Glinicke machte seine Autohäuser zur Marke

Er war 55 Jahre an der Spitze: Trauer um Autohändler Peter Glinicke

Einer der bekanntesten Unternehmer Kassels: Peter Glinicke führte die gleichnamige Automobilhandelsgruppe von 1957 bis 2015.
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Einer der bekanntesten Unternehmer Kassels: Peter Glinicke führte die gleichnamige Automobilhandelsgruppe von 1957 bis 2015.

Das Autohaus Glinicke ist nicht nur in Kassel eine Marke. Nun ist Senior-Chef Peter Glinicke mit 88 Jahren gestorben. Er war einer der bekanntesten Unternehmer Kassels.

Kassel – Vor zwei Jahren erklärte Peter Glinicke, warum sein Unternehmen so erfolgreich ist: „Autos sind unser Geschäft. Erfolg hat aber nur, wer die Menschen in den Mittelpunkt seines Schaffens stellt.“ Damit ist Peter Glinicke immer gut gefahren. Er hat die von seinem Vater 1930 gegründete Firma zu einer der großen Automobilhandelsgruppen gemacht. Glinicke beschäftigt an 26 Standorten mehr als 1700 Mitarbeiter.

Sie trauern nun um Peter Glinicke, der am 13. Oktober mit 88 Jahren gestorben ist, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Von einem Sturz hatte sich der Senior nicht mehr erholt. Nach einem Krankenhausaufenthalt verbrachte er seine letzten Tage zuhause bei seiner Familie.

Sohn Florian Glinicke leitet Firma aus Kassel bereits seit 2016 allein

Für Florian Glinicke, der die Firma seit 2016 allein leitet, ist der Tod seines Vaters „nicht nur ein schwerer persönlicher Verlust“, wie er sagt: „Wir verlieren mit ihm auch einen wichtigen Ratgeber und Visionär. Seine Weitsicht und sein unternehmerisches Denken haben die Glinicke-Gruppe zu ihrer heutigen Größe geführt.“

Peter Glinicke leitete die Firma 55 Jahre und war immer der Erste im Büro gewesen. Selbst in den vergangenen Jahren, als er nicht mehr im operativen Geschäft tätig war, schaute er regelmäßig morgens vorbei. Auch Oberbürgermeister Christian Geselle lobte das Lebenswerk des Automobilkaufmanns: „Wer immer Peter Glinicke kennenlernen durfte, war beeindruckt von seinem Charisma sowie seinem Unternehmergeist.“

Kassel: Mit Peter Glinicke kommen auch die Automarken

Den hatte er von seinem Vater geerbt. Hans Glinicke gründete die Firma 1930 als Generalvertretung für Landmaschinen der Marke Lanz in der heutigen Goethestraße. Dort beschäftigte er sechs Mitarbeiter. Sein Sohn macht zunächst eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker in Köln, ein Praktikum bei der Commerzbank und eine kaufmännische Ausbildung, die ihn auch nach San Francisco führt, wo er in einem Betrieb arbeitet.

1957 tritt er in die Firma seines Vaters ein, die damals Volkswagen und Porsche verkauft. Nach dem Tod des Gründers übernimmt er 1968 die alleinige Geschäftsführung. Unter seiner Regie kommen immer mehr Marken dazu – von Audi über Jaguar und Land Rover bis zu Peugeot und Hyundai.

Und nicht nur in Kassel, wo Glinicke heute Autohäuser am Königstor, am Platz der Deutschen Einheit sowie entlang der Leipziger Straße betreibt, expandiert das Unternehmen. Nach der Grenzöffnung kommen vor allem in Thüringen viele Standorte dazu. Peter Glinicke sorgt dafür, dass sich neben seinen Autohäusern Einkaufszentren ansiedeln. „Wir haben dadurch unsere eigenen Frequenzbringer geschaffen“, sagt er einmal.

„Geschenk“ an Kassel: Peter Glinicke ließ Messinghof in Kassel sanieren

Für Hobbys bleibt bei so viel Unternehmergeist kaum Zeit. Mit seiner Frau Regine reist der Vater von vier Kindern, der auch neun Enkel sowie einen Urenkel hat, einmal im Jahr nach Gran Canaria.

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In Kassel hat sich Peter Glinicke auch ein besonderes Denkmal gesetzt. Ab 2010 lässt er mit Florian den mehr als 300 Jahre alten Messinghof in der Leipziger Straße sanieren, in dem einst die Herkules-Figur hergestellt wurde: „Das ist mein Geschenk an die Menschen dieser Stadt“. (Matthias Lohr)

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