Stadtgeschichte

Ephesus und Kupille arbeiteten in der Bäckerei Wiedemann an der Weserstraße

Zeitgenossen: Bäckersfrau Helene Wiedemann mit ihrer jüngsten Tochter Elfriede im Eingang des Familienbetriebs „Brot- und Feinbäckerei Wiedemann“ an der Weserstraße. Ephesus und Kupille verdienten sich hier regelmäßig ein paar Groschen. Das Foto entstand um 1930 . Foto: privat

Kassel. Heinz Gunter Drubel, Kasseler Stadtrat a.D., erinnert sich an seinen Großvater Georg Wiedemann, der ihm oft von den beiden Stadtoriginalen Ephesus und Kupille erzählt hat. Die zwei Schlacken arbeiteten als Tagelöhner in der Backstube des Großvaters. 

Von den beiden Kasseler Schlacken Ephesus und Kupille habe der Großvater häufig erzählt, sagt Heinz Gunter Drubel: „Das waren echte Kanaillen. Sie arbeiteten als Tagelöhner immer nur für ein paar Stunden, wenn irgendwo Arbeit anfiel.“

Beispielsweise Kohle schippen. In der Backstube seines Großvaters Georg Wiedemann (1874 – 1963) an der Weserstraße am Katzensprung war das regelmäßig der Fall, erzählt der Stadtrat a.D. Drubel. Und so hielten sich die zwei häufig in der Feinbäckerei Wiedemann auf. Ab und zu sollen sie auch geholfen haben, die Pferde vor die Kutsche, mit der das Brot ausgefahren wurde, anzuspannen. Oder sie machten sich nützlich, wenn Mehlsäcke geschleppt werden mussten.

Natürlich gab es in der warmen Backstube auch immer was für sie zu essen. Die paar Groschen, die sich die beiden darüber hinaus verdienten, so habe der Großvater erzählt, wurden noch am gleichen Abend in Flüssiges umgesetzt, vorzugsweise in einer ihrer Stammkneipen wie „Kehrs Trinchen“ in Rothenditmold.

Der liebevoll und mit vereinten Kräften geführte Bäckereibetrieb der Wiedemanns hat den Krieg nicht überstanden. Das Haus, in dem er sich befand, wurde in der Bombennacht am 23. Oktober zerstört. Drei Söhne der insgesamt acht Kinder von Helene und Georg Wiedemann haben das Bäckerhandwerk weitergetragen: Ludwig führte später in Ihringshausen einen Bäckerladen, Hans in Falkenberg (Homberg) und Albrecht in Immenhausen. Allerdings fiel Albrecht im Zweiten Weltkrieg und kam nicht mehr aus Stalingrad zurück.

In einem langen Gedicht, das Sohn Klaus, von Beruf Lehrer, seinem Vater Georg 1959 zum 85. Geburtstag reimte, verewigte er auch die Stadtoriginale: „Weißt du noch, wie’s in Alt-Kassel war, zu alten Zeiten? Wie Ephesus und Kupille sich gar freuten / Wie auch das Suff-Röschen jeder kannte / auf der Straße jeder ihre Namen nannte?“

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