Geschäftsführerin der Kasseler SPD

Erinnerungen von Sabine Wurst: Überrascht von Helmut Kohls Statur

Kassel. Die Kasseler Sozialdemokratin Sabine Wurst erinnert sich daran, wie sie als zehnjähriges Mädchen Helmut Kohl in Kassel getroffen hat.

Als Helmut Kohl 1995 Kassel besuchte, stand nicht nur der Politiker aus der Pfalz im Mittelpunkt. Berichtet wurde auch über ein damals zehnjähriges Mädchen, das den Kanzler unbedingt treffen wollte.

Sabine Wurst ist mittlerweile 32, Stadtverordnete und Geschäftsführerin der Kasseler SPD. Wir sprachen mit der Sozialdemokratin über ihre Erinnerungen an Helmut Kohl.

Frau Wurst, 1995 haben Sie Helmut Kohl getroffen, elf Jahre später sind Sie in die SPD eingetreten. Konnte Kohl Sie von seiner Politik nicht überzeugen?

Sabine Wurst: Damals war ich zehn Jahre alt. Da ist man noch kein politischer Mensch. Kohl kannte ich nur aus dem Fernsehen. Da ich damals im Chor gesungen habe und öffentliche Auftritte hatte, kannte ich aber Oberbürgermeister Georg Lewandowski. Bei einem Auftritt in der Königsgalerie sagte Lewandowski, dass Kohl nach Kassel kommt. Da bin ich zu ihm gegangen und habe gefragt, ob ich dabei sein darf.

Lewandowski hat Sie dann eingeladen?

Wurst: Ja. Im Vorfeld des Kohl-Besuchs wurde dann auch veröffentlicht, dass ich als jüngster Gast der Stadt dabei sein würde. Deshalb besuchte mich auch ein Redakteur der HNA zu Hause. Das war ziemlich aufregend.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Kohl-Besuch?

Wurst: Er kam mir noch viel größer und dicker vor als im Fernsehen. Ich habe ihm dann einen Glücksbringer überreicht, den meine Eltern gekauft hatten. Kohl hat mir zudem eine Schallplatte mit Reden von Ludwig Erhard signiert, die ich von meinem Opa bekommen hatte.

Sie sind mit Helmut Kohl als Kanzler aufgewachsen. Konnten Sie sich damals vorstellen, dass auch einmal ein Sozialdemokrat Bundeskanzler werden könnte?

Wurst: Kohl war schon Kanzler, als ich auf die Welt kam. Mit zehn habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, wie lange der noch im Amt bleibt. Aus meiner Wahrnehmung war er aber damals mit 65 schon ein alter Mann. Ich kann mich aber auch noch an die Parolen im Wahlkampf „16 Jahre sind genug“ erinnern.

Was hat Sie dazu bewogen, 2006 in die SPD einzutreten? War es das Elternhaus?

Wurst: Nein. Mein Vater war zwar ein politischer Mensch, aber nie Mitglied in einer Partei. Ich bin als Kind zu den Falken und später zu den Jusos gegangen. Das Streben nach Gerechtigkeit, Solidarität zeigen sowie die Jugend- und Bildungspolitik haben mich dazu gebracht, in die SPD einzutreten. In diesen Bereichen unterscheiden sich die beiden großen Parteien nämlich ganz deutlich.

Was haben Sie empfunden, als Sie jetzt von dem Tod des Altkanzlers Helmut Kohls erfahren haben?

Wurst: Ich habe ja keine persönliche Beziehung zu ihm gehabt, deshalb auch keine Träne vergossen. Natürlich habe ich mich an das Treffen im Jahr 1995 erinnert. Sein Tod ist natürlich ein Verlust, weil er ein großer Politiker war, der sich für die europäische Idee eingesetzt hat, was mir sehr gefällt. Hinzu kommt, dass er Kanzler in einer bewegten Zeit mit der Wiedervereinigung war. So etwas geht nicht spurlos vorüber.

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