1. Startseite
  2. Kassel

Erfahrung, Planung und Material sind das A und O

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Purkott

Kommentare

Das Foto zeigt das Modell eines Kniegelenks mit Seitenbändern und Knorpelschicht.
Das Foto zeigt das Modell eines Kniegelenks mit Seitenbändern und Knorpelschicht. © PantherMedia / chingyunsong

Knieschmerzen zählen neben Rückenschmerzen zu den häufigen Leiden, von denen hauptsächlich ältere Menschen betroffen sind. Grund dafür ist in den meisten Fällen altersbedingter Verschleiß – als Arthrose bezeichnet. Zu den Ursachen der Arthrose des Knies zählen aber auch Fehlstellungen der Beine, falsche Belastung, Rheuma, Stoffwechselerkrankungen, Verletzungsfolgen und starkes Übergewicht. Daher sind davon auch nicht ausschließlich ältere Patienten betroffen. 

Entzündungen

„Bei der Arthrose geht die Knorpelschicht zwischen den Gelenken mehr und mehr zugrunde, das führt letztlich zu Entzündungen und Schmerzen“, sagt Prof. Dr. Guido Heers, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Allgemeinen Orthopädie und Endprothetik an der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel. Je nach Schweregrad beziehungsweise Fortschritt der Abnutzung kommt dann neben konservativer Behandlung vor allem ein invasiver Eingriff infrage. „Dabei ersetzen wir die kaputten Gelenkflächen“, erklärt Prof. Heers. Diese werden nach Angaben des Arztes nachgebaut und während des Eingriffs auf den defekten Flächen installiert, in der Regel mit Zement. Zwischen die Flächen, deren Material hauptsächlich aus Titan besteht, kommt als Ersatz für den Knorpel eine Kunststoffscheibe, denn „Metall auf Metall hat einen zu hohen Abrieb“.

Doch da jeder Mensch eine andere Anatomie hat, die Ausprägungen des Verschleißes beziehungsweise des Verletzungsmusters unterschiedlich sind, müsse man im Vorfeld der Operation ganz genau planen und vor allem die richtigen Materialien in allen Ausprägungen und Größen parat haben, weiß Prof. Heers. Planung, Erfahrung und vorhandenes Material seien daher das A und O.

Das Ziel nach der Knie-Endoprothetik sei immer, ein gerades Bein, Stabilität und die Symmetrie der Bänder zu erhalten beziehungsweise herzustellen. Gerade bei Letzterem komme es exakt auf den Millimeter an. „Insgesamt ist der Eingriff eine komplexe Geschichte“, sagt Dr. Heers.

Hohes Niveau

Im Bereich der verwendeten Materialien gebe es auf dem Markt inzwischen zahlreiche Entwicklungen und Designs. Grundsätzlich weiß der Ärztliche Direktor aber, dass sich die Produkte nur in Nuancen voneinander unterscheiden und sich alle auf hohem medizinisch-qualitativem Niveau bewegen. Entsprechende Studien dazu zeigten das. Lediglich im Bereich des verwendeten Kunststoffes (Polyethylen) gebe es Neuerungen, die wirklich Verbesserungen mit sich bringen – so seien neue Modelle abriebfester als die zuvor.

In der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel werden im Bereich der Knie-Endoprothetik jährlich etwa 600 Eingriffe vorgenommen – Wechseloperationen nicht inbegriffen. Nach der Operation seien die Patienten in der Regel sofort wieder mobil, dennoch sei ein stationärer Aufenthalt von drei bis vier Tagen sinnvoll. Die durchschnittliche Haltedauer der Endoprothetik liege, je nach Belastung, zwischen 15 und 20 Jahren.  Veg

„Bei der Arthrose geht die Knorpelschicht zwischen den Gelenken mehr und mehr zugrunde, das führt letztlich zu Entzündungen und Schmerzen.“ PROF. DR. GUIDO HEERS
„Bei der Arthrose geht die Knorpelschicht zwischen den Gelenken mehr und mehr zugrunde, das führt letztlich zu Entzündungen und Schmerzen.“ Prof. Dr. Guido Heers © Vitos Orthopädische Klinik Kassel

Hintergrund: 

Anatomie des Kniegelenks
Das Kniegelenk bildet die Verbindung zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein. Die Knochenenden sind dabei von Knorpel überzogen. Auch durch die Gelenkflüssigkeit ist das Knie damit gut beweglich und die Gelenkflächen gleiten aufeinander. Die Menisken, C-förmige Bindegewebspuffer, federn im Gelenk Stöße ab.

Für die Stabilität des Kniegelenks wichtig sind die Kniebänder: Das Innen- und Außenband sowie vorderes und hinteres Kreuzband. Vorne auf dem Kniegelenk gleitet die Kniescheibe. Sie ist oben am Oberschenkelmuskel, unten am Kniescheibenband befestigt. Bei einer Arthrose bilden sich in den Knorpelschichten zunächst feine Risse und der Knorpel raut immer mehr auf und geht letztlich zugrunde. Eine Endoprothetik ersetzt vereinfacht gesagt die defekten Flächen, die zuvor entfernt und für die Prothese exakt ausgemessen werden müssen.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.
Die Redaktion