Ein Münzdieb erfand den Lügenbaron

Erfinder des Lügenbarons Münchhausen lebte in Kassel

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Szene aus dem neuen Münchhausen-Film mit Jan Josef Liefers

Kassel. Weihnachten gibt es einen Münchhausen-Zweiteiler in der ARD. Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass der Erfinder des weltberühmten Lügenbarons, Rudolf Erich Raspe, von 1767 bis 1775 in Kassel lebte.

Unglücklicherweise hatte er die Münzsammlung des Landgrafen in Kassel so akkurat katalogisiert, dass seine schamlosen Diebstähle aufflogen. Über Nacht brachte der Münzdiebstahl Rudolf Erich Raspe um all seine Verdienste. 1775 musste sich der bedeutende Universalgelehrte Hals über Kopf nach England absetzen.

Zuvor hatte Raspe sieben Jahre lang in Kassel als Bibliothekar und Professor am Collegium Carolinum gewirkt. Er schrieb und übersetzte - außer ins Deutsche - in vier Sprachen: Latein, Englisch, Französisch und Italienisch. Vor dem Diebstahl stand der talentierte Professor hoch in der Gunst von Landgraf Friedrich II. von Hessen Kassel, der sogar die Patenschaft für seine beiden Kinder übernommen hatte.

Die Flucht nach London bot zwar Sicherheit, sein Ruf war aber schwer beschädigt. Raspe flog aus der Royal Society, der amerikanische Staatsmann und Erfinder Benjamin Franklin und andere befreundete Gelehrte gingen auf Distanz, James Cook wollte ihn nicht auf seine dritte Weltumsegelung mitnehmen. Als Mitübersetzer von Georg Forsters Reisebeschreibung und Berater für den Bergbau in Cornwall rappelte sich Raspe wieder auf.

Zudem erfand Raspe in Cornwall und London den legendären Lügenbaron. Raspe nutzte verschiedene Quellen über Münchhausen, und seine ab 1785 verbreiteten Geschichten über den Lügenbaron wurden ein riesiger Erfolg. Die Kasseler Kunsthistorikerin Dr. Andrea Linnebach hat bereits vor sieben Jahren das Buch „Wissenschaft, Kunst, Abenteuer - Der Münchhausen-Autor Rudolf Erich Raspe“ herausgegeben.

Jetzt hat sie an einem Doku-Drama mit Ben Becker über den Universalgelehrten mitgearbeitet. Gedreht wurde unter anderem im Ottoneum und in der Murhardschen Bibliothek. Das Doku-Drama über Raspe wird am 19. Januar 2013 um 20.15 Uhr auf ARTE gezeigt. Eine Münchhausen-Verfilmung mit Jan Josef Liefers läuft am 25. und 26. Dezember, 17.45 Uhr, als ARD-Weihnachtszweiteiler. (use)

Hintergrund

Münchhausen lief vor dem Angriff

Der Film „Münchhausen“ aus dem Jahr 1943 mit Hans Albers in der Hauptrolle ist auch Teil der Kasseler Stadtgeschichte. Als sich am Freitag, 22. Oktober 1943, 400 britische Kriegsbomber bereits im Anflug auf Kassel befanden, lief im Ufa-Kino an der Königsstraße der Abspann von „Münchhausen“. Es war für lange Zeit die letzte Vorführung in dem Kino.

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