Christopher Clausen aus Kassel berichtet vom Auslandssemester in Schweden

Göteborg. Rote Holzhäuser, ein harter Winter und nur Volvos auf den Straßen. Wenn es das ist, was Schweden ausmacht, dann habe ich die vergangenen fünf Monate in einem anderen Land gelebt.

Denn hier in Göteborg gibt es ganz normale Steinhäuser und Regen und Sturm statt Schneetreiben - nur die vielen Volvos passen zu dem Klischee, das man über Schweden hat. Neben dieser Erkenntnis und fünf Extrakilo aufgrund schwedischer Schokolade haben mir die fünf Monate hier auch noch etwas anderes gebracht: Freunde aus verschiedenen Ländern und viele neue Erfahrungen.

Schon während der Bewerbungsphase habe ich gelernt, was Improvisation ist: Da mein Fachgebiet nicht mit Schweden zusammenarbeitet, bin ich hier nun ein Student der Gesellschaftswissenschaften und hoffe, dass meine Kurse trotzdem in meinem Studium angerechnet werden. Einige meiner Freunde waren schon im Ausland und hatten danach Schwierigkeiten, die erbrachten Leistungen anerkennen zu lassen - trotz Bologna und gleicher Notenskalen.

Fürs Schwedische in den Chor

Meine Kurse hier sind in englischer Sprache, und ich staune über die guten Sprachkenntnisse sowohl der Professoren als auch der Bevölkerung im Allgemeinen. Es gibt kaum einen Ort, wo man nicht verstanden wird. Wer allerdings Schweden kennenlernen will, muss sich anderswo umschauen als an der Uni: Viele der Kurse sind nämlich nur für internationale Studenten. Ich habe mir deshalb einen Chor gesucht, in dem ausschließlich schwedisch gesprochen wird.

Leider ist ein Auslandssemester trotz der Erasmus-Stipendien immer noch sehr teuer, besonders in Schweden. Lebenshaltungskosten von 500 bis 600 Euro nur für Miete und Lebensmittel sind der Durchschnitt, da hilft nur die großzügige Unterstützung von Familie, Bafög oder der Bank. Die 190 Euro monatlich von Erasmus helfen aber auf jeden Fall.

Profitiert habe ich nicht in finanzieller, aber in jeder anderen Weise von dem Auslandssemester: Ich habe auch in andere Forschungsgebiete hineinschauen können und damit Perspektiven für mein eigenes Studium gewonnen. Vor allem aber hat mir die Zeit in Göteborg persönlich etwas gebracht. Man sieht etwas von der Welt, hinterfragt seine eigenen Werte und lernt neben dem neuen Land auch sein eigenes besser kennen.

Erasmus-Studenten sind eine große Familie, verbunden durch die gemeinsame Erfahrung und eine gemeinsame Sprache. Hier fühlt man sich als Europäer, entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Länder und lernt, sie zu akzeptieren. Internationale Freundschaften und Kontakte erweitern den eigenen Horizont und die Möglichkeiten im Leben, da bin ich mir jetzt sicher. Ein Flug nach Finnland ist schon gebucht, um meine Freunde dort zu besuchen.

Von Christopher Clausen

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