Für ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis

Erfolgloser Räuber muss in Haft - Von Wirtin mit Wok vertrieben

Kassel. Wok gegen Regenschirm – ein seltenes Duell. Bei einem gescheiterten Überfall auf einen Imbiss in Philippinenhof ging es im Oktober 2013 zugunsten der asiatischen Kochpfanne aus.

Der Räuber, der seinen Faltschirm wie eine Pistole in der Jackentasche getragen hatte, musste ohne Beute von dannen ziehen. Am Montag wurde er vom Kasseler Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt – wegen „versuchter schwerer räuberischer Erpressung in einem minderschweren Fall“.

Außerdem ordnete das Schöffengericht die Unterbringung des 37-Jährigen in einer Entziehungsanstalt an. „Das ist aus therapeutischen Gründen unverzichtbar“, befand Richter Leyhe. Denn bei seinem Überfallversuch hatte der Angeklagte reichlich Bier intus gehabt, wieder einmal.

Achtmal ist der Mann bereits verurteilt worden, fast immer war er bei seinen Straftaten betrunken gewesen. „Da zeigt sich bei Ihnen ganz eklatant die verheerende Wirkung des Alkohols“, sagte der Richter. „Alkohol ist bei Ihnen der rote Faden.“

Der Angeklagte, der bislang nichts Schlimmeres als Diebstähle begangen hat, hatte den verhinderten Imbissraub vorbehaltlos zugegeben. Gerade einmal drei Wochen vor jenem Oktoberabend war er aus der Haft entlassen worden, ihm mangelte es an Geld, er trank. „Mehr als üblich“, sagte er. „Ich hatte eigentlich versucht, das runterzuregeln – das hat an dem Tag nicht so geklappt.“ Knapp 2,4 Promille wurden gemessen, als der Mann kurz nach der Tat festgenommen wurde.

Aktualisiert um 19.35 Uhr.

Wie er auf die „wahnwitzige Idee“ gekommen sei, den Asia-Imbiss zu überfallen, sei ihm unerklärlich, beteuerte er. Und seine Vorbereitung beschränkte sich dann auch darauf, sich die Baseballkappe tiefer ins Gesicht zu ziehen – und den Knirps so in die Jackentasche zu stecken, dass er ihn wie eine Pistole auf die Imbissbetreiber richten konnte. „Noch blöder“, sagte er, „geht’s ja gar nicht.“

Aber es reichte, um das Ehepaar, dem das Lokal gehört, in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Inhaber missverstand die Forderung „Kohle her!“ im ersten Moment zwar als etwas seltsame Bestellung einer Cola.

Doch seine Frau schaltete schneller. Und reagierte in ihrer Panik außerordentlich mutig. Heimlich tippte sie die Nummer des Polizeinotrufs in das Telefon, das hinter der Theke lang. Dann griff sie zu der schweren Wokpfanne. „Ich hab gedacht, ich hab keine Chance mehr“, erzählte die 49-Jährige. „Aber man muss sich irgendwie wehren.“

Sie holte aus, und schlug mit dem Wok zu – zunächst auf die Hand mit der vermeintlichen Waffe, dann auf die Schulter des Räubers. Worauf der Mann den Rückzug antrat. Erst danach merkte sie, wie sehr sie unter Schock stand. Und noch heute kommen ihr bei der Erinnerung die Tränen. „Ich hab so große Angst!“ (jft)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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