Sergej Rezvanov war vom Hip-Hop besessen

Er produzierte Video mit Shkodran Mustafi:  Kasseler Filmemacher mit 36 Jahren gestorben

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Musikviddeoproduzent Sergej Rezvanov (1980 - 2017) mit seiner Kamera.

Kassel. Keine der gewöhnlich bunten Graffiti zieren zurzeit das Löschbecken in der Kasseler Goethe-Anlage. Stattdessen ist nur ein einziger Namenszug zu lesen: Sergej Rezvanov.

Sprayer haben ihn Anfang der Woche angebracht, um an den Kasseler Filmemacher und Musikvideo-Produzenten Sergej Rezvanov zu erinnern. Der an Leukämie erkrankte Kasseler war am 1. Februar im Alter von 36 Jahren gestorben.

Freunde und die Familie haben für die Traueranzeige in der HNA liebevolle Sätze gefunden: „Jeder, der Sergej kennenlernen durfte, kann sich bestimmt an mindestens einen Sergej-Moment, eine Sergej-Situation, ein Sergej-Erlebnis erinnern. Spätestens jetzt, beim Lesen dieser Zeilen, sollte jeder, bei dem dies zutrifft, ein Lächeln im Gesicht haben.“

Sergej Rezvanov, der mit seinen Eltern und zwei Geschwistern als Kind aus der Ukraine nach Kassel gekommen war, besuchte die Schule Hegelsberg. Früh machte er seine Leidenschaft für Hip-Hop, Film und Kameraarbeit zum Beruf. Er produzierte Musikvideos. Bald nahm er seine Clips in New York, Valencia oder Paris auf. Zu seinen Kunden und Protagonisten – mit denen er stets freundschaftlich verbunden war – zählten Hip-Hop-Größen von Kool Savas bis Ardian Bujupi.

Youtube-Renner ist Rezvanovs Video mit dem nordhessischen Fußball-Star Shkodran Mustafi (FC Arsenal). „Sergej hat uns immer wieder verblüfft“, sagt Armin Ruda vom Offenen Kanal Kassel (OK): „Einmal tauchte er bei uns im Studio mit den Söhnen Mannheims im Schlepptau auf.“

Graffito zu Ehren des verstorbenen Sergej Rezvanov in der Goethe-Anlage im Vorderen Westen. 

Im Gedenken an Sergej Rezvanov sind heute unter dem Titel „A journey into sound“ ab 18.10 Uhr einige seiner Musikvideos im OK zu sehen, unter anderem das Schauspieldebüt von Fußball-Nationalspieler Shkodran Mustafi. Als das Video zu Bujupis Song „Ewig“ vor über zwei Jahren produziert wurde, hatte Sergej bereits die Diagnose Leukämie.

„Von da an hat sich sein Leben verändert“ sagt ein Familienmitglied: „Es war von Krankenhausaufenthalten und permanenten Aufs und Abs geprägt.“ Sergej sei ein kreativer Kopf gewesen, der die große Gabe besaß, ganz unterschiedliche Menschen zusammenzubringen. Er hatte sich der Hip-Hop-Szene mit ihrer Musik und ihren Graffiti verschrieben. „Für ihn war das alles große Kunst“, sagt das Familienmitglied. An der Uni Kassel war Sergej, der kein Abitur hatte, als Kunststudent angenommen worden – allein aufgrund seiner Begabung.

„Selbst der größte Champion kann einen Kampf verlieren. Für mich wirst du immer ein Held sein“, schreibt Shkodran Mustafi auf Facebook zum Tod seines Freundes Sergej. Und der Rapper Kool Savas widmete ihm am 4. Februar in Bielefeld gleich sein ganzes Konzert. Vor tausenden Fans sagte er: „Sergej aus Kassel, dieser Junge war vom Hip-Hop besessen, und er ist dafür immer ans Limit gegangen.“

„Wenn Sergej einen Raum betrat und – wie immer – lächelte, wurde es schlagartig heller um einen herum“, erinnert sich Armin Ruda: „Mit Sergej verlieren wir nicht nur einen großartigen Musikmanager und Regisseur, sondern auch einen der liebenswertesten Menschen, die jemals im Offenen Kanal Kassel gewirkt haben. Sein Strahlen wird uns fehlen.“

Sergej Rezvanov hinterlässt eine Partnerin und eine zweijährige Tochter.

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