Bundestreffen in Kassel

Verband der Wolgadeutschen hält Erinnerung an die Geschichte wach

Mehrere Generationen von Wolgadeutschen versammelt: Marina Maurer (von links), die Verbandsvorsitzende Ida Schäfer, Valeria Mack und Tatjana Maurer. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ihre Geschichte, das Leid und die Verfolgung der Wolgadeutschen dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Das musste die Tochter der Mutter vor vielen Jahren versprechen. Heute ist Ida Schäfer 76 Jahre alt. Sie hat ihr Versprechen eingehalten und organisiert das jährliche Bundestreffen der Wolgadeutschen in Kassel.

Im Zweiten Weltkrieg standen die Wolgadeutschen unter dem Generalverdacht, Hitler zu unterstützen. Hunderttausende wurden nach Sibirien in Arbeitslager vertrieben, verfolgt und gedemütigt. Erst viele Jahre später hat die russische Regierung die Wolgadeutschen rehabilitiert. Vor Kurzem wurde ein Denkmal für sie aufgestellt.

Verfolgung und Schikanen hat es allerdings bis in die jüngere Vergangenheit gegeben. Die Möglichkeit für ihre Landsleute, ab den 1970er-Jahren nach Deutschland auszusiedeln, sei deshalb ein Segen gewesen, sagt Ida Schäfer. „Ich bin überglücklich hier“, beteuert die fünffache Großmutter, die in der Unterneustadt wohnt.

Alle ihre Kinder hätten die Chance genutzt und gute Berufe erlernt. Besonders stolz ist sie auf die älteste Enkelin, die in New York studiert. Die bekannteste Wolgadeutsche ist übrigens die Schlagersängerin Helene Fischer.

Die war am Wochenende nicht in Kassel. Dafür aber gut 100 Mitglieder des Verbandes, die aus ganz Deutschland anreisten. Sie trafen sich im Philipp-Scheidemann-Haus (Nordstadt), wo es ein Kulturprogramm mit Chören, Sängern und Tanzgruppen gab.

Etwa 250 Wolgadeutsche sind in Kassel und Umgebung im Verband organisiert. Sie und zahlreiche andere, die nicht im Verband gemeldet sind, haben ähnliche Wurzeln wie Ida Schäfer. Sie hat Sprachkurse organisiert und vielen von ihnen geholfen, in Kassel heimisch zu werden. Dafür ist sie mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet worden.

Von Thomas Siemon

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