Herderschullehrer und Reformpädagoge Karl Herbert Rösler starb 92-jährig

Der Erfinder der "Lümmel von der ersten Bank": Kasseler Autor Rösler mit 92 gestorben

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Dr. Karl Herbert Rösler

Kassel. Im Alter von 92 Jahren ist am 16. März der Kasseler Schriftsteller, Bestsellerautor, Reformpädagoge und Mitglied der Schulleitung der Herderschule, Dr. Karl Herbert Rösler, gestorben.

Nicht alle wussten, dass der gebildete, diskrete Mann mit dem Nimbus eines Gentleman Bestsellerautor und Ideengeber für eine Serie von Filmkomödien war, die in den Jahren 1967 bis 1972 in deutschen Kinos zu Kassenschlagern wurden. Das lag auch daran, dass er, um sich als Lehrer zu schützen, unter dem Pseudonym Alexander Wolf schrieb.

Nach dem Studium in Göttingen und Marburg mit anschließender Promotion wurde Rösler 1957 Studienassessor und 1959 Studienrat. Er unterrichtete von 1956 bis 1989 vor allem Deutsch und Englisch, aber auch Sport an der Herderschule. Schulgründer Dr. Klitscher hatte Rösler seinerzeit an die Herderschule geholt, da Rösler ein Anhänger des reformpädagogischen Ansatzes der Schule war.

Ruhm erlangte Rösler durch seine 1963 veröffentlichte Satire „Zur Hölle mit den Paukern“. So steht es in seinem Wikipedia-Eintrag. Das Buch wurde als erster Teil des Kinoschlagers „Die Lümmel von der ersten Bank“ mit Stars wie Uschi Glas, Theo Lingen, Hannelore Elsner, Hansi Kraus und Georg Thomalla verfilmt. Es entstand eine Reihe von sieben deutschen Filmkomödien zum Thema Schule und Schülerstreiche. Noch im Jahr der Uraufführung erhielt der Film die Goldene Leinwand für mehr als drei Millionen Zuschauer. Mit fast sechs Millionen Kinobesuchern war der erste Film einer der erfolgreichsten der gesamten Reihe.

Kassenschlager: „Zur Hölle mit den Paukern (Die Lümmel von der ersten Bank)“ ist eine Filmkomödie, die 1967 unter der Regie von Werner Jacobs mit Hansi Kraus (links) und Theo Lingen nach der Romanvorlage von Karl Herbert Rösler gedreht wurde. Fotos: Herderschule

Karl Herbert Rösler stammte aus dem thüringischen Unterschönau, lebte als Kind in Steinbach-Hallenberg und verbrachte den größten Teil seiner Jugend in Malsfeld an der Fulda. Er war verheiratet mit Johanna Rösler, die 1996 verstarb. Zur Familie gehören zwei Kinder und zwei Enkelkinder.

Zu den engen Freunden Röslers gehörten der Karikaturist Gerhard Glück und sein Kollege an der Herderschule, der Kabarettist Karl Garff. Beide sagen über den verstorbenen Freund: „Er war anspruchsvoll, klug und witzig, ein sehr guter Zuhörer, ein Kenner von Kunst und Literatur. Er hatte eine enorme satirische, sprachliche und stilistische Begabung.“ Garff rühmt Röslers Talent, spontan Verse zu dichten, etwa den Limerick: „In einem urigen Dorf namens Besse/ lebt der letzte authentische Hesse/ und wer das nicht glaubt,/ kriegt eine aufs Haupt/ und obendrein in die Fresse“. Christina Wieprecht von der Herderschule sagt: „Rösler war ein überzeugter Demokrat.“ Er engagierte sich für politische und karitative Organisationen wie „Amnesty International“ und das „Netzwerk Demokratie (gegen rechts!)“. Nach seiner Pensionierung leitete Rösler an der Volkshochschule Kassel Seminare für deutsche Literatur.

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