Ex-Schulleiter Karl-Ernst Müller starb mit 78

Er war die Liebe ihres Lebens: Bewegende Worte einer trauernden Witwe

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Lehrer und Familienvater: Karl-Ernst Müller vor der Heinrich Schütz Schule, die er lange leitete, und mit seiner Frau Monika, mit der er 57 Jahre verheiratet war.

Es sind bewegende Worte einer trauernden Witwe: "Verheiratet seit 57 Jahren. Es war nur Liebe".  Ein Nachruf auf den verstorbenen Kasseler Oberstudiendirektor Karl-Ernst Müller.

Manchmal sitzt Monika Müller auf dem Friedhof in Wehlheiden und schimpft mit ihrem toten Mann. Der Kasseler Oberstudiendirektor Karl-Ernst Müller ist bereits im Mai nach langer Krankheit mit 78 Jahren gestorben.

Seine Frau hat dem Friedhof eine Bank gestiftet. Sie steht ganz in der Nähe des Grabs. „Vom Himmel aus kann er gucken, wie ich dort sitze“, sagt Monika Müller. Wenn sie dort ist, blickt sie nach oben und fragt: „Warum hast du mich allein gelassen?“

"Verheiratet seit 57 Jahren. Es war nur Liebe" - bewegender Nachruf einer trauernden Witwe

Karl-Ernst Müller mit seiner Frau Monika.

Vor wenigen Wochen hat uns die 77-Jährige einen Brief geschickt, in dem sie fragte, ob wir einen Nachruf auf ihren Mann schreiben können. Dazu packte sie Fotos, Gedichte und einen Zettel, auf dem stand: „Verheiratet seit 57 Jahren. Es war nur Liebe.“ Auch davon handelt nun dieser Text. Es geht nicht nur um das Leben des ehemaligen Leiters der Heinrich-Schütz-Schule, sondern auch um die Frage, wie man mit der Trauer umgeht, wenn die große Liebe plötzlich nicht mehr da ist und man selbst schwer krank wird.

Monika war 17, als sie im niedersächsischen Uelzen mit dem drei Jahre älteren Karl-Ernst zusammenkam. Nach zwei Jahren sagte sich die gut aussehende Frau: „Das kann es doch nicht gewesen sein. Du musst noch was anderes ausprobieren.“ Sie lernte einen reichen Unternehmersohn kennen. Aber nach dem ersten Abendessen mit dessen Familie kehrte sie zu Karl-Ernst zurück: „Ich habe es nie bereut – obwohl ich viele Angebote hatte.“

Karl-Ernst Müllers Vater leitete das Heeresmusikkorps Kassel - so kam das Paar nach Nordhessen

Während sie bei der Commerzbank in Uelzen arbeitete, studierte er in Hamburg Mathe und Physik. Er träumte vom Max-Planck-Institut, wurde dann aber Beamter, weil das sicherer ist. Durch seinen Vater Ernst, der von 1964 bis 1972 das Heeresmusikkorps Kassel leitete, kam das Paar nach Nordhessen. Nach dem Referendariat am Goethe-Gymnasium wechselte Müller an die Heinrich-Schütz-Schule, wo er mehr als 30 Jahre wirkte. Und nicht nur dort. Der IT-Experte trieb die Digitalisierung an den Schulen der Region voran und zeigte Kollegen, wie man Stundenpläne mit dem Computer erstellt. Monika arbeitete bei der Landesbausparkasse.

Den Urlaub verbrachte das Paar mit den beiden Söhnen stets in Cuxhaven. „45 Jahre lang waren wir dort, immer in derselben Wohnung“, sagt Monika, die von sich sagt: „Ich bin ein kleiner Satansbraten. Mein Mann dagegen hat nicht einmal mit mir geschimpft. Er war einfach nur lieb.“

Ehemalige Schüler luden die Witwe in die Stamm-Pizzeria ein

Und er war so beliebt, dass seine ehemalige Klasse die Witwe zuletzt in die Pizzeria „Da Toni“ einlud, wo sich die Schüler von einst regelmäßig treffen. „Es war wunderschön“, sagt Monika Müller, die gerade erfahren hat, dass der Brustkrebs zurückgekommen ist, von dem sie glaubte, dass sie ihn besiegt hatte. Diesmal will sie keine Chemo mehr: „Die Ärzte sagen, dass die Tumore vielleicht von allein weggehen.“

Manchmal überlegt sie, das Haus in Nordshausen zu verkaufen. Die Söhne leben mit ihren Familien in Bad Vilbel und Australien. Aber ihre Haushaltshilfe sagte ihr: „Die Seele Ihres Mannes lebt in diesem Haus. Die können sie nicht mitnehmen.“ Darum bleibt Monika Müller in Kassel und schimpft manchmal mit der Liebe ihres Lebens.

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