Beim Eon-Rückkauf ist Kasseler Unternehmen nicht dabei

Städtischen Werken droht Konkurrenz

+

Kassel. Der Rückkauf des Energieversorgers Eon-Mitte durch die Landkreise und Kommunen läuft, aber Kassel ist nicht dabei. Und so könnte für die Städtischen Werke ein Konkurrent entstehen.

Deshalb wäre es für die Städtische Werke AG wichtig, mit von der Partie zu sein, wenn aus der Kasseler Eon wieder ein kommunales Unternehmen wird, wie es die frühere EAM war, bevor Anteile an Eon verkauft wurden.

Die Kasseler Stadtwerke geben zum Thema Eon-Rückkauf keine Auskunft. Der Grund: Es gibt an das städtische Unternehmen bisher keinen Auftrag aus dem Rathaus, sich in Sachen Rückkauf zu engagieren.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) setzt auf Zurückhaltung: „Die Stadt Kassel beobachtet den Prozess, prüft das Thema intensiv und wägt dabei die Chancen und möglichen Risiken im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Informationen ab.“

Dabei wird in der Region bereits an der Gründung eines Stadtwerke-Konsortiums gearbeitet, das sich wohl an dem etwa 700 Millionen Euro teuren Rückkauf beteiligen und beim künftig wieder kommunalen Energieversorger mitreden wird. Das ist wichtig, damit sich nicht kommunale Unternehmen gegenseitig Konkurrenz machen und dabei öffentliches Geld verschwenden.

„Es wäre schade, wenn die Städtischen Werke Kassel nicht dabei wären“, sagt Robert Fischbach (CDU), Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf und Verhandlungsführer der kommunalen Seite für den Eon-Rückkauf. So sieht es auch der Landrat des Kreises Kassel, Uwe Schmidt (SPD).

Man habe Interesse daran, dass die Kasseler Stadtwerke als eines der großen Versorgungsunternehmen der Region mit von der Partie sind. Die kommunalen Unternehmen würden bei den Kreisen offene Türen einrennen, sagt Schmidt. Landrat Fischbach geht davon aus, dass die derzeitigen Verhandlungen zum Eon-Rückkauf im Sommer erfolgreich abgeschlossen werden.

Von Jörg Steinbach

Die Verhandlungen über den Rückkauf von Eon Mitte sind schwierig, aber beide Seiten bekräftigen, dass sie das Geschäft wollen, sagt Robert Fischbach (CDU), Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf und kommunaler Verhandlungsführer. Er geht fest davon aus, dass die Verhandlungen bis Sommer dieses Jahres abgeschlossen sind und die Übernahme erfolgt. Dann würde aus der Kasseler Tochter des Eon-Konzerns wieder ein kommunales Unternehmen, wie es früher die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) war. Der Eon-Konzern will sein Deutschland-Geschäft neu aufstellen und sich nur noch auf vier seiner Regionalversorger stützen. Eon Mitte ist nicht darunter und soll verkauft werden. Eon Mitte ist längst kein vollständiges Unternehmen mehr. Vom Kundenservice über Vertrieb und Abrechnung, Personalwesen und Controlling bis zur Planung neuer Anlagen wurden viele Arbeiten in andere Eon-Unternehmen verlagert, an denen Eon Mitte beteiligt ist. Diese Beteiligungen aus dem Eon-Konzern wieder herauszulösen, „geht nicht von jetzt auf gleich“, beschreibt Fischbach die Probleme, die bei den Verkaufsverhandlungen gelöst werden müssen. Zudem braucht das künftige kommunale Unternehmen Partner, die sich aufs Geschäft verstehen, Kunden für Strom und Gas gewinnen, beliefern und abrechnen können und sich im Markt auskennen. Deshalb sollen die Stadtwerke in der Region von Göttingen über Borken und Kassel bis zu Unternehmen in Mittel- und Südhessen mit ins Boot. „Wir wollen damit Synergien schöpfen“, erklärt Fischbach. Für einen großen Regionalversorger wie die Stadtwerke Kassel wäre eine Beteiligung am Rückkauf nicht allein im Hinblick auf künftige unliebsame Konkurrenz von Bedeutung. Die Städtische Werke AG könnte für das neue kommunale Unternehmen einen Teil jener Arbeiten übernehmen, die derzeit noch, aber künftig wohl nicht mehr von Eon-Unternehmen geleistet werden. Auf 140 Millionen Euro jährlich schätzen Fachleute den Wert der Dienstleistungen, die bisher von den Eon-Unternehmen für die Kasseler Tochter geleistet werden. Auch dieses Geld würde zu einem ansehnlichen Teil in der Region bleiben, wenn diese Dienstleistungen künftig von hiesigen Stadtwerken erbracht würden. Ein Grund für die Kasseler Zurückhaltung bei einem Engagement der Stadtwerke im Eon-Rückkauf könnte die Finanznot im Kasseler Rathaus sein. Kassel muss als Schutzschirmkommune Kosten reduzieren und darf nicht mit städtischem Geld Risiken eingehen. Die Kreise und Kommunen, die den Eon-Mehrheitsanteil an Eon Mitte für schätzungsweise 700 Millionen Euro kaufen wollen, gehen freilich davon aus, dass dieser Kauf aus den künftigen Einnahmen finanziert werden kann. Eon Mitte verdient den Löwenanteil durch Netznutzungsentgelte, und das gelte auch für ein Nachfolgeunternehmen.

