Kasseler Forscher will Entwicklung besserer Geothermie-Technik anstoßen

Kassel. Gegenüber anderen alternativen Energien fristet die Nutzung von Erdwärme, die sogenannte Geothermie, noch ein Nischendasein. Doch auch diese Branche ist im Aufwind: Zwischen 2004 und 2011 hat sich die Zahl ihrer Beschäftigten fast verachtfacht, die Wärmeleistung stieg von 2000 auf rund 6000 Gigawatt.

Das Potenzial sei aber noch deutlich ausbaufähig, sagt Professor Oliver Reul, seit zwei Monaten Leiter des Fachgebiets Geotechnik an der Universität Kassel.

Doch die Geothermie mache nicht nur als wichtiger Bestandteil des von der Bundesregierung propagierten Umstiegs auf erneuerbare Energien von sich reden. Immer wieder komme es zu Pannen, die das Vertrauen in diese Technik erschütterten.

Beispielsweise sorgte vor fünf Jahren die Havarie einer Erdwärmebohrung in der Stadt Staufen im Breisgau für Aufsehen: Der Boden hob sich, breite Risse taten sich in Häuserfassaden auf.

Reul hält es deshalb für dringend notwendig, die Qualität der Erdwärmegewinnung systematisch auf den Prüfstand zu stellen, die Technik zu optimieren und allgemeine Standards zu entwickeln. Deshalb wolle er ein entsprechendes Forschungsprojekt mit geeigneten Partnern aus der Industrie anstoßen, sagt der Wissenschaftler.

Prof. Oliver Reul

Reul zählt eine Reihe von Schwachstellen auf, die die Erdwärmegewinnung mit einer Panne oder Schlimmerem enden lassen können: Wenn die Bohrung nicht regelgerecht und mit ungeeignetem Material verpresst werde, könne es zu Schäden kommen. Beispielsweise sei das Erdreich in Staufen durch die Bohrung aufgequollen und habe die Häuser angehoben.

Selbst wenn eine unsachgemäße Installation der Erdwärme-Sonde keine Schäden verursache, könne sie dazu führen, dass die Wärmeausbeute zu gering ausfalle und viel mehr elektrischer Strom als nötig für den Betrieb der Wärmepumpe verbraucht werde. Auch die richtige Auswahl und Anordnung der Sonden sowie die ausreichende Wärmeleitfähigkeit des Erdreichs seien weitere wichtige Faktoren, sagt Reul. Nicht immer gingen dabei Fachleute ans Werk.

Eine großes Zukunftspotenzial prophezeit Reul der Geothermie im Verbund mit der Sonnenenergie: Mittels Erdwärmesonden könne die Wärme aus Sonnenkollektoren im Sommer im Erdreich gespeichert werden, um sie im Winter für die Heizung oder die Freihaltung von Straßen und Wegen von Eis zu nutzen. „Die Erde ist ein guter Wärmespeicher“, sagt der Forscher. Foto: Dilling

Von Peter Dilling

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