Kasseler Kreativforscher will anhand der deutschen Computermaus klären, wie Innovationen entstehen

Den Erfindern auf der Spur

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Computer anno dazumal: Mit der Rollkugel (Vordergrund) nimmt „der Operateur aus beliebiger Entfernung Kontakt mit der Datenverarbeitungsanlage auf“, heißt es in der Beschreibung zu dem Foto aus dem Jahr 1968. Es entstand an der Uni Gießen.

Kassel. Der Kasseler Kreativforscher Dr. Stefan Bornemann glaubt nicht an Genies. Er ist der Meinung, dass Erfindungen entstehen, wenn Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten in der richtigen Umgebung an einer Vision arbeiten.

Am Beispiel der Rollkugel – ein zeitgleich entwickeltes, deutsches Pendant zu der in Amerika erfundenen Computermaus – will er dem kreativen Prozess auf die Spur kommen. Um sein Projekt zu finanzieren, geht Bornemann neue Wege des sogenannten Crowdfundings.

Die Geschichte der Computermaus hat Bornemann fasziniert. Es gibt ein weitestgehend unbekanntes Kapitel, dem sich der Kreativforscher vom Institut für Erziehungswissenschaft widmet. Gemeinhin gilt der Amerikaner Douglas Carl Engelbart als Vater der Erfindung, die er 1968 vorstellte. Dabei hatte Rainer Mallebrein, Ingenieur bei Telefunken, zur gleichen Zeit seine Rollkugel präsentiert.

Mallebreins Idee basierte auf einer Innovation von Telefunken für die Flugsicherung. Deren Mitarbeiter navigierten mit einer Kugel, die in die Schreibtische eingelassen war, über die grafischen Oberflächen ihrer Monitore.

Stefan Bornemann

Als Universitäten Interesse an der Technik anmeldeten, stellte sich ein Problem dar. Die Hochschulen hatten keine Lust, ihre Tische zu zersägen, um die Rollkugel in die Tischplatte einlassen zu können. Also kam Mallebrein auf die Idee, das Prinzip umzukehren und die Kugel auf der Tischoberfläche rollen zu lassen.

Damit nicht genug: Mallebreins Abteilung meldete auch ein Patent für den ersten Touchscreen an, also für die Bedienung von Computern durch Berührung des Bildschirms, erzählt Bornemann. „Damals müssen besondere Bedingungen bei Telefunken geherrscht haben“, ist sich der Kreativforscher sicher. Diese Bedingungen und die Akteure will er erforschen. Dazu will er den heute 78-jährigen Mallebrein und dessen damalige Kollegen interviewen. Er will erfahren, welche Hierarchien es gab und wie die Abteilungen zusammenarbeiteten.

Es ist nicht das erste kreative Team, dem sich Bornemann annimmt. Auch Charles Darwin und Steve Jobs hat er bereits analysiert. Jeweils gebe es in diesen „kreativen Feldern“ einen Kristallisationspunkt - dieser sei bei Telefunken Mallebrein gewesen.

5000 Euro nötig

Um seine Arbeit zu finanzieren, startet Bornemann das erste Crowdfunding-Projekt der Uni Kassel. Dazu wird das Projekt auf der Plattform www.sciencestarter.de präsentiert und Interessierte können das Vorhaben fördern. Um die Reisekosten und den Arbeitsaufwand decken zu können, benötigt der Forscher 5000 Euro. Bis Ende Januar kann das Projekt über Sciencestarter gefördert werden. Kommt das Geld nicht zusammen, dann erhalten die Unterstützer ihr Geld sofort zurück.

Von Bastian Ludwig

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