Treffen von Brandt und Stoph 1970 - Bisher nicht einmal Gedenktafel in Kassel

Erfurt hält Erinnerung wach

Stimmungsvolle Erinnerung: Das Hotel Erfurter Hof mit der im vergangenen Jahr angebrachten Leuchtschrift „Willy Brandt ans Fenster“. Fotos:  dpa

Kassel. Es war einer der wichtigsten Tage der Kasseler Nachkriegsgeschichte. Doch an das Treffen zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und dem DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph am 21. Mai 1970 erinnert heute nichts mehr. Am Bahnhof Wilhelmshöhe nicht, der sein Gesicht ohnehin komplett verändert hat. An der Wilhelmshöher Allee, über die die Kolonne mit den Staatskarossen fuhr, gibt es ebenfalls keinen Hinweis und auch am Tagungsort, dem Schlosshotel, nicht.

Da ist Erfurt sehr viel weiter. Hier fand der erste innerdeutsche Gipfel am 19. März 1970 statt. Seit einem Jahr gibt es dort ein unübersehbares Willy-Brandt-Denkmal. Auf dem Dach des damaligen Tagungshotels Erfurter Hof wurde eine große Leuchtschrift „Willy Brandt ans Fenster“ installiert. Damals riefen 8000 Menschen einen Vornamen, der für Stoph und Brandt gleichermaßen zutraf. Eindeutig gemeint war aber Willy Brandt. Trotz zu befürchtender Repressalien durch die DDR-Sicherheitskräfte machten die Erfurter so lange weiter, bis der richtige Willy unter großem Jubel kurz ans Fenster trat. Daran erinnert die Leuchtschrift. Abends ist darüber hinaus das von Brandt genutzte Zimmer beleuchtet, ein Infoterminal ermöglicht eine virtuelle Zeitreise.

Stadt will aktiv werden

Könnte sich Kassel nicht ein Beispiel an Erfurt nehmen? Hier gab es zwar keine Szene, die so emotional aufwühlend war, wie der Gruß Willy Brandts aus dem Fenster des Erfurter Hofs, aber zumindest eine Erinnerungstafel müsste doch möglich sein.

„Wir können uns das gut vorstellen.“

Monika Jochinger, Schlosshotel

Bei der Stadt Kassel war gestern die erste Reaktion auf diesen Vorschlag positiv. „Das ist eine gute Idee, die wir aufgreifen werden“, sagte Pressesprecherin Petra Bohnenkamp. Ein naheliegender Ort für eine Erinnerung an das Kasseler Treffen vor 40 Jahren wäre das Schlosshotel. „Wir können uns das gut vorstellen“, sagte Mitinhaberin Monika Jochinger. Gemeinsam mit ihrem Mann will sie sich Gedanken über eine geeignete Präsentation machen. Spätestens zum nächsten Jahrestag des Brandt-Stoph-Treffens soll dann auch in Kassel daran erinnert werden.

Zahlreiche Fotos von dem Treffen am 21. Mai 1970 in Kassel auf www.hna.de/foto

Von Thomas Siemon

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