Zahlreiche Kinder krank

Infektionswelle in Kassel: „Immunsystem aus dem Training“

Sie läuft und läuft und läuft: Derzeit werden viele Kinder von hartnäckigen Atemwegserkrankungen geplagt. Oft dauern sie mehrere Wochen an.
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Sie läuft und läuft und läuft: Derzeit werden viele Kinder von hartnäckigen Atemwegserkrankungen geplagt. Oft dauern sie mehrere Wochen an.

In der Region Kassel geht eine echte Infektionswelle herum. Aufgrund von Corona ist das Immunsystem geschwächt - Erkältungen und Co. haben es dadurch leichter.

Kassel - Die Corona-Pandemie und die Schutzmaßnahmen haben dafür gesorgt, dass sich die Erkältungskrankheiten im vergangenen Winter in Grenzen hielten. Nun rollt die Infektwelle dafür umso heftiger. Dies zumindest beobachten Kinderärzte in Kassel und Umgebung. Auch einige Kitas müssen ihre Angebote einschränken, weil sich das Personal reihenweise krank gemeldet hat.

„Wir haben aktuell sehr viele Patienten mit Erkältungskrankheiten“, sagt Kinderarzt Dr. Matthias Demuth. Das sei ungewöhnlich für diese Jahreszeit. „Normalerweise erleben wir das im Februar.“ Aus Sicht des Mediziners wird jetzt das nachgeholt, was Anfang des Jahres ausgeblieben ist.

Corona in der Region Kassel: Die meisten Fälle bei Kindern verlaufen bisher ohne Symptome

„Das meiste ist nichts Schlimmes. Hartnäckige Erkältungen – teilweise mit Fieber bis zu drei Tagen“, so Demuth. In solchen Fällen könne Corona in der Regel ausgeschlossen werden. „Meine Corona-Fälle bei Kindern waren fast alle ohne jegliche Symptome“, so der Kinderarzt. Weil Kindertagesstätten mit Blick auf Corona sehr vorsichtig geworden seien, müsse er vermehrt Bescheinigungen für die Eltern ausstellen, damit diese zu Hause ihre Kinder betreuen können.

Auch beim kinderärztlichen Bereitschaftsdienst sind in erster Linie Patienten mit Erkältungssymptomen vorstellig. Fast dreiviertel aller Behandlungen seien auf Erkältungskrankheiten zurückzuführen, so Karl Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), die den Bereitschaftsdienst betreibt.

Deutschlandweit ist das Respiratorische Synzytial Virus (RSV) auf dem Vormarsch. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist es der häufigste Auslöser von Atemwegsinfektionen. „Auch in Kassel und der Region gibt es seit September RS-Virus-Fälle. Einige Kinder liegen bereits im Klinikum. Eigentlich tritt das Virus erst ab November auf“, sagt Kinderarzt Thomas Lenz, Obmann der nordhessischen Kinderärzte aus Vellmar.

Nicht nur Corona: In den Kitas von Kassel geht die Erkältungswelle herum

Die Auswirkungen sind in den Kindertagesstätten zu spüren. „Seit einer Woche rollt in unseren Kitas die Erkältungswelle. Betroffen sind sowohl die Kinder wie das Personal“, sagt Heike Schaaf, Sprecherin der Evangelischen Kirche Kassel.

Beim Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) ist die Lage ähnlich. In den fünf Kitas und Krippen des privaten Trägers seien „zwischen einem Drittel bis hin zur Hälfte der betreuten Kinder derzeit erkrankt“, so Sandra Hartwigsen, Kita-Fachbereichsleiterin. Atemwegserkrankungen seien die häufigste Ursache. „Auffällig ist, dass die Erkrankungen sehr hartnäckig sind. So haben viele Kinder auch nach einer Woche immer noch deutliche Symptome. Leider werden sie dennoch häufig in die Einrichtungen gebracht“, so Hartwigsen.

Wegen der Krankheitswelle würden auch Teile der Belegschaft abwechselnd ausfallen. Zusätzlich sei aufgrund der Urlaubszeit und des erhöhten Betreuungsbedarfs durch Ferienbetreuung der Hortkinder die Betreuungssituation an einigen Standorten angespannt.

Kassel: Immunsystem aufgrund von Corona-Pandemie heruntergefahren

Unter den Erwachsenen gibt es nach Beobachtung des Kasseler Internisten Michael Donges noch nicht so viele Infektpatienten wie sonst um diese Jahreszeit. Im Vergleich zum Vorjahr suchen aber vermehrt Patienten mit Erkältungskrankheiten die Praxis in Harleshausen auf. Donges vermutet, dass die große Infektwelle noch kommen wird. Die Menschen seien wieder mehr unterwegs, und damit seien auch die Übertragungsmöglichkeiten größer als im vergangenen Herbst und Winter.

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Hinzu komme, dass das Immunsystem heruntergefahren sei, weil es in der Hochphase der Pandemie durch die Kontaktbeschränkungen und strengen Hygienevorkehrungen kaum belastet worden sei. „Wir sind momentan nicht immuntrainiert“, macht Donges deutlich. Auch deshalb rät er insbesondere gefährdeten Gruppen wie chronisch Kranken, Senioren und Schwangeren zur Grippeimpfung. (Bastian Ludwig und Katja Rudolph)

Im Fall von Corona-Erkrankungen forderten Kita-Leiterinnen in Kassel zuletzt klare Regelungen. Ob man eine Erkältung oder sich doch mit Corona infiziert hat, lässt sich aufgrund bestimmter Symptome deuten.

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