern der Stadtverordnetenversammlung. „Wir wollen hier Flagge zeigen“, sagte er.

Auch von Meibom befürchtet, dass Arbeitsplätze am Kasseler Eon-Standort verloren gehen könnten. Daran ändert auch die Zusage der Städtischen Werke nichts. Vorstandschef Andreas Helbig hatte angekündigt, dass das Unternehmen Mitarbeiter von Eon übernehmen könnte. „Für Techniker mag das ja zutreffen, aber was ist mit uns Leuten aus der Verwaltung?“, lautet die bange Frage von Michael Jurischka.

Die Anwesenheit der Eon-Mitarbeiter hatte auf das Abstimmungsverhalten der Stadtverordneten aber keinen Einfluss: CDU, SPD, Linke und Grüne stimmten geschlossen für eine Partnerschaft zwischen den Städtischen Werken und Großalmerode.

Trotz der klaren Entscheidung war im Vorfeld heftig gestritten worden. Vor allem die FDP attackierte das Projekt: Es gebe zu viele unkalkulierbare Risiken, man kaufe die Katze im Sack, sagte Fraktionschef Frank Oberbrunner.

Kai Boeddinghaus (Linke) warf Oberbrunner Populismus und Verlogenheit vor: Normalerweise wolle der FDP-Mann doch „alles privatisieren, was nicht bei drei auf den Bäumen ist“. Nun erlebe man an dieser Stelle „Frank Oberbrunner, den neuen Arbeiterführer“. Einig waren sich die Stadtverordneten in ihrem Ärger über die Städtischen Werke. Laut Kämmerer Dr. Jürgen Barthel hatte der Magistrat erst am 1. Februar die Verträge bekommen und deshalb kaum Zeit für Vorbereitungen. „Das geht so nicht“, sagte Barthel. Dabei betonten die Stadtverordneten stets den Ausnahmecharakter des Vertragswerks, das die Risiken vor allem den Städtischen Werken aufbürdet. „Eine ähnliche Ausgestaltung bei weiteren Geschäften wird es nicht geben“, sagte Christian Geselle (SPD).

Eon-Mitte traut solchen Aussagen nicht: „Ob dies tatsächlich ein Ausnahmefall bleibt, muss abgewartet werden“, sagte Unternehmenssprecher Günther-Michael Birmes. Derzeit seien Überlegungen hinsichtlich eines möglichen Personalabbaus kein Thema bei Eon-Mitte.

Es bestehe aber ein Zusammenhang zwischen Mannschaftsstärke und Konzessionsgebieten. Im Klartext: Zieht der Konzern im Wettbewerb um weitere Konzessionen den Kürzeren, sind auch die Arbeitsplätze in Gefahr. (tos/gör)

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