Fische, Algen und Bakterien

Angst vorm Baden in der Natur: Was in Seen und Flüssen der Region wirklich lauert

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In Nordhessen und Südniedersachsen ist unter anderem der Wels unterwegs. Er kann bis zu drei Metern lang werden.

In der Natur baden wir nie allein: Fische tummeln sich unter uns und Algen und Bakterien können sogar ungesund sein. Wir verraten, in welchen Fällen die Angst vor offenen Gewässern berechtigt ist.

Der Diemelsee ist etwa 30 Meter tief, der Edersee sogar bis zu 40 Meter – viel Platz für die Fantasie. Wer hier badet und unter sich schaut, sieht nichts als Schwärze. Dort unten könnte alles schwimmen – sehen würde man es nicht. Wir haben bei Experten nachgefragt, was da wirklich lauert.

Diese Fische tummeln sich in der Region

„In hessischen Gewässern gibt es 43 einheimische und 18 nicht einheimische Fisch- und Rundmaularten“, sagt Harald Merz von der Pressestelle des Regierungspräsidiums Kassel. Auch in Südniedersachsen leben zahlreiche Fischarten. Darunter Raubfische wie Zander, Barsche und Forellen. Der Hecht kann über einen Meter lang werden, der Wels, der auch in Nordhessen lebt, sogar bis zu drei Metern. „Einzelne Welse wiegen bis zu 100 Kilo“, sagt Merz.

Auch das Neunauge kommt in Gewässern der Region vor.

Ein Wels soll in Bayern sogar einen Menschen angegriffen haben: Laut Medienberichten ist eine Schwimmerin im vergangenen Sommer im niederbayerischen Kirchroth von einem der Tiere gebissen worden. Welse haben viele kleine Zähne im Maul, die auf der menschlichen Haut wie Schmirgelpapier wirken können. Sie verursachen dadurch eher Schürf- als Bisswunden. 

Schwimmer in der Region können aber aufatmen: Weder in Nordhessen noch in Südniedersachsen wurde bisher der Angriff eines Welses gemeldet. Hinzu kommt, dass keine besonders großen Fische dieser Art in der Region gesichtet worden sind. Stattdessen tummeln sich in den Gewässern viele kleinere Fische wie Karpfen, Aale oder Weißfische. In den Flüssen schwimmen außerdem das kleine Bachneunauge sowie verschiedene Krebsarten: Neben dem einheimischen Edelkrebs auch der Kamberkrebs und der Signalkrebs. Für den Menschen sind sie unbedenklich.

Der Edelkrebs ist in Nordhessen und Südniedersachsen heimisch.

So gefährlich können Bakterien und Algen werden

Gefährlicher als die Tiere in heimischen Gewässern können Bakterien und Algen sein. „Gerade vom Baden in Flüssen raten wir grundsätzlich ab“, sagt Andreas Gründel vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Im Gegensatz zu Badeseen stehen Flüsse nicht unter Beobachtung und Kontrolle des Landesamtes. Abwässer aus Kläranlagen werden in Flüsse geleitet, fließende Gewässer können nicht bakteriologisch gereinigt werden. „Potentiell ist das immer bedenklich“, so Gründel. Gerade nach langen Regenfällen, durch die Erreger von Straßen und Äckern in Flüsse geschwemmt werden können, sollte man vom Baden im Fluss Abstand nehmen.

Unbedenklich sei hingegen das Schwimmen in Badeseen der Region: So hat das Hessische Landesamt 22 Badeseen getestet. 19 davon weisen eine ausgezeichnete Qualität auf, einer wurde als gut bewertet, zwei weitere als ausreichend. Auf der Website des Landesamtes erfährt man genau, welche Ergebnisse zu welchem See vorliegen.

Geprüft wird unter anderem eine mögliche fäkale Verunreinigung des Wassers: E. Coli Bakterien können durch Vögel oder den Menschen ins Wasser geraten. Wer sich damit infiziert, leidet unter Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, in schweren Fällen kann die Erkrankung sogar zu einem Nierenversagen führen und lebensgefährlich werden.

Blaualgen lassen das Wasser blaugrün schimmern.

„Das Spektrum an Krankheitserregern in Gewässern ist groß“, so Gründel. Auch die Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen, stellen eine Gefahr für den Menschen dar. Zu erkennen sind sie an ihrem blaugrünen Schimmern. Sie verursachen unter anderem Reizungen an Haut, Schleimhaut und Bindehaut und führen zu Ohrenschmerzen, Fieber und Durchfall.

Um sicherzustellen, dass Badeseen nicht belastet sind, werden sie einmal vor und viermal während der Saison geprüft. Seitdem die neue EU-Badegewässerrichtlinie 2006 in Kraft getreten ist, liegt der Schwerpunkt vor allem auf Hygiene. Wie stark das Wasser getrübt ist, wird nicht mehr geprüft. „Die Trübung ist aber relevant!“, betont Gründel. Der Grund: Rettungskräfte sollten einen in Not geratenen Schwimmer sehen können. Ob man trotz Trübung schwimmen geht, muss jeder selbst entscheiden. Eine gute Richtlinie: Wer knietief im Wasser steht, sollte seine Füße noch erkennen.

Die größte Gefahr ist das Ertrinken

Die größten Gefahren beim Schwimmen in offenen Gewässern bestehen laut Gründel nicht in Algen, Bakterien oder Fischen – sondern im Ertrinken. „Manche Schwimmer überschätzen sich – oft deswegen, weil sie betrunken sind.“ Um sich beim Schwimmen bestmöglich zu schützen, hat er einige Tipps auf Lager.

Tipps fürs Schwimmen in offenen Gewässern

  1. Geht nur mit vernünftiger Kondition ins Wasser. 
  2. Trinkt vorher keinen Alkohol. 
  3. Achtet darauf, dass ihr nicht zu aufgeheizt seid, bevor ihr ins Wasser geht. 
  4. Vor dem Baden solltet ihr duschen, außerdem ist es wichtig, nicht kurz zuvor Sonnenschutz aufgetragen zu haben – Öle und Fette sind eine große Belastung für das Wasser.
  5. Lasst eure Abfälle nicht herumliegen, sie können ins Wasser geraten. 
  6. Benutzt unbedingt Toiletten, um den See vor organischer Belastung zu schützen. 
  7. Füttert keine Tiere: Viele Vögel vertragen das Brot nicht, und auch der See wird von den Essensresten belastet.

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