Kunstwerk „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“ am Motzberg im Vorderen Westen

Kasseler kritisieren Umsetzung von Erinnerungsskulptur

Holger Möller, Vorsitzender Kassel West, steht mit einem Ordner in der Hand vor der Skulptur „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“
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Begleitete den jahrelangen Prozess: Holger Möller, Vorsitzender Kassel West, gehört zu denen, die sich für die Skulptur „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“ an einigen Stellen Überarbeitung gewünscht hätten.

Fast acht Jahre hatte es gedauert, bis das Kunstwerk „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“ der US-amerikanischen Künstlerin Linda Cunningham auf dem Motzberg-Grünzug an der Friedrich-Ebert-Straße im Mai fertiggestellt war. 48 000 Euro hat es gekostet und das Ergebnis war, milde formuliert, anders als erwartet.

Kassel - Wenige Wochen nach der Einweihung der Skulptur, mit der elf bedeutenden Frauen aus Kassel ein Denkmal gesetzt werden sollte, sind die sechs doppelseitig bedruckten Glaswände nicht mehr ansehnlich. Vogelschiss und Wetter haben die Glasscheiben trübe werden lassen. Auch das einst weiße Fundament: mittlerweile dreckig – doch das ist nur ein Detail einer großen Unzufriedenheit, die von verschiedenen Seiten zu vernehmen ist.

Die Sache habe sich unangenehm lange hingezogen, sagt Brigitte Bergholter, eine von vielen Frauen, die mit jahrelangem Engagement für die Finanzierung der Skulptur gesorgt hatte. „Es hätte toll werden können, aber die Ausführung ist unbefriedigend.“ Die Schrift sei viel zu klein, die riesige Darstellung der Sponsoren sei unverhältnismäßig, was den Geldgebern teils selbst peinlich sei. „Die Würdigung der Frauen im Stadtraum war längst überfällig. Aber dieses Kunstwerk verfehlt das Ziel.“ Sie habe viele erregte Stimmen vernommen – wegen der unangemessen langen Bauzeit, der hohen Kosten und der künstlerischen Umsetzung.

Er sei mit dem Kunstwerk im Reinen, sagt Holger Möller, Vorsitzender des Vereins Kassel-West, der als Bauherr fungierte. Doch so ganz zufrieden äußert auch er sich nicht. Weil er zufällig Architekt sei, habe er die Bauplanung übernommen, Genehmigungen eingeholt und die Kostenabwicklung betreut. In der Entwurfsphase habe er sogar Änderungsvorschläge gemacht, hatte etwa die grafischen Elemente anders angeordnet, mit Schriftgrößen gespielt, für milchiges Glas plädiert statt für transparentes. Letzteres sorge etwa dafür, das die aufgedruckten Noten von Luise Greger, von der falschen Seite betrachtet, nicht lesbar seien. „Meine Vorschläge wurden aber nicht verfolgt.“

Bei gestalterischen Dingen im öffentlichen Raum, sagt Möller, gebe es immer Diskussionen. Dennoch: „Man kann alles verändern, die Scheiben austauschen, Farbfolien dazwischen machen. Man könnte einen knalligen Kubus drumherum bauen. Ich bin sicher, würde man einen Wettbewerb ausschreiben, es kämen viele Ideen.“ Die Umsetzung aber koste wieder Geld. „Und das kommt schlecht an.“ Am Ende sei es eben das Kunstwerk von Linda Cunningham.

Dass dahinter neben dem Geld großer Unternehmen auch zahlreiche Privatleute stehen, ärgert Brigitte Bergholter besonders. Zusammengenommen mit dem zunehmend vermüllten Zustand des Platzes der elf Frauen, der längst keine Insel der Glückseligkeit mehr sei, äußert sich Bergholter enttäuscht bis ernüchtert.

Wer könnte die Idee hinter dem Kunstwerk besser erklären als die Künstlerin selbst? Linda Cunningham lebt in New York und konzipiert häufig Skulpturen für den öffentlichen Raum – darunter auch das Objekt „Have We Chosen“, das seit 1993 auf der Wiese vor dem Regierungspräsidium steht und an die Bombardierung Kassels erinnert. Auch darüber hinaus ist Cunningham der Stadt keine Unbekannte, stellte zum Beispiel häufig im Rathaus aus. Für eine Stellungnahme war die mittlerweile über 80-Jährige bislang nicht zu erreichen. Die Frage jedoch, wer für die Pflege der Skulptur „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“ zuständig ist, konnte Holger Möller beantworten: der Verein Kassel-West – „zumindest, solange wir noch der Besitzer sind“.

(Anna Lischper)

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