Entlang der Autobahn 44 ist in Oberzwehren eine Fläche von acht Hektar renaturiert worden

Erholung für Mensch und Tier

Auf dem Erdwall unterwegs: Dezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD, von links), Regula Ohlmeier und Volker Lange (beide Umwelt- und Gartenamt) schauten sich die renaturierte Fläche an der A 44 an. Fotos:  Malmus

Oberzwehren. Bei diesem Projekt scheint es nur Gewinner zu geben: Die Firmen konnten Erde und Bauschutt von großen Baustellen ortsnah ablagern, das Ökosystem wurde gestärkt, indem neuer Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere geschaffen wurde, und für die Bewohner gibt es als Nebeneffekt noch einen Schallschutz, zählte Dr. Jürgen Barthel (SPD), stellvertretender Stadtbaurat, beim Ortstermin in Oberzwehren auf.

750 Meter lang

Gemeinsam mit Regula Ohlmeier, Leiterin des Umwelt- und Gartenamtes, und Volker Lange, Leiter der Abteilung Freiraumplanung, schaute sich Barthel den 750 Meter langen, renaturierten Erdwall entlang der A 44 an. Zwölf Meter hoch ist das Bauwerk, das zwischen dem Gewerbegebiet Thielenäcker und der Rengershäuser Straße liegt.

Da Barthel aber nicht nur stellvertretender Stadtbaurat, sondern auch Kämmerer der Stadt Kassel ist, kann er sich über das Projekt doppelt freuen. Der Stadt hat es nichts gekostet, „der Erdwall war kostenneutral“, so Ohlmeier. Es sei eine ihrer ersten Amtshandlungen im Umwelt- und Gartenamt gewesen, mit den Firmen Baureka, Schnittger und Eurovia einen Betreibervertrag abzuschließen. Die drei Unternehmen waren seit 2002 dafür zuständig, Erde und Bauschutt für den Wall nach Oberzwehren zu bringen. Das Material stammte von Großbaustellen in Stadt und Region, wie zum Beispiel von den Baustellen am Klinikum Kassel und am Diakonissenkrankenhaus. 485 000 Kubikmeter seien es insgesamt gewesen, so Ohlmeier. „Die Anwohner aus Oberzwehren haben viel Geduld bewiesen. Viele Lkw mussten dafür durch den Stadtteil fahren.“

Betreiber und Stadt hätten regelmäßig Proben von abgeladener Erde und Schutt genommen. Es sei absolut sicher, dass in dem Erdwall nichts gelandet sei, was dort nichts zu suchen habe, sagen Lange und Ohlmeier.

Feldhasen

Dort, wo einst flacher Acker war, ist ein acht Hektar großer Lebensraum entstanden für Tiere, die es ansonsten in der Stadt nicht mehr gebe. Um die Belange des Naturschutzes zu optimieren, sei auf vielen Teilflächen gezielt auf Oberboden verzichtet worden. Somit gebe es in dem Areal auch die meist seltenen trockenen und mageren Standorte. Lange berichtet von Feldhasen, seltenen Vögeln und Insekten. Auf dem Areal wurden zudem Steinhaufen aufgeschüttet, um den Smaragd-Eidechsen Unterschlupf zu gewähren.

126 Bäume und 200 Sträucher hat das Umwelt- und Gartenamt in diesem Frühjahr zudem noch auf dem Areal pflanzen lassen. Das neue Naherholungsgebiet ist durch die Anlage von neuen Wegen auch von der Rengershäuser Straße aus zu erreichen.

Von dem Erdwall blickt man auf eine neue Baustelle in Nordshausen. Dort entsteht an der A 44 ein weiterer Wall. Der wird doppelt so groß wie der in Oberzwehren, sagt Ohlmeier. „Und die Stadt verdient dieses Mal sogar etwas daran.“ Das freut den Kämmerer.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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