Drachenbauer Bernhard Dingwerth war Deutscher Meister

Kasseler bringt Krokodile zum Fliegen

An der Nähmaschine: Bernhard Dingwerth stellt seine außergewöhnlichen Drachenmodelle im eigenen Hobbykeller her.
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Bernhard Dingwerth stellt seine Drachenmodelle im eigenen Hobbykeller her.

Andere Menschen lassen einen Drachen steigen, der Kasseler Bernhard Dingwerth bringt Kunstwerke zum Fliegen. Der 65-Jährige hat mehrere Titel als Deutscher Meister gewonnen und war mit seinen außergewöhnlichen Drachen schon fast überall auf der Welt.

Kassel. Doch der Reihe nach. Als junger Mann zog Bernhard Dingwerth von Münster nach Kassel, weil er hier Kunst studieren wollte. Kinderdrachen hatte er bis dahin auch schon mal gebastelt. Doch dann sah er die ersten Lenkdrachen und fing Feuer für ein Hobby, das ihn bis heute begleitet. Mit einer einfachen Nähmaschine und einer Idee im Kopf fing es an. Aus mehreren Bahnen Spinnaker-Nylon nähte er sein erstes großes Flugobjekt zusammen. „Das war ein Krokodil, und ich hatte keine Ahnung, ob es auch wirklich fliegen würde“, sagt er.

Das Krokodil hob ab und wurde für ihn zum Ausgangspunkt einer ungewöhnlichen Karriere. Weil die Kunst nicht zum Broterwerb taugte, sattelte er um und arbeitete als Sozialpädagoge in einem Kasseler Kinderheim. Jede freie Minute gehörte dem Drachenbau, in dem er ständig besser wurde. Nach den ersten Titeln bei bundesweiten Wettbewerben wurde er immer häufiger zu internationalen Treffen eingeladen. „Ich bin nicht verheiratet, meine Familie sind die Drachenbauer“, sagt er. Als Rentner hat er mittlerweile viel Zeit, weitere Modelle zu entwickeln, die Bahnen zuzuschneiden und mit der Maschine die Nähte zu ziehen. Dafür hat er in seinem Haus im Auefeld einen 30 Quadratmeter großen Hobbykeller. Wobei „Hobby“ für das, was Bernhard Dingwerth macht, mittlerweile der falsche Begriff ist. Er verdient zwar kein Geld mit den Drachen, aber die Herangehensweise ist absolut professionell.

Zwei breite Fensterbänke im Keller voll mit Pokalen und anderen Trophäen sind Belege dafür, wo er schon überall Preise gewonnen hat. Von Portugal, über Spanien, Frankreich und Italien bis nach Südafrika, Kanada, die USA bis nach Malaysia und Thailand gibt es Erinnerungsstücke. Und einmal war er sogar auf einem Schweitzer Alpenpass auf 2230 Meter Höhe und hat dort seinen größten Drachen, den Feuersalamander Lurchi, starten lassen. Stolze 20 Meter ist der lang.

Gehen diese Reisen nicht ganz schön ins Geld? „Mittlerweile nicht mehr“, sagt der Drachenbauer. Da er zu den Treffen eingeladen werde, zahlten die Veranstalter den Aufenthalt und oft auch die Reisekosten.

Wegen Corona ist aktuell allerdings Flugpause. Eine Einladung ans Rote Meer nach Ägypten für Juni 2021 hat er aber schon vorliegen. „Hoffentlich klappt das“, sagt der 65-Jährige. Der hat übrigens für einige seiner Modelle eine Bauanleitung ins Internet gestellt. Die kann man sich kostenlos ansehen und für private Zwecke nutzen. drachenbernhard.de (Thomas Siemon)

Fliegende Krokodile: Damit fing die Karriere als Drachenbauer an.
Farbenfroh: Die Ahornblätter im Wind sind ebenfalls Drachen von Bernhard Dingwerth.

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