Alfred Grysczyk, früherer Leiter der Carl-Schomburg-Schule, starb mit 78

Er begrüßte seine Schüler mit Handschlag

Ein geschätzter Pädagoge: Alfred Grysczyk ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Archivfoto: Bernd Schoelzchen
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Ein geschätzter Pädagoge: Alfred Grysczyk ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Archivfoto: Bernd Schoelzchen

Alfred Grysczyk, der frühere Leiter der Carl-Schomburg-Schule in Kassel, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

Kassel/Vellmar – Als Alfred Grysczyk 2007 in den Ruhestand gegangen ist, da wurde ein Sportfeld der Carl-Schomburg-Schule nach dem scheidenden Schulleiter benannt. Diese Geste allein zeigt, wie beliebt der Pädagoge an der Gesamtschule im Stadtteil Wesertor gewesen ist. Im Alter von 78 Jahren ist Alfred Grysczyk am Mittwoch dieser Woche nach längerer Krankheit gestorben.

Der Lehrer hatte immer ein Herz für benachteiligte Jugendliche. Für solche, die durch ein Raster gefallen waren oder sich nicht anpassen konnten. Das war auf seine eigene Biografie zurückzuführen, sagt seine Tochter Christiane Grysczyk, die sich beruflich selbst um solche Jugendliche beim Verein „Respekt“ kümmert.

Grysczyk wurde 1942 in Oberschlesien geboren, von wo er zunächst mit seinen Eltern in die spätere DDR flüchtete. Als er zwölf war, gab es die zweite Flucht, dieses Mal nach Westdeutschland. Die Familie wurde zunächst in Gut Eichenberg untergebracht. Diese Einrichtung sollte Grysczyk übrigens sein ganzes Leben begleiten. Später war er viele Jahre Vorsitzender des Schullandheims Gut Eichenberg.

Zurück zur Schulzeit: Während er in der DDR viele Freunde hatte und bei den „Jungen Pionieren“ eingebettet war, wurde er in Kassel, wo er die Gerhart-Hauptmann-Schule besuchte, zum Außenseiter. Er wurde als der „Ivan aus dem Osten“ gehänselt, erzählt seine Tochter. Dadurch habe er aber auch gelernt, sich durchzusetzen und für sich zu kämpfen. Als er 15 war, starb seine Mutter, die immer ihre schützende Hand über ihn gehalten hatte. Diese negativen Erfahrungen haben ihn aber auch dazu gebracht, sich für schwächere Schüler einzusetzen.

Als einen „ehrlichen und klaren Denker und Pädagogen“ bezeichnet Jörg Sperling, Vorsitzender des documenta Forums, seinen früheren Kollegen. Sperling, später Leiter der Heinrich-Schütz-Schule, war in den 1980er-Jahren für die Förderstufe an der Carl-Schomburg-Schule tätig. Grysczyk, der so gut wie alle Schüler mit Namen kannte und sie auch gelegentlich morgens mit Handschlag begrüßte, habe diese immer ernst genommen. Sie standen für ihn im Mittelpunkt. Wenn es zu Konflikten zwischen Lehrern und Schülern kam, dann hat er sich beide Seiten angehört. Er habe den Schülern aber auch klare Grenzen gesetzt. Das brachte dem Schulleiter, der schon mal auf den Tisch hauen konnte, aber auch in der Lage war, sich zu entschuldigen, viel Respekt ein.

Nach dem Abschluss an der Gerhart-Hauptmann-Schule absolvierte Grysczyk zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Das Abitur machte auf dem zweiten Bildungsweg am Abendgymnasium. Diese Erfahrung führte dazu, dass der Pädagoge ein Verfechter der Gesamtschule mit Förderstufe wurde. Grysczyk, der keiner Partei angehörte, aber politisch sehr interessiert war, setzte sich für die Chancengleichheit ein.

Nach seinem Abitur wollte der Katholik zunächst Pfarrer werden. Doch dann kam die Liebe dazwischen. In einer Kirchengruppe in Rothwesten lernte er seine spätere Frau Monika kennen. Die beiden heirateten 1967, zogen nach Vellmar-Frommershausen, 1968 wurde Tochter Christiane geboren, 1970 folgte Sohn Axel, der heute Chefredakteur der „Offenbach Post“ ist.

Auch wenn er kein Pfarrer geworden ist, so engagiere sich der bis zum Schluss leidenschaftliche Pfeifenraucher weiter in der kirchlichen Jugendarbeit. Bis zum Ausbruch der Coronapandemie ging er mit seiner Frau regelmäßig in die Kirche. Mit seinen Kindern teilte sich Alfred Grysczyk früher ein Motorrad. Bis vor zwei Jahren ist er noch selbst gefahren.

Eine andere Leidenschaft von ihm war die Insel Rab in der Adria. Eine Klassenfahrt Anfang der 1970er-Jahre begeisterte Grysczyk dermaßen, dass er eine Partnerschaft mit Rab aufbaute. Dafür wurde er zum Ehrenbürger der kroatischen Insel ernannt.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 28. Mai, 11 Uhr, auf dem Friedhof in Frommershausen statt.

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