Denkmal in der Karlsaue nach Instandsetzung wieder freigegeben

Ehrenmal in Kassel: Erinnerung an Kriegskatastrophen

Sie wollen eine fundierte Vermittlungsarbeit zur historischen Bedeutung des Ehrenmals: (von links) Andreas Hedwig (Hessisches Landesarchiv) , Loretana de Libero (Volksbund), Ministerin Angela Dorn und Martin Eberle (MHK) vor dem Ehrenmal in der Karlsaue.
+
Sie wollen eine fundierte Vermittlungsarbeit zur historischen Bedeutung des Ehrenmals: (von links) Andreas Hedwig (Hessisches Landesarchiv) , Loretana de Libero (Volksbund), Ministerin Angela Dorn und Martin Eberle (MHK) vor dem Ehrenmal in der Karlsaue.

Das Ehrenmal in der Kasseler Karlsaue, das an die Gefallenen aus en beiden Weltkriegen erinnert, wurde am Freitag wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Kassel – „Früher dienten Denkmale der Repräsentation der Herrschenden, heute dienen sie der Repräsentation der Demokratie.“ Mit diesem Zitat eines Denkmalschützers beendete Andreas Hedwig, Leiter des Hessischen Landesarchivs in Marburg, gestern Nachmittag seinen Vortrag über die historische Bedeutung des Ehrenmals als Gedenkstätte in der Karlsaue. Nach umfangreicher Instandsetzung wurde das Ehrenmal von Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Das Ehrenmal zu erhalten sei ein guter, ja mutiger und zukunftsoffener Schritt, so Hedwig. Es wird weiter Anlass geben, über Kriegskatastrophen und deren Folgen nachzudenken.“ Schon seit den 1950er-Jahren habe es massive Konflikte zwischen Soldatenverbänden und pazifistisch orientierten Kreisen über das Ehrenmal gegeben.

Das Ehrenmal sei in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach umgebaut, umgedeutet und beschädigt worden, so Dorn. Eine Auseinandersetzung mit diesem Denkmal sei wichtig, um die Debatte in der Gesellschaft zu führen über den Umgang mit der Erinnerung an die Gefallenen der Weltkriege.

Zur Erinnerungskultur gehörten Gedenken und Trauer sowie das Bewusstsein für die Verbrechen in diesen Kriegen, so die Ministerin. „Unter den Gefallenen, die das Ehrenmal ehrt, sind aller Wahrscheinlichkeit nach Menschen, die solche Verbrechen begangen haben.“ Dorn erwähnte aber auch, dass seit 1985 eine Tafel an verfolgte Deserteure erinnert, derer an solchen Orten sonst sehr selten ausdrücklich gedacht wird. Geschichte bestehe nicht nur aus Licht und Dunkelheit, sondern aus vielen Facetten. „Und nur wenn wir aus der Geschichte lernen, werden wir eine bessere Zukunft gestalten können.“

Schmierereien würden nicht dabei helfen, diese komplexe Geschichte zu verstehen, so Dorn. Damit ging die Ministerin auf die Farbschmierereien ein, mit denen das Ehrenmal im Sommer 2020 nach seiner Instandsetzung beschädigt worden war. Eine linke Gruppe hatte sich im Internet zu dem Farbanschlag bekannt: „Wir haben die Gedenktafeln der Mörder mit Gipsmasse, Kleber und Farbe angegriffen und unkenntlich gemacht.“

„Schmierereien helfen uns nicht weiter“, sagte gestern Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Er erinnerte daran, dass bei der Instandsetzung des Ehrenmals die aus den beiden Weltkriegen stammenden Gedenktafeln nur gereinigt und die von den Nationalsozialisten zugeschüttete Skulptur „Der Gefallene“ wieder freigestellt worden seien.

Der MHK-Chef, die Ministerin und der Leiter des Landesarchivs waren sich mit Loretana de Libero, Mitglied im Bundesvorstand des Volks-bunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, darin einig, dass eine fundierte Vermittlungsarbeit um die historische Bedeutung des Ehrenmals als Gedenkstätte zukünftig im Mittelpunkt des Umgangs mit dem Denkmal in der Karlsaue stehen sollte. » 

HINTERGRUND

Im Zusammenhang mit der Instandsetzung des Auehangs als nordwestliche Begrenzung der Karlsaue stellt das Ehrenmal einen zentralen Bauabschnitt dar. Es handelt sich hierbei um einen in den 1920er-Jahren zu einer Gedenkstätte für die Toten des Ersten Weltkrieges umgestalteten, im frühen 18. Jahrhundert nach italienischem Vorbild angelegten Terrassengarten, der hauptsächlich aus Natursteinmauerwerk erstellt wurde. Im August 2020 wurden die Bauarbeiten, die drei Millionen Euro gekostet haben, nach fast zweijähriger Instandsetzung abgeschlossen. Das Ehrenmal wurde kurz danach mit Farbe beschmiert und musste wieder gereinigt werden. (Ulrike Pflüger-Scherb)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.