Stadtwerke sollen mit ins Boot

Bei einer Übernahme von Eon Mitte soll auch das Geld für Dienstleistungen in der Region bleiben

Die Verhandlungen über den Rückkauf von Eon Mitte sind schwierig, aber beide Seiten bekräftigen, dass sie das Geschäft wollen, sagt Robert Fischbach (CDU), Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf und kommunaler Verhandlungsführer. Er geht fest davon aus, dass die Verhandlungen bis Sommer dieses Jahres abgeschlossen sind und die Übernahme erfolgt.

Dann würde aus der Kasseler Tochter des Eon-Konzerns wieder ein kommunales Unternehmen, wie es früher die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) war.

Der Eon-Konzern will sein Deutschland-Geschäft neu aufstellen und sich nur noch auf vier seiner Regionalversorger stützen. Eon Mitte ist nicht darunter und soll verkauft werden. Eon Mitte ist längst kein vollständiges Unternehmen mehr. Vom Kundenservice über Vertrieb und Abrechnung, Personalwesen und Controlling bis zur Planung neuer Anlagen wurden viele Arbeiten in andere Eon-Unternehmen verlagert, an denen Eon Mitte beteiligt ist. Diese Beteiligungen aus dem Eon-Konzern wieder herauszulösen, „geht nicht von jetzt auf gleich“, beschreibt Fischbach die Probleme, die bei den Verkaufsverhandlungen gelöst werden müssen.

Zudem braucht das künftige kommunale Unternehmen Partner, die sich aufs Geschäft verstehen, Kunden für Strom und Gas gewinnen, beliefern und abrechnen können und sich im Markt auskennen. Deshalb sollen die Stadtwerke in der Region von Göttingen über Borken und Kassel bis zu Unternehmen in Mittel- und Südhessen mit ins Boot.

„Wir wollen damit Synergien schöpfen“, erklärt Fischbach. Für einen großen Regionalversorger wie die Stadtwerke Kassel wäre eine Beteiligung am Rückkauf nicht allein im Hinblick auf künftige unliebsame Konkurrenz von Bedeutung. Die Städtische Werke AG könnte für das neue kommunale Unternehmen einen Teil jener Arbeiten übernehmen, die derzeit noch, aber künftig wohl nicht mehr von Eon-Unternehmen geleistet werden.

Auf 140 Millionen Euro jährlich schätzen Fachleute den Wert der Dienstleistungen, die bisher von den Eon-Unternehmen für die Kasseler Tochter geleistet werden. Auch dieses Geld würde zu einem ansehnlichen Teil in der Region bleiben, wenn diese Dienstleistungen künftig von hiesigen Stadtwerken erbracht würden.

Ein Grund für die Kasseler Zurückhaltung bei einem Engagement der Stadtwerke im Eon-Rückkauf könnte die Finanznot im Kasseler Rathaus sein. Kassel muss als Schutzschirmkommune Kosten reduzieren und darf nicht mit städtischem Geld Risiken eingehen. Die Kreise und Kommunen, die den Eon-Mehrheitsanteil an Eon Mitte für schätzungsweise 700 Millionen Euro kaufen wollen, gehen freilich davon aus, dass dieser Kauf aus den künftigen Einnahmen finanziert werden kann.

Eon Mitte verdient den Löwenanteil durch Netznutzungsentgelte, und das gelte auch für ein Nachfolgeunternehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.