Besonders kleine Firmen nutzten Ausbildungspartnerschaft - Azubis haben Nachsehen

Aus für das Erfolgsmodell

Ausbildung im Verbund: An der Wiener Straße in Kassel gibt es ein großes Zentrum mit über 100 Azubis für die Verbundausbildung, das einst Teil von Thyssen-Krupp ExperSite war und heute zur RGM Holding gehört. Archivfoto: Dilling/nh

Kassel. Das Förderprogramm für die Verbundausbildung in Hessen wird es ab diesem Jahr definitiv nicht mehr geben. Dies ist die Antwort auf eine Kleine Anfrage von hiesigen SPD-Abgeordneten an den Hessischen Landtag. Stattdessen will das hessische Wirtschaftsministerium künftig schwerpunktmäßig Ausbildungsplätze für Hauptschüler fördern.

Finanziert zu jeweils 50 Prozent aus Töpfen des Europäischen Sozialfonds und des Landes Hessen, wurden kleine und mittelständische Firmen gefördert, die nicht alle Ausbildungsinhalte selbst vermitteln können. Ausbildungsabschnitte konnten außerhalb des Betriebs umgesetzt werden, ohne dass dadurch den Unternehmen zusätzliche Kosten entstanden. 2010 wurden hessenweit 7,71 Mio. Euro investiert, davon im Regierungsbezirk Kassel 2,76 Mio.

In dem Verbund arbeiteten von 1997 bis 2010 über 200 Firmen in Nord- und Osthessen aus verschiedenen Branchen zusammen, berichtet der zuständige Projektingenieur Achim Gritzmann. In diesem Zeitraum sind immerhin 900 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen worden. Die Übernahmerate der Lehrlinge lag bei 90 Prozent.

Besonders in technischen Berufen wie Mechatroniker, der Steuerung großer Werkzeugmaschinen und der klassischen Grundausbildung im Bereich Metall haben Firmen das Förderangebot genutzt.

Für die nordhessische Wirtschaft bedeutet das Aus für die Ausbildungspartnerschaft einen schweren Schlag, solange es noch immer mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt. „Das war ein Erfolgsmodell“, sagt Achim Schnyder, Sprecher der Bezirksgruppe Nordhessen im Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen.

Weniger Ausbildungsplätze

Viele Ausbildungsplätze bei den kleinen Unternehmen fielen nun weg, prophezeien Schnyder und Gritzmann aufgrund von internen Umfragen. Wie hoch die Zahl sei, könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch keiner sagen.

Allein in Kassel seien es bei einem großen Verbundausbilder, der nicht genannt werden wolle, 40 Prozent. Dabei müssten gerade kleine Firmen vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ihre Leute im eigenen Haus ausbilden, um nicht gegenüber den großen Ausbildungsbetrieben in der Region ins Hintertreffen zu geraten, sagt Schnyder.

Koordiniert hatte die Ausbildungsverbünde die gemeinnützige Arbeitsförderungsgesellschaft Agil im Landkreis Kassel. Hierfür erhielt sie jährlich eine Million Euro. Hauptkoordinationspartner von Agil war VW Coaching.

Bei Agil stehen nun zwei Stellen zur Disposition. Allerdings würden zurzeit zusammen mit dem Wirtschaftsministerium neue Geschäftsmodelle für die Verbundausbildung geprüft, sagt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Kreises Kassel. Unabhängig davon bestünde die Möglichkeit, dass Firmen die Ausbildung aus eigener Tasche bezahlen.

Um nach einer zufriedenstellenden Lösung zu suchen, hat VW Coaching die Verbundausbilder für den 7. Februar an einen Tisch gebeten. KOMMENTAR

Von Beate Eder

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.