Unternehmen rüstet seit 1762 Forscher und Entdecker aus

Er führte Kassels älteste Firma: Trauer um Hans-Hellmut Breithaupt

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Ein Unternehmer alter Schule: Hans-Hellmut Breithaupt, hier mit einem Gruben-Theodoliten von 1854.

Kassel. Der Seniorchef von Kassels ältestem Unternehmen, dem 1762 gegründeten Messinstrumente-Hersteller F. W. Breithaupt & Sohn, ist kurz vor seinem 75. Geburtstag gestorben.

Der Familienname des Unternehmers steht nicht nur für die traditionsreichste Firma Kassels, sondern auch für das älteste Unternehmen seiner Branche weltweit: Hans-Hellmut Breithaupt wäre am kommenden Donnerstag 75 Jahre alt geworden.

Noch bis Anfang des Jahres war er trotz ernster Krankheit regelmäßig im Betrieb, den er gemeinsam mit seinem Sohn Dr. Hans-Friedrich Breithaupt führte. Seit 1762 haben Entdecker und Ingenieure mit Sextanten, Kompassen und Theodoliten von Breithaupt aus Kassel die Welt vermessen.

Gemäß dieser 255-jährigen Firmengeschichte war Hans-Hellmut Breithaupt eine Unternehmerpersönlichkeit, die traditionelle, heute selten gewordene Kaufmannstugenden verkörperte. Dafür erwarb er sich Wertschätzung und Respekt auch ín vielen Ehrenämtern, in denen er sich engagierte.

So war Breithaupt über viele Jahre federführend aktiv beim Verband der regionalen Metall- und Elektro-Unternehmen. Auch in der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände sowie bei der IHK vertrat in vielfältigen Funktionen die Interessen der nordhessischen Wirtschaft, Er engagierte sich zudem für den deutschen Industrieverband seiner Branche und war jahrzehntelang ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsgericht. Für diese und weitere Facetten seines gesellschaftlichen Engagements wurde er 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Bevor Hans-Hellmut Breithaupt 1967 gemeinsam mit seinem Bruder Georg-Ernst in 7. Generation die Führung des Familienunternehmens übernahm, hatte er eine klassische kaufmännische Ausbildung durchlaufen und anschließend viel von der Welt gesehen. Nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium und späteren Lehr- und Berufsjahren in Hamburg arbeitete Hans-Hellmut Breithaupt bei einem Unternehmen, das wissenschaftliche Instrumente nach Spanien, in den Nahen Osten und in afrikanische Länder importierte.

Was heutzutage weitgehend per Internet-Kommunikation abgewickelt wird, war seinerzeit noch ein Fall für persönliche Geschäftsbesuche bei den Repräsentanten in den jeweiligen Ländern. So wurde aus dem Kasseler Kaufmann ein Unternehmer mit internationalem Horizont, der seine Verhandlungen sattelfest auf Englisch, Spanisch und Französisch zu führen wusste. In Südafrika lernte Breithaupt seine spätere Frau Hedda kennen und brachte sie mit in die nordhessische Heimat.

Ein Faible für die KunstDort haben sich beide in der knappen Freizeit, die sich der Unternehmer neben seinen vielen beruflichen und ehrenamtlichen Verpflichtungen einräumte, der Kunst als gemeinsame Passion verschrieben. Fast zwei Jahrzehnte war Hans-Hellmut Breithaupt auch beim Museumsverein Kassel und dessen Stiftungsrat aktiv. Vor allem auch die documenta habe ihn immer wieder begeistert, erzählte sein Sohn.

Hans-Hellmut Breithaupt hinterlässt seine Frau, zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Die Trauerfeier soll an dem Tag stattfinden, an dem er 75 Jahre alt geworden wäre: am Donnerstag, 20. April, ab 11 Uhr in der Kirche in Kirchditmold.

